FOS 54 Paper Mills und Fake Journals

The Future is Open Science – Folge 54: Paper Mills und Fake Journals

Dr. Doreen Siegfried
Leitung Marketing und Public Relations, ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

Dr. Jasmin Schmitz
Leitung der Publikationsberatung, Programmbereich Open Science, ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften

[00:00:00] Intro
[00:00:03] Jasmin Schmitz:
Also, natürlich sind die Autor:innen auch in gewisser Weise Täter:innen. Also, das kann man denen nicht absprechen. Es ist ganz klar ein Verstoß gegen die gute wissenschaftliche Praxis, gegen die wissenschaftliche Ethik.

[00:00:24] Jasmin Schmitz:
Weil, wir müssen tatsächlich auch schauen, was hier auf dem Spiel steht. Also im Grunde genommen wird der wissenschaftliche state of the art, the scientific record, wie man auch sagt… Ja, einige Autoren haben das mal pollutet genannt. Also, der wird verschmutzt mit Ergebnissen, die eigentlich keinen wissenschaftlichen Wert haben.

[00:00:53] Jasmin Schmitz:
Ansonsten sagt man ja bei Open Science auch: „Na ja. Je mehr natürlich des Forschungsprozesses in der Öffentlichkeit stattfindet, umso mehr Leute gucken drauf, umso schwieriger ist es natürlich dann eben auch, Praktiken zu installieren, die mit der guten wissenschaftlichen Praxis nichts mehr zu tun haben.“

[00:01:16] Doreen Siegfried:
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von „The Future is Open Science“, dem Podcast der ZBW. Mein Name ist Doreen Siegfried und ich treffe mich hier mit ganz unterschiedlichen Leuten aus dem Wissenschaftsbetrieb, die Ihnen verraten, wie sie in ihrer täglichen Arbeit Open Science voranbringen. Heute geht es um ein Thema, das für die Integrität und Glaubwürdigkeit von Wissenschaft von zentraler Bedeutung ist und das aktuell alarmierende Dimensionen annimmt. Wissenschaftlicher Betrug im großen Stil. Anfang August 2025, also jetzt wirklich vor kurzem, ist in den Proceedings of the National Academy of Science eine Studie erschienen mit dem Titel – also, ich übersetze jetzt ins Deutsche – „Die Einrichtungen, die wissenschaftlichen Betrug in großem Stil ermöglichen, sind groß, widerstandsfähig und wachsen rasch.“ Also, das ist tatsächlich die Überschrift des Artikels. Die Autor:innen beschreiben wie sogenannte Paper Mills, also Organisationen, die gefälschte oder minderwertige Forschungsarbeiten in großen Mengen produzieren und verkaufen, weitgehend komplett ungehindert agieren. Ihre Zahl wächst deutlich schneller als die legitimer Wissenschaft und verdächtige Veröffentlichungen verdoppeln sich alle 1,5 Jahre, während sich die Menge seriöser Arbeiten nur alle 15 Jahre verdoppelt. Was sind jetzt genau diese Paper Mills? Wie arbeiten die? Warum greifen bisherige Gegenmaßnahmen so wenig? Das sind die Fragen, mit denen wir uns heute beschäftigen wollen. Über diese Fragen spreche ich heute mit Dr. Jasmin Schmitz. Sie ist promovierte Informationswissen-schaftlerin und arbeitet bei ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften, mittlerweile jetzt seit 2014 und ist ausgewiesene Kennerin der Open-Science-Community. Herzlich willkommen, liebe Jasmin.

[00:03:17] Jasmin Schmitz:
Vielen Dank für die Einladung, Doreen.

[00:03:19] Doreen Siegfried:
Jasmin, bevor wir ins Detail gehen… Wir wollen ja heute über wissenschaftlichen Betrug im großen Stil sprechen. Wie würdest Du das überhaupt definieren? Wie sieht diese, ich nenne es mal industrialisierte Bedarfsdeckung, wie Du sie ja mal in einem Artikel beschrieben hast, wie sieht es genau aus?

[00:03:40] Jasmin Schmitz:
Also, im Grunde muss man sich ja vor Augen halten, dass es nach wie vor, also dass Publikationen nach wie vor zentral sind, um im Wissenschaftssystem aufsteigen zu können. Und für diejenigen, die keine Zeit haben, nicht die Fähigkeiten haben oder was immer, um für den nächsten Karriereschritt die notwendigen Publikationen beizubringen, für die gibt es jetzt eine industrialisierte Bedarfsdeckung mit Paper Mills. Wo sie sich am Ende dann diese Artikel einfach kaufen können.

[00:04:13] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Was sind denn genau Paper Mills? Also was bieten die an? Wie funktioniert das? Vielleicht kannst du das noch mal so ein bisschen erklären.

[00:04:21] Jasmin Schmitz:
Also, die haben im Grunde genommen unterschiedliche Geschäftsfelder. Was so ein bisschen seltsam klingt, weil die am Ende genauso agieren wie jede normale Firma. Also aber die haben unterschiedliche Geschäftsfelder. Man kann also bei denen entweder komplette Artikel kaufen oder eben auch vereinzelte oder einzelne Autor:innenpositionen. Es gibt auch Geschäftsfelder, das kann man mit dem Schlagwort überschreiben: „Cash for Citations“. Das heißt, man kann sich da für Artikel auch Zitationen kaufen, um somit seinen, den Impact für seine Publikationen zu steigern. Das sind so im Wesentlichen die Felder, die diese Paper Mills bedienen.

[00:05:11] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Okay. Also ein Supermarkt für bedürftige Forschende [lacht], die irgendwie schnell zum Ziel kommen wollen. Vielleicht kannst du uns ja mal so ein Gefühl dafür geben, wie so ein Service aussieht. Also, was für eine Summe muss ich dann tatsächlich auf den Tisch legen für eine gefälschte Studie oder den Autorenplatz eins oder fünf oder wie auch immer. Was kostet das? Wie läuft das?

[00:05:40] Jasmin Schmitz:
Also im Großen und Ganzen ist es halt so, dass die den kompletten Kommunikationsprozess mit dem Journal eben verhandeln. Das heißt, die Autor:innen selber müssen kaum noch in Erscheinung treten, müssen kaum irgendwas machen und kaufen sich dann die Artikel. Und natürlich ist das Ganze auf Masse angelegt. Und wenn das auf Masse angelegt ist, ist eben auch klar, dass keine Forschungsergebnisse berichtet werden, also keine echten Forschungsergebnisse. Sondern am Ende da mit gefälschten, geklauten, manipulierten Daten agiert wird und daraus eben buchstäblich ein Artikel fabriziert wird in irgendeiner Form, den man kaufen kann. Was jetzt so die Preise angeht, das staffelt sich. Natürlich möchte ich alleinige Autorin dieses Artikels sein, dann ist das natürlich ein bisschen teurer, als wenn ich eine Autor:innenposition kaufe. Und man kann grob sagen, so einen vierstelligen Betrag, Dollar-Betrag, muss man schon auf den Tisch legen. Und das Ganze richtet sich dann eben nach der Autor:innenposition und auch nach dem Journal Impact Factor. Weil das ist halt das, was am meisten von den Kund:innen gefragt wird. Eine Publikation in einem Journal, was einen Journal Impact Factor hat. Und danach richten sich so ein bisschen die Preise auch.

[00:07:05] Doreen Siegfried:
Und wer sind hier so die Broker, die Vermittler? Also, wie finden diese Paper Mills ihre Kund:innen? Die können ja schlecht auf eine Fachtagung gehen, einen Infostand dahinstellen und sagen: „Hier ist unser Angebot. Hier ist unsere Preisliste. Kommt alle her.“

[00:07:24] Jasmin Schmitz:
Genau. Also, was die tatsächlich haben, die haben tatsächlich Webseiten, wo sie auch Artikel mit Autor:innenpositionen anbieten. Aber ansonsten nehmen die Kontakt auf über Social Media. Es gibt wohl Facebookgruppen, es werden wohl Leute auch angeschrieben. Wir haben letztens mal auf Academia Stack Exchange einen Post gesehen. Der war nicht lange drauf, weil die Verantwortlichen der Plattform den sofort runtergenommen haben. Aber wer für dieses Thema empfänglich ist, hatte zumindest die Chance, diesen Post zu sehen und weiß dann eben auch, dass es solche Angebote gibt. Und am Ende wird es vermutlich auch so eine Art Mund zu Mund Propaganda geben.

[00:08:04] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Welche Rolle spielen denn sogenannte Predatory Journals in diesem Geflecht? Sind die denn letztlich sozusagen das Outlet für diese Artikel, für diese gekauften Artikel, oder…?

[00:08:20] Jasmin Schmitz:
Also, man sieht tatsächlich Paper-Mills-Erzeugnisse auch in Predatory Journals. Man weiß aber am Ende nicht, arbeiten diese Predatory Journals jetzt wirklich aktiv mit den Paper Mills zusammen? Oder hat die Paper Mills aus Versehen dieses Predatory Journal unterwandert? Fakt ist tatsächlich, dass die Kund:innen in erster Linie Artikel wünschen, die in Zeitschriften publiziert werden, die ein gewisses Renommee haben, sprich, aber eben auch insbesondere einen Journal Impact Factor haben. Und deswegen sind die in erster Linie für die Paper Mills interessant. Und das ist eben ein Kennzeichen, was Predatory Journals nicht haben. Also, da weiß man…, die Zusammenhänge kennt man noch nicht so wirklich. Sie tauchen da vereinzelt auch auf, aber am Ende so, ob es da jetzt wirklich dezidierte Zusammenhänge gibt, ist nach wie vor noch unklar.

[00:09:25] Doreen Siegfried:
Okay, jetzt sprichst du natürlich einen total spannenden Punkt an. Alle wollen in die großen Top Journals rein, in die Journals mit dem großen Impact Factor. Wie funktioniert dann das hijacken oder kapern dieser Journals? Da gibt es ja auch irgendwie Qualitätssicherungsprozesse. Also wie schaffen es die Paper Mills da Autorenplätze zu sichern oder Journals unterzubringen?

[00:09:54] Jasmin Schmitz:
Also man muss grundsätzlich noch mal unterscheiden. Also, Journal Hijacking ist noch mal ein anderes Phänomen als tatsächlich die Paper Mills. Es sind zwei betrügerische Varianten, aber eigentlich muss man die voneinander trennen.

Bei Paper Mills ist es einfach so, man kann da Artikel kaufen und diese Paper Mills fabrizieren dann irgendwelche Artikel, die sie dann bei den Journals einreichen, damit das Ganze von Erfolg gekrönt ist. Denn, nämlich nur solche Artikel kann man tatsächlich auch verkaufen. Versuchen die natürlich auch den Publikationsprozess zu manipulieren, das Peer Review Verfahren zu manipulieren, um dann eben schlussendlich zum Ziel zu kommen und ihre fabrizierte Forschung dort unterzubringen.

Hijack Journals ist eigentlich eine Spielart von Predatory Journals. Predatory Journals sind ja Open-Access-Journals, die Publikationsdienstleistungen anbieten, dafür Publikationsgebühren nehmen, wie es im Open Access Bereich ja häufig üblich ist, dafür aber keine verlegerische Leistung anbieten, insbesondere auf das Peer Review Verfahren verzichten. Und bei Hijack Journals ist es jetzt so, dass die auf Verwechslung setzen. Das heißt, die bauen Internetauftritte, die bekannten Zeitschriften relativ ähnlich aussehen, und versuchen da Einreichungsströme umzuleiten auf das unseriöse Pendant.

[00:11:28] Doreen Siegfried:
Ah, okay.

[00:11:29] Jasmin Schmitz:
Und ja da gibt es halt auch unterschiedliche Strategien bei den Hijack Journals. Also das, womit die eigentlich angefangen haben, war, dass sie Seiten von bekannten Zeitschriften nachgebaut haben. Manchmal ist es aber auch so, dass eine neue Zeitschrift gegründet wird, die so ähnlich heißt wie ein bekanntes Journal und dazu dann ein entsprechender Internetauftritt gebaut wird. Es ist aber auch so, dass zu Printzeitschriften manchmal eine Onlineausgabe gemacht wird oder zu landessprachlichen Zeitschriften plötzlich eine internationale Ausgabe etc. Also die suchen sich alle möglichen Lücken, die dazu genutzt werden können, um Verwechslungen zu erzeugen. Und dann wird dann eben, wie gesagt, für eine Umleitung der Einreichungsströme gesorgt, wenn die Forschenden nicht gründlich genug schauen, wo sie denn jetzt konkret ihren Artikel einreichen.

[00:12:29] Doreen Siegfried:
Mm, ja. okay.

[00:12:30] Jasmin Schmitz:
Aber es kann durchaus auch seriöse Forschung sein. Also, da hofft man noch mal eher darauf, dass die Leute das eigentlich verwechseln.

[00:12:40] Doreen Siegfried:
Ja, okay, okay. Also da geht es darum, ich habe irgendwas Ernsthaftes tatsächlich selbst erforscht, habe auch ein gutes Gewissen dabei, dass das was Vernünftiges ist, will das publizieren und dann wird sozusagen einfach mein Portemonnaie geleert.

[00:12:58] Jasmin Schmitz:
Ja. Also man sieht aber tatsächlich auch gerade, weil Predatory und Hijack Journals eben auf gründliches Peer Review verzichten, dass manche Autor:innen das durchaus ausnutzen.

[00:13:10] Doreen Siegfried:
Ah, okay.

[00:13:11] Jasmin Schmitz:
Entweder um minderwertigere Forschung da unterzubringen, um den Artikel eben auch noch publiziert zu bekommen oder eben auch durchaus Fake News zu verbreiten. Das sehen wir durchaus auch. Aber häufig fallen da eben einfach auch Leute, unbedarfte Leute, darauf rein.

[00:13:30] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Dann vielleicht noch mal zurück zu den Paper Mills. Das ist jetzt noch mal interessant. Du hast gesagt okay, diese Paper Mills versuchen in die High Impact Journals reinzukommen und versuchen sozusagen, diesen Peer Review Prozess irgendwie zu übergehen oder zu durchdringen. Also, wie muss ich mir das vorstellen? Werden die Peer Reviewer bestochen oder wie läuft das? [lacht]

[00:13:59] Jasmin Schmitz:
Wahrscheinlich auch. Also so in den Anfangsphasen der Paper Mills haben sie das tatsächlich noch versucht, das so zu umgehen. Und dazu muss man einfach wissen, dass es völlig normal ist, dass wenn man irgendwo einen Artikel einreicht, man auch Vorschläge für Gutachter:innen macht.

Teilweise gehen die Herausgebenden… nehmen die das gerne, weil sie ja auch immer auf der Suche sind nach Gutachter:innen, denen sie das schicken, zur Begutachtung schicken können. Und dann arbeiten die da bei diesen Vorschlägen mit gefälschten E-Mail-Adressen, die dann am Ende sicherstellen, dass die Anfrage für das Gutachten auch wieder bei der Paper Mill einläuft. Also, das ist relativ perfide gut gemacht. Und es gibt aber auch schon Fälle, die berichtet werden, dass sich Herausgebende melden, dass sie von einer Paper Mill kontaktiert worden sind. Und dann werden da gewisse Summen angeboten. Ziel ist auch nicht, nur einzelne Artikel unterzubringen, sondern größere Mengen. Und dann wird den Herausgebenden auch Geld geboten pro Artikel. Und wenn sie natürlich dann massenhaft Artikel durchbringen, dann steigert sich natürlich auch deren Einnahme.

[00:15:24] Doreen Siegfried:
Anscheinend scheint das ja zu funktionieren.

[00:15:30] Jasmin Schmitz:
Ja, also natürlich gehen Herausgebende damit nicht hausieren.

[00:15:35] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:15:35] Jasmin Schmitz:
Diejenigen, die angeschrieben worden sind, vermuten, dass das an der einen oder anderen Stelle durchaus erfolgreich gewesen sein könnte. Und es gibt, oder es wird auch vermutet, dass es eine Variante gibt, wo die Herausgebenden direkt von der Paper Mill auch gestellt werden. Also da kommen wir zu diesem Thema Special Issues. Hatten wir ja auch vereinbart, dass wir darüber sprechen. Da werden Themenhefte der Zeitschrift vorgeschlagen und dann sagt die Paper Mill „Wir haben übrigens einen Gast-Herausgegebenden direkt auch mit an der Hand“ und die Person ist wiederum dann auch von der Pape Mill eingesetzt. Und dann hat man im Grunde genommen leichtes Spiel. Dazu muss man natürlich auch wissen, dass den Herausgebenden eine ziemliche Macht zukommt. Also sie sind dann hinterher diejenigen, die final entscheiden, ob ein Artikel publiziert wird oder nicht. Sie sind an Gutachter:innenentscheidungen nicht wirklich gebunden. Sie können sich darüber hinwegsetzen und das gibt natürlich den Herausgebenden eine gewisse Macht. Und da eben dann eben auch das Einfallstor für die Paper Mills. Das ist dann so quasi die Schwachstelle im Publikationssystem, wo die unter anderem eben auch ansetzen.

[00:16:59] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Ja, vielleicht bevor wir zu den Special Issues kommen, das finde ich auch ein spannendes Thema. Also das heißt, die Paper Mills, die, wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, die schlagen real existierende Forschende vor als Reviewer. Die könnten Dich jetzt vorschlagen, könnten sagen, „Okay, Dr. Jasmin Schmitz schlage ich vor. Die ist ausgewiesene Expertin hier für dieses Thema.“ Dann kann ich als Herausgeber:in prüfen und sehen: Stimmt. Okay, ich sehe die Publikationen. Vielleicht kenne ich Dich auch von irgendeiner Konferenz und sage, klar. Und dann wird aber sozusagen wieder mit dieser Verwechslung agiert, dass dann irgendeine Adresse verwendet wird, die so ähnlich klingt wie Deine. Und dann landet irgendwie das Gutachten dann bei irgendjemand anderem.

[00:17:58] Jasmin Schmitz:
Genau. Also, ein Trend, den man momentan sehen kann ist entweder eine Abwandlung von institutionellen E-Mail-Adressen oder eben auch, dass man bei freien E-Mail-Providern einfach eine Adresse registriert auf meinen Namen. Also bei weiß ich nicht, Gmail oder die bekannten Anbieter, wo wir im Grunde genommen alle auch irgendwo eine E-Mailadresse haben, die werden dann eben auch dazu genutzt. Es ist kostenlos, sich da eine E-Mail-Adresse zu machen und es ist für jeden Außenstehenden ein Leichtes, auf meinen Namen dann theoretisch eine E-Mail-Adresse anzumelden. Das ist eine Sache, dass man bekannte Wissenschaftler:innen nimmt. Es gibt aber wohl auch Fälle, wo es ganze Netzwerke gibt von Gutachter:innen, die aber sonst nirgendwo in diesem Wissenschaftsfeld in Erscheinung getreten sind. Also da ist auch die Identität der Leute nicht klar. Paper Mills gehen jetzt dazu über, Namen von bekannten Wissenschaftler:innen zu nehmen und da durch gefälschte E-Mail-Adressen das umzuleiten, weil natürlich, wie Du schon sagtest, wenn man da einen kurzen Check macht: Ja, die Person gibt es wirklich, forscht auch in dem Feld. Prima. Der Person übertragen wir das Gutachten, hat eine gewisse Glaubwürdigkeit. Und da kommt man dann eben noch mal wieder schneller als Paper Mills zum Ziel, als wenn ich da völlig unbekannte Figuren nehme.

[00:19:36] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Und wie hoch ist denn… Also, wenn ich jetzt mal tatsächlich mich noch mal in die Rolle eines Kunden oder einer Kundin hineinversetze. Ich sage: „Okay, ich will mich jetzt hier bewerben auf die und die Stelle. Ich brauche jetzt noch mal ordentlich ein paar Paper.“ Wie sicher kann ich sein, dass dann das auch tatsächlich funktioniert? Also, wie hoch ist dann die Erfolgsstrategie der Paper Mills? Kennst Du da irgendwelche Zahlen, Daten, Fakten?

[00:20:04] Jasmin Schmitz:
Nee, natürlich nicht, weil man die Dunkelziffer nicht kennt. Also das ist schwierig. Aber schlussendlich, die Paper Mills agieren da wie ganz normale Firmen. Teilweise gibts, scheint es wohl auch Verträge zu geben und auch eine… Also bei Nichterfolg muss man beispielsweise auch nicht zahlen. Also das ist dann schon sichergestellt. Also die Paper Mills sind sich schon ziemlich sicher, dass sie wohl die Journals so weit unterwandert haben, dass sie die Dinger auf jeden Fall unterkriegen.

[00:20:31] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Was ich mich noch frage, also bei diesen Autorenplätzen… Sagen wir mal, ich habe ein Autorenteam von 3 bis 4 Leuten und wir schreiben zusammen einen Artikel. Dann kennt man sich ja auch. Wenn da plötzlich jetzt ein ganz anderer Name auftaucht in der Publikation, würden da nicht die anderen das merken? Dass da… Dass man sich wundert: Wer ist denn jetzt hier, keine Ahnung, Peter Müller?

[00:20:58] Jasmin Schmitz:
Das sind ja Mitkäufer. Also das wird denen schon vorher gesagt.

[00:21:02] Doreen Siegfried:
Ah, okay. Das heißt, ich kriege nicht einen Autorenplatz in einer wirklich echten Publikation. Ah, okay.

[00:21:11] Jasmin Schmitz:
Genau. Ja, also, man muss das… Muss sich das so vorstellen: Die Paper Mill reicht ein Paper ein. Da stehen vielleicht schon ein, zwei Namen drauf und dann durchläuft der Artikel ja das Peer Review Verfahren. Entweder ist das eh auch schon manipuliert oder nicht. Und am Ende steht dann: Okay, der Artikel wird publiziert. Und dann gibt es ja noch mal so ein Zeitfenster, wo es Überarbeitungen gibt. Also bevor der Artikel tatsächlich gedruckt wird bzw. veröffentlicht wird und in dem Zeitfenster werden weitere Autor:innennamen hinzugefügt.

[00:21:46] Doreen Siegfried:
Ah, okay.

[00:21:47] Jasmin Schmitz:
Und dann ist es ja mehr oder weniger schon eine Publikationsgarantie, …

[00:21:53] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:21:53] Jasmin Schmitz:
… weil in dem Moment klar ist, der Artikel ist angenommen. Und wie gesagt, dann werden Autor:innennamen hinzugefügt und das Ganze eben publiziert. Und darüber ist es eben auch unter anderem aufgefallen, dass plötzlich auf einem Artikel unterschiedliche Forschende oder Forschende aus unterschiedlichen Fachgebieten da plötzlich draufstehen und aus ganz unterschiedlichen Ländern, ganz unterschiedlichen Domänen und man sich irgendwie gefragt hat, wie haben die denn bloß zusammengefunden?

[00:22:25] Doreen Siegfried:
Ja, die schöne Interdisziplinarität. Ja okay

[00:22:28] Jasmin Schmitz:
Ja, genau. Was ja aber völlig weltfremd war.

[00:22:31] Doreen Siegfried:
Ja, ja.

[00:22:31] Jasmin Schmitz:
Und da gab es dann schon die ersten Verdachtsfälle, die man dann hinterher weiterverfolgen konnte.

[00:22:37] Doreen Siegfried:
Ja, okay. In diesem ganzen Kontext Paper Mills usw. liest man ja häufig auch von Journal hopping. Also sprich, wenn dann die Zeitschrift irgendwie deindexiert wird. Wie auch immer. Kannst Du das noch mal erklären? Was ist das? Wie gehen die Paper Mills damit um? Was ist überhaupt deindexieren? Also, vielleicht kannst du uns da noch mal mitnehmen in diese Seite des dunklen Korridors. [lacht]

[00:23:04] Jasmin Schmitz:
Diese Seite. Genau. Also ja, Deindexierung findet gar nicht so im großen Stil statt. Deindexierung heißt ja tatsächlich die Artikel werden rausgenommen. Das macht man beim Journal Hijacking, insbesondere wenn die Artikel es irgendwie geschafft haben, in eine Literaturdatenbank reinzukommen, also die unseriösen Journals, die eigentlich ein seriöses Pendant haben. Dann nimmt man die Artikel aus der Datenbank raus. Ansonsten, was andere Datenbanken machen, ist, dass sie die Indexierung eine Zeit lang aussetzen und sagen: „So, jetzt räumt erstmal auf. Guckt erstmal, was von euren Artikeln wir hier in letzter Zeit publiziert haben. Was stammt davon wahrscheinlich von der Paper Mill? Was sind seriöse Sachen?“. Und dann… Also dann schützen sich die Datenbanken dadurch, dass sie dann erstmal mit der Indexierung aufhören. Häufig ist das dann auch damit verbunden, dass die Journals erstmal auch keinen Impact Factor bekommen und dann werden sie natürlich schlagartig für die Paper Mills ein Stück weit uninteressant.

[00:24:08] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:24:09] Jasmin Schmitz:
Kund:innen verlangen Artikel in Journals, die einen Journal Impact Factor haben. Wenn die das nicht mehr haben, dann ist eigentlich klar, man ist aufgeflogen und dann zieht die Karawane weiter. Dann guckt man sich das nächste Journal aus. Im Grunde genommen läuft das so. Und ja, Deindexierung ist wirklich das scharfeste Schwert. Da werden Artikel aus der Datenbank rausgenommen. Bei Paper Mills ist es in der Regel so, dass die Artikel zurückgezogen werden. Da wird eine Retraction Notice publiziert. Und wir sehen das. Momentan gibt es regelmäßig Pressemitteilungen von größeren Verlagen, von Journals, die sagen: „Wir mussten massenhaft Artikel zurückziehen, weil wir davon ausgehen, dass da irgendeine Form von Manipulation stattgefunden hat.“ Das sehen wir gerade. Und dann wird eher eine Retraction publiziert. Um der wissenschaftlichen Community einfach zu zeigen: Verwendet die Artikel bitte nicht, die enthalten keine Ergebnisse, die die wissenschaftliche Community in irgendeiner Form weiterbringen.

[00:25:21] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Und wo wir schon bei Fachbegriffen sind. Was ist denn Index Jacking? Was ist denn damit gemeint und welche Rolle spielt das auch für Bibliotheken?

[00:25:32] Jasmin Schmitz:
Also, im Grunde genommen müssen wir dann wieder zurück zu den Predatory Journal.

[00:25:36] Doreen Siegfried:
Ja

[00:25:37] Jasmin Schmitz:
Das machen wohl mittlerweile auch Hijack Journals, die versuchen, Links in Literaturdatenbanken zu ändern und darüber eben auch wieder eine Verwechslung zu erwirken und auch wieder Einreichungsströme umzulenken. Und im schlimmsten Fall gelingt es ihnen dadurch eben auch, von einer Datenbank indexiert zu werden.

[00:26:01] Doreen Siegfried:
Ja. Okay.

[00:26:02] Jasmin Schmitz:
Also dann kommen nicht mehr die Artikel des seriösen Pendants in die Datenbank, sondern des unseriösen Pendants. Also von dem Hijack Journal, Predatory Journal. Und das ist natürlich katastrophal. Und dann muss natürlich auch hinterher nach Möglichkeit so ein Deindexing stattfinden, weil das, ganz klar, ja Betrug ist…

[00:26:29] Doreen Siegfried:
Ja, ja.

[00:26:31] Jasmin Schmitz:
…und auch kein Peer Review stattgefunden hat. Meistens ist es ja auch so, dass die Literaturdatenbanken ausschließlich Journals aufnehmen, die ein Peer Review Verfahren anbieten, ein rigoroses.

[00:26:46] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Du hattest es vorhin schon angesprochen. Ich würde da jetzt mal ein bisschen mehr den Fokus darauflegen: Special Issues von Zeitschriften. Sind ja eigentlich eine feine Sache, wenn es mal so ein Spezialthema gibt. Und du hast gesagt, okay, dann gibt es irgendwie da die Möglichkeit, Gastherausgebende anzubieten. Also vielleicht kannst du da noch mal erklären, warum sind Special Issues besonders attraktiv für Paper Mills?

[00:27:16] Jasmin Schmitz:
Also im Grunde genommen dadurch, dass die Herausgebenden relativ wenig Erfahrungen haben. Es ist dann ein sehr… Special Issues, sind ja Themenhefte, die sich auf ein ganz konkretes Spezialthema fokussieren. Und da gibt es auch relativ wenig Expert:innen zu. Und dann ist es entweder so, dass tatsächlich eine real existierende Person Gastherausgeber:in wird und dann vielleicht die Unterwanderung gar nicht bemerkt. Weil sie relativ als Gastherausgeber:in nicht so oft agiert und deswegen nicht mit den Publikationsprozessen und sonstigen Prozessen der Zeitschrift vertraut ist und das entweder gar nicht merkt oder eben direkt auch von der Paper Mill eingesetzt wird. Ja, und deswegen gehen halt Paper Mills sehr gerne auf diese Special Issues.

[00:28:22] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Gibt es denn bestimmte Fachbereiche innerhalb der kompletten Wissenschaftslandschaft, die hier besonders betroffen sind? Du kennst dich jetzt ja vielleicht gut aus mit medizinischer Fachliteratur, lebenswissenschaftlicher Fachliteratur. Kannst du da was zu sagen? Gibt es da irgendwelche Beobachtungen?

[00:28:45] Jasmin Schmitz:
Also im Grunde genommen sind alle wissenschaftlichen Disziplinen betroffen. Aber in der Medizin ist eigentlich dieses Problem noch mal besonders hoch. Und das hängt damit zusammen, dass man in bestimmten Ländern allein für einen Posten im Krankenhaus schon eine gewisse Anzahl an Publikationen vorweisen muss. Und das sind natürlich, das kann man sich auch gut vorstellen. Das sind halt auch Leute, die stehen am Krankenbett und wollen Medizin machen und die haben einfach diese Publikationen nicht, kommen auch nicht unbedingt zum Forschen. Und dann kaufen sie sich einfach diese Publikation.

[00:29:25] Doreen Siegfried:
Okay. Also ist es… Kann es vielleicht ja gar nicht unbedingt… Ich meine okay, das Anreizsystem der Wissenschaft, da kommen wir vielleicht später auch noch mal zu. Man kann es ja den Leuten gar nicht so verdenken, wenn sie sagen: „Okay, es gibt einen Notstand mit medizinischem Fachpersonal. Ich möchte jetzt hier gerne was tun. Lasst mich ran an den Patienten, an die Patientin.“ Ich finde es schwierig.

[00:29:52] Jasmin Schmitz:
Ja. Also natürlich sind die Autor:innen auch in gewisser Weise Täter:innen. Also das kann man denen nicht absprechen. Es ist ganz klar ein Verstoß gegen die gute wissenschaftliche Praxis, gegen die wissenschaftliche Ethik. Dinge, die ich nicht geschrieben habe, darf ich nicht als meine ausgeben und entsprechend publizieren. Aber warum Paper Mills so einen Zulauf haben, ne? Und wir reden ja nicht von zwei, drei Artikeln, sondern wir reden von tausenden von Artikeln. Das lässt sich eben durch diesen, durch diesen Druck zu publizieren eben einfach auch erklären.

[00:30:33] Doreen Siegfried:
Ja, ja, okay. Was mich noch interessieren würde: Es gibt ja Kontrollmechanismen. Es gibt Peer Review. Es gibt Sanktionsmechanismen im Wissenschaftsbetrieb. Welche würdest Du sagen, welche Kontrollmechanismen funktionieren gut, um derartigen wirklich massenhaften Betrug zu verhindern? Oder vielleicht, bevor wir sagen, ob sie gut funktionieren: Welche gibt es denn vielleicht erstmal? Dass man sagen kann, okay, das sind sozusagen die Hürden, über die muss sozusagen so eine Paper Mill rüber.

[00:31:11] Jasmin Schmitz:
Im Grunde genommen, das Wichtigste ist Bewusstseinsbildung.

[00:31:15] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:31:15] Jasmin Schmitz:
Wenn ich nicht weiß, dass es da eine Möglichkeit gibt, mich zu betuppen, dann merke ich das unter Umständen gar nicht. Also erste Maßnahme ist, dass man im Grunde genommen das Thema immer weiter vorantreibt, immer wieder darüber berichtet, dass das wirklich in den Köpfen von jedem Verlag, von jedem Herausgebenden und von jedem, von jeder Gutachter:in sitzt. Dass die im Zweifelsfall, wenn denen irgendwas komisch vorkommt, sofort die Alarmglocken klingeln und sagen: „Okay, das könnte jetzt ein Paper-Mill-Erzeugnis sein.“ Gleiches gilt im Übrigen auch für Autor:innen. Also, sagen wir mal so Zurückziehungs-/ Retractions-Prozesse können ja von allen Akteuren im Wissenschaftssystem initiiert werden. Und ja, wir brauchen eigentlich im Grunde genommen eine breite Bewusstseinsbildung. Und erst dann kann man konkrete Maßnahmen ergreifen, wie man den Publikationsprozess im Grunde vor der Unterwanderung schützt. Da gibt es… Also Verlage haben sich ja mittlerweile auch zusammengeschlossen, entwickeln da auch gemeinsam Tools oder nutzen eben auch Tools gemeinsam. Aber so der erste Schritt war, mal überhaupt Einreichungen zu poolen. Was Paper Mills nämlich auch gerne machen, ist, dass sie zeitgleich bei mehreren Journals einreichen. Ist eigentlich ein Verstoß gegen die gute wissenschaftliche Praxis. Eigentlich macht man das nacheinander. Aber die Paper Mills haben es natürlich eilig und reichen dann zeitgleich bei mehreren ein und gucken, welches Journal springt als erstes darauf an und ziehen dann die anderen zurück, durch so ein Withdrawal. Aber das ist halt so… Also das war im Grunde genommen der erste Schritt, dass man mal guckt, okay, haben wir hier Paper, die mehrfach eingereicht werden, bei unterschiedlichen Verlagen, bei unterschiedlichen Journals und dann konnte man da schon mal so erste schon erste Warnzeichen setzen. Und der nächste Punkt ist dann halt auch technische Maßnahmen, Plagiatsoftware, KI, solche Geschichten. Und Paper Mills, um, sagen wir mal, die Masse zu produzieren, arbeiten häufig auch mit Templates. Also das sind dann schon so ja, wie wir das auch klassischerweise kennen. Und dann wird das hinterher nur mit diesen gefakten Daten oder zusammengeklauten Ergebnissen irgendwie nur befüllt. Und solche Strukturen kann man sich natürlich auch zunutze machen. Oder wenn zurückgezogene Artikel massenhaft zitiert werden. Oder Literatur zitiert wird in einem Artikel, die gar nichts eigentlich mit dem Artikelinhalt zu tun hat. Dann sind das auch so erste Red Flags. Und damit kommt man eigentlich mit technischen Maßnahmen eigentlich ganz gut dahinter.

[00:34:14] Doreen Siegfried:
Ah, okay. Wenn wir über Bewusstsein sprechen: Was ich interessant finde, man kennt das, man kennt es vielleicht ein bisschen aus der Verhaltensökonomie oder aus der Psychologie: Das gibt ja das Phänomen, dass ich von mir auf andere schließe. Also, das heißt, Menschen haben irgendwie so einen Wertekompass und handeln nach bestimmten Vorgaben und können sich gar nicht vorstellen, dass andere irgendwie das anders machen. Das heißt, wenn jemand, wenn ich irgendwie erfahre, jemand geht einen anderen Weg, als ich ihn redlich, ethisch und sauber, wissenschaftlich sauber, finde, gibt es, beobachte ich häufig, eine Riesen-Empörung. Ich kenne das auch aus anderen Kontexten, dass Menschen völlig empört sind und überrascht, dass es das überhaupt gibt, weil es ist gar nicht in ihrer Vorstellungswelt. Ich weiß, wir kennen das ja aus dem Sport. Das ist ja eben so ein hoch kompetitives Feld. Da gibt es auch Dopingkontrollen usw., weil Leute unter Druck stehen und sich vielleicht irgendwie noch mit diversen Mitteln irgendwie pushen wollen, damit sie vielleicht es doch schaffen. Nichts anderes ist es ja, wenn ich mir irgendwas kaufe usw. Also was ich mich frage, wenn es gar nicht in meiner Vorstellungswelt ist, wie kann ich tatsächlich Forschende – und jetzt Alter spielt keine Rolle – sensibilisieren? Also wir beide reden jetzt drüber. Ich hoffe, das hören jetzt auch Leute und gehen dann vielleicht heute Abend nach Hause und stellen fest: „Oh mein Gott, das habe ich noch nie gewusst.“ Aber wie… Was würdest du sagen? Wie viel Bewusstsein herrscht bislang über die Gefahren, die da tatsächlich im Wissenschafts- oder im Pseudo-Fake-Wissenschaftsbetrieb warten auf gute Forschende?

[00:36:22] Jasmin Schmitz:
Also im Grunde genommen… Ich vermute mal, dass es nun sehr viele mittlerweile schon gehört haben.

[00:36:27] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:36:28] Jasmin Schmitz:
Das Thema, dass es Paper Mills gibt, dass es Predatory Journals gibt, dass es Hijack Journals gibt. Aber es gibt natürlich auch immer noch so eine Grauzone. Und ich denke mal, dass man gerade auch über diese Empörung vielleicht auch an die Leute noch mal eher drankommt, sich etwas tiefer mit diesem Thema, genauer mit diesem Thema zu beschäftigen. Weil wir müssen tatsächlich auch schauen, was hier auf dem Spiel steht. Also im Grunde genommen wird der wissenschaftliche state of the art, the scientific record, wie man auch sagt… Ja. Einige Autoren haben das mal pollutet genannt. Also der wird verschmutzt mit Ergebnissen, die eigentlich keinen wissenschaftlichen Wert haben. Und wenn man sich natürlich dann jetzt in der Medizin anguckt, dass wissenschaftliche Ergebnisse eigentlich dazu benutzt werden, um da Behandlungsmethoden abzuleiten, in anderen Domänen vielleicht auch politische Entscheidungen abzuleiten. Dann sehen wir eigentlich, was auf dem Spiel steht. Wenn der Klinikarzt, die Klinikärztin, ihre Behandlungsmethoden auf einem Fake Paper, was von der Paper Mill zusammengeklöppelt wurde, fußt. Oder ihre Behandlungsmethode…

[00:37:52] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:37:52] Jasmin Schmitz:
… oder Entscheidung, was die Patient:innen haben könnten, dann ist das fatal. Da geht es um Leib und Leben in dem Moment. Und das müssen wir uns vor Augen führen, was tatsächlich auf dem Spiel steht. Und dann muss eigentlich die wissenschaftliche Community in Gänze aufstehen und irgendwie auch mithelfen,…

[00:38:15] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:38:16] Jasmin Schmitz:
… dass wir diese Publikationen dann eben einerseits aus den ganzen Indizes rausbekommen und eben unsere Systeme so wappnen, dass es keine weiteren Angriffspunkte gibt. Also, uns bleibt im Grunde genommen nichts anderes übrig. Ansonsten… Ich will jetzt nicht so weit gehen, als zu sagen, sonst ist die Wissenschaft verloren. Aber im Grunde genommen wird es dann tatsächlich schwierig, lege artis zu arbeiten.

[00:38:50] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:38:50] Jasmin Schmitz:
Wenn man sich bedenkt… Wenn man am Ende bedenkt, dass… Wenn dann am Ende tausende von Artikeln keine seriöse Forschung mehr berichten.

[00:39:02] Doreen Siegfried:
Ja. Es gibt ja so Initiativen wie Retraction Watch. Ich weiß nicht, ob alle das kennen, sonst mal kurz auf die Webseite gehen. Wie schätzt Du denn beispielsweise die Bedeutung dieser Plattform ein? Genau für die Sensibilisierung oder auch um hier wieder Ordnung zu schaffen?

[00:39:22] Jasmin Schmitz:
Also, im Grunde genommen haben die schon eine große Bedeutung. Sie waren mit die ersten, die überhaupt das Thema mit in die wissenschaftliche Community getragen haben. Haben ja auch immer eine Datenbank geführt mit zurückgezogenen Artikeln und haben das Thema Retractions dann eben auch von allen Seiten beleuchtet und berichten mittlerweile auch zunehmend. Ich habe den Newsletter von denen abonniert. Der kommt täglich. Berichten eigentlich in dem Newsletter auch von neuen Betrugsmaschen, von Fällen, wo Journals was aufgefallen ist, wo die halt massenhaft zurückziehen, also Artikel zurückziehen. Und sie featuren eben auch in ihrem Blog und in ihrer Berichterstattung auch Leute, die versuchen Paper Mills das Handwerk zu legen oder halt Journals. Und lassen die eben von ihren Methoden und von ihrer Arbeit berichten…

[00:40:20] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:40:20] Jasmin Schmitz:
… und das sorgt insgesamt natürlich auch für eine Bewusstseinsbildung. Nebenher haben die auch noch eine Datenbank mit bekannten Hijack Journals, also wo man weiß, da gibt es zu einer bestimmten Zeitschrift ein unseriöses Pendant. Also da wird schon sehr viel Aufklärungsarbeit betrieben, die einen unschätzbaren Wert hat.

[00:40:44] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Also wir packen das mal in die Shownotes, liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, guckt Euch das mal an, was da, welche Journals da alle auf der Liste stehen.

Was mich natürlich noch interessieren würde: Wir sind ja der Open Science Podcast – also können dann, was denkst Du, können Open Science Praktiken, also Open Peer Review oder Präregistrierung oder was auch immer… Können tatsächlich Praktiken aus der Open Science, aus dem, ja unter dem Dunstkreis Open Science tatsächlich Paper Mills irgendwie ausbremsen?

[00:41:19] Jasmin Schmitz:
Also, wir sehen das jetzt schon, dass so Open-Peer-Review-Plattformen wie PubPeer auch dazu genutzt werden, der Community zur Kenntnis… Also solche Publikationen zur Kenntnis zu bringen, die problematisch sind. Das ist eine Möglichkeit. Ansonsten sagt man ja bei Open Science auch: Na ja. Je mehr natürlich des Forschungsprozesses in der Öffentlichkeit stattfindet, umso mehr Leute gucken drauf, umso schwieriger ist es natürlich dann eben auch, Praktiken zu installieren, die mit der guten wissenschaftlichen Praxis nichts mehr zu tun haben. Also man geht ja eigentlich davon aus, dass eine Öffnung dazu beiträgt. Man stellt aber jetzt auch wiederum fest, dass Paper Mills zunehmend wohl auch Einreichungen bei Preprint-Servern tätigen. Das ist ja auch eine Praxis des Open Science. Warum die das genau tun, ist auch noch mal die große Frage. Die Preprint-Server reagieren da mittlerweile auch darauf, dass sie dann… Grundsätzlich ist es ja so, dass sie die Artikel erst nach einer Prüfung freischalten und jetzt wird eben noch mal gründlicher geprüft, um die Einreichungen dann rauszufiltern. Aber man sieht, das ist fast wie so ein Wettrennen.

[00:42:42]
Ja,

[00:42:43]
Also jetzt sagt die Community Open Science kann eventuell uns gegen Paper Mills helfen. Und jetzt schauen natürlich die Paper Mills so ein Stück weit auch, wie können Sie Open Science nutzen, um dann eben mit Ihrem Geschäft weitermachen zu können. Vermutlich wollen sie dann mit einer Publikation hinterher eine gewisse Legitimität verleihen. Es sind aber alles nur Mutmaßungen. Aber das sind durchaus auch Phänomene, die man jetzt schon wieder beobachten kann. Es ist ein Wettrennen.

[00:43:13] Doreen Siegfried:
Wahnsinn. [lacht] Und hast Du vielleicht… Ich weiß nicht, ob Retraction Watch sowas hat oder ob Du sowas kennst oder sowas. Gibt es… Also mal angenommen, ich bin jetzt Forscher, Forscherin, habe noch nicht so viel Erfahrung, oder ich bin das erste Mal tatsächlich Gastherausgeber von einem Special Issue. Gibt es irgendwie sowas wie eine Checkliste, dass man sagen kann: Okay, wenn Du eine E-Mail bekommst, wo Dir jemand irgendwie was anbietet oder wenn Du das bekommst oder wenn Du deine Autoren checkst oder die Reviewer. Gibt es Jasmin Schmitz@zbmed, @edu.org oder was auch immer. Gibt es das wirklich oder ist das nur eine Fake-Adresse? Also hast Du irgend so eine Handreichung, die so ganz alltagspraktisch vielleicht jungen Forschenden helfen kann oder jungen Gastherausgeber:innen?

[00:44:06] Jasmin Schmitz:
Es kommt natürlich immer darauf an, wo… Also welche Betrugsmethode man jetzt gerade vermeiden möchte. Was so die Predatory Journals und Hijack Journals angeht, die sind ja die, die massenhaft E-Mails versenden. Da gibt es Internetseiten, wo man nach Kriterien nachschauen kann. Wie sieht die Webseite aus? Allein, dass man schon eine E-Mail bekommen hat, könnte auch schon verdächtig sein.

[00:44:37] Doreen Siegfried:
Mir fällt da dieses „Think. Check. Submit.“ ein.

[00:44:40] Jasmin Schmitz:
Genau. Das ist so eine erste gute Anlaufadresse. Ansonsten, wenn man sich nach dem Durchgehen dieser Checkliste nicht ganz sicher ist, kann man auch immer bei der Bibliothek nachfragen. Also ich hoffe, ich haue jetzt nicht sämtliche Bibliothekar:innen in Deutschland oder sonst wo in die Pfanne, aber die meisten Bibliotheken haben das auf dem Schirm oder können zumindest dann eben auch eine befreundete Bibliothek vermitteln, die sich vielleicht ein bisschen besser mit dem Thema auskennt. Also das ist durchaus ein Themenfeld von Bibliotheken, wo Bibliotheken auch Expertise aufgebaut haben, wo sie auch so ein bisschen dabei helfen können, Zeitschriften eben einzuschätzen.

[00:45:22] Doreen Siegfried:
Ja, ja.

[00:45:23] Jasmin Schmitz:
Und, ja, das ist schon mal so ein erster guter Anhaltspunkt, glaube ich, damit zu arbeiten. Ansonsten arbeiten natürlich die verschiedenen Verlage und Zeitschriften, sofern sie das Thema auf dem Schirm haben, ja selber an so einem Kriterienkatalog. Die sie ihren Herausgebenden weitergeben, wo sie sagen: Check vorher mal die Autor:innen. Kennst Du die? Wie sieht die E-Mail-Adresse aus? Sieht das legitim aus? Ist das eine institutionelle E- Mail-Adresse? Es gibt auch wohl Herausgebende, die mittlerweile dann auch mal nach den zugrundeliegenden Forschungsdaten fragen: “Ja, schöner Artikel. Bitte können wir die Daten haben?“ Und Paper Mills können die natürlich nicht liefern,…

[00:46:09] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:46:09] Jasmin Schmitz:
… weil die sich da irgendwas zusammenfabriziert oder zusammengeklaut haben. Das sind so, so auch so erste Maßnahmen. Wenn ich jetzt als Autor:in auf so einen Artikel stoße, könnte man ja auch mal die Autor:innen anmailen und fragen: „Kann ich mal die Daten sehen?“

[00:46:28] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:46:28] Jasmin Schmitz:
Oder „Wo sind die Daten publiziert?“. Das sind so Maßnahmen. Das Wichtigste ist einfach wachsam sein, wachsam sein, wachsam sein. Ja, also immer davon… Traurigerweise ist das so immer… Also diese Skepsis, die man ja als Wissenschaftler:in ohnehin schon an den Tag legen sollte. Die also noch mal steigern.

[00:46:50] Doreen Siegfried:
Da die Regler hochfahren. Ja, ja.

[00:46:52] Jasmin Schmitz:
Bei jedem Artikel ein Stück weit, also davon ausgehen, dass die Ergebnisse vielleicht nicht stimmen können oder dass da irgendwas gefaked ist, ne? Ja, das ist traurig, dass man da so an die Literatur rangehen muss. Aber es ist mittlerweile leider so.

[00:47:08] Doreen Siegfried:
Wir hatten das Thema also vorhin schon mal so kurz touchiert: Das Anreizsystem, der Druck, unter dem ja nicht nur Medizinerinnen und Mediziner stehen, sondern ja das komplette Wissenschaftssystem, was ja von Wettbewerb maximal getrieben ist. Also es gibt ja Initiativen wie beispielsweise CoARA, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, wir wollen tatsächlich das Bewertungssystem der Wissenschaft mal etwas differenzierter aufstellen, ein bisschen auf andere Füße stellen. Wie siehst Du denn die Chancen von solchen Initiativen wie beispielsweise CoARA?

[00:47:44] Jasmin Schmitz:
Im Grunde genommen ist das ein guter Ansatzpunkt, weil man muss ja immer mal… Man muss sich ja fragen: Warum kaufen denn Leute Artikel…

[00:47:55] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:47:55] Jasmin Schmitz:
…oder Publikationen? Warum reichen Leute vielleicht bewusst oder semibewusst bei Predatory Journals ein?

[00:48:06] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:48:06] Jasmin Schmitz:
Weil sie unter Druck stehen. Und wenn man jetzt schlussendlich das Bewertungssystem auf andere Füße stellt, ein bisschen breiter fasst. Also auch Menschen Karriere machen können, die gut sind, aber eben nicht ganz so viele Publikationen haben oder Publikationen jetzt nicht zwingend in Journal Impact Factor Journals. Dass die eben auch zum Zuge kommen. Und dafür setzt sich ja unter anderem eben CoARA auch ein, dass das Ganze eben auf breitere Füße gestellt wird. Also das ist sicherlich ein Ansatzpunkt. Aber bis wir natürlich so weit sind, dass… Wir agieren ja immer global, auch in der Wissenschaft, das müssen wir im Hinterkopf behalten. Das wird ein langer, harter Ritt, bis wir tatsächlich in allen Communities global so weit sind, dass wir in den Köpfen reinbekommen haben, eine Publikation oder die Anzahl der Publikationen und der Zitationen ist nicht alles. Da ist, glaube ich, noch jede Menge Arbeit zu tun.

[00:49:10] Doreen Siegfried:
Ja, okay.

[00:49:10] Jasmin Schmitz:
CoARA kann da durchaus ein erster Schritt, das erste Pflänzchen sein, was sich dann in den Köpfen der Leute festsetzt.

[00:49:21] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:49:22] Jasmin Schmitz:
Und wo man dann eben auch sagt: Okay, gute Artikel schreiben ist das eine, aber Forschung und Wissenschaft betreiben ist noch so viel mehr.

[00:49:31] Doreen Siegfried:
Ja, es ist weniger eindimensional. Okay, vielleicht kleine Seitennotiz an unsere Zuhörer:innen. Wir hatten tatsächlich das Thema CoARA vor einiger Zeit hier in unserem Open Science Podcast. Und ich kann auch schon mal ankündigen, dass wir das demnächst noch mal thematisieren werden und dann noch mal gucken, wie hat sich das seitdem entwickelt. Also wir packen die die ältere Folge tatsächlich noch mal in die Shownotes. Falls jetzt diese Abkürzung CoARA Ihnen spontan nichts sagt. Okay. Jasmin, zum Ende noch zwei Fragen. Wenn du jetzt drei sofort umsetzbare Maßnahmen nennen müsstest, um das System widerstandsfähiger zu machen. Welche wären das?

[00:50:15] Jasmin Schmitz:
Ja, wahrscheinlich als erstes eine Bewusstseinsbildung. Das Thema müssen alle auf dem Schirm haben, von den Verlagen über die Herausgebenden, die Gutachter:innen und auch die Forschenden selber. Also ich glaube, eine Bewusstseinsbildung ist wirklich zentral, weil nur wenn ich die Sache auf dem Schirm habe, kann ich tatsächlich auch Maßnahmen ergreifen. Und dann tatsächlich auch eine Diskussion um das Bewertungssystem, die wir ja praktisch momentan eben auch haben. Also nochmal, warum kaufen Leute Publikationen? Ja, weil es in manchen Systemen einfach zentral ist für das Fortkommen. Und wenn wir davon ein Stück weit abrücken, haben die Leute auch keinen Grund mehr, Publikationen zu kaufen. Das machen sie ja nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil sie damit ein bestimmtes Ziel verfolgen.

[00:51:13] Doreen Siegfried:
Ja. Okay. Und letzte Frage: Wie optimistisch bist du, dass sich am Ende die wissenschaftliche Community hier tatsächlich wirksam gegen diese Entwicklung stemmen kann, dass es hier tatsächlich diese Pollution gibt?

[00:51:29] Jasmin Schmitz:
Ja, es ist tatsächlich… Es wird ein harter Ritt.

[00:51:33] Doreen Siegfried:
Ja.

[00:51:34] Jasmin Schmitz:
Also, weil wir sehen ja schon, erst muss das Bewusstsein da sein, dann kommen die Maßnahmen. Und dann ist es halt auch noch so: Zeitschriften stehen ja vor zwei Herausforderungen. Einmal, das, was schon publiziert ist, bereinigen, wenn es tatsächlich das Kind in den Brunnen gefallen ist. Auf der anderen Seite aber auch eine Zeitschrift davor schützen, dass sie unterwandert wird. Allein das ist schon eine Monsteraufgabe, wenn ich das mal so ganz flapsig sagen kann. Und dann eben noch eben zu schauen, wo kommt das Ganze her? Und dann eben auch, das Bewertungssystem zu reformieren. Also wir sprechen ja dann über Mechanismen, die man seit Jahrzehnten anwendet. Und da natürlich auch mal über den eigenen Schatten zu springen und sagen, die Praxis, die wir bislang betrieben haben bei der Bewertung, ist nicht optimal. Wir müssen andere Mechanismen finden, um eben auch solche Dinge wie Paper Mills, Predatory Publishing auszumerzen. Das wird ein harter Ritt. Das geht nicht von heute auf morgen. Das wird noch eine ganze Zeit lang dauern. Und wir sehen natürlich auch, dass natürlich Paper Mills oder eben Predatory Journals auch sich immer wieder was Neues einfallen lassen. Also ich bin auch negativ beeindruckt, tatsächlich, wie viel sich auf diesem Themengebiet tut. Also kurzfristig nicht. Langfristig müssen wir diese Phänomene bekämpfen und dann eben im Grunde genommen auch vor die Welle kommen, weil, wie wir eben schon erörtert haben, da steht zu viel auf dem Spiel. Nämlich, dass ja die wissenschaftliche Literatur vermüllt wird mit unbrauchbaren Ergebnissen und sich diese Ergebnisse dann hinterher in der Evidenz niederschlagen können, wenn man nicht aufpasst. Und das hat halt gerade in der Medizin Konsequenzen für uns alle.

[00:53:51] Doreen Siegfried:
Ja, okay. Ja, ich schließe mal mit den Worten: Also wer, wenn nicht kreative, einfallsreiche, innovative Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollte es dann tatsächlich schaffen, hier in den Ring zu steigen und tatsächlich diesen Kampf zu gewinnen? Weil Wissenschaft, Wissenschaftler:innen sind ja eigentlich dafür bekannt, dass sie mindestens genauso kreativ sind, wenn nicht noch ein bisschen kreativer als vielleicht ein Paper Mills. Okay, also das ist zumindest meine Hoffnung.

Vielen Dank, Jasmin. Ich fand es super spannend. Vielen Dank auch an Sie an den Kopfhörern. Wir packen ein paar interessante Artikel Links usw. in die Shownotes, da können Sie… Wenn Sie jetzt sagen: „Oh mein Gott, da möchte ich mehr zu erfahren.“ Oder auch „Wie kann ich mir selber helfen?“, können Sie da noch mal tief einsteigen. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen. Lassen Sie uns Lob oder Kritik gern da via E-Mail, Mastodon, YouTube oder LinkedIn. Und wir freuen uns natürlich auch, wenn Sie uns abonnieren. Und ich freue mich auf die nächste Folge.