{"id":691,"date":"2026-02-19T08:52:16","date_gmt":"2026-02-19T07:52:16","guid":{"rendered":"05fb59a8-e5e4-4189-9819-81c703a3b2f6"},"modified":"2026-02-19T08:52:16","modified_gmt":"2026-02-19T07:52:16","slug":"fos-57-open-washing","status":"publish","type":"podcast","link":"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2026\/02\/19\/fos-57-open-washing\/","title":{"rendered":"FOS 57 Open Washing"},"content":{"rendered":"\n    <div class=\"pwp4-wrapper intrinsic-ignore\" id=\"podlovewebplayer_3f31e5cb5e676767b71ccd7f0b4fb4962899b1a1\" data-episode=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2026\/02\/19\/fos-57-open-washing\/?podlove_action=pwp4_config\"><audio controls=\"controls\" preload=\"none\">\n  <source src=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/podlove\/file\/225\/s\/webplayer\/c\/website\/fos_57.mp3\" type=\"audio\/mpeg\"\/>\n<\/audio><\/div>\n  \n  \n\n    \n\n\t<div class=\"podlove-contributors-cards\">\n\t\t\t<\/div>\n\n\t<style>\n\t\t.podlove-contributors-cards {\n\t\t\tmargin-bottom: 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href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.jclinepi.2022.05.019\">Many researchers were not compliant with their published data sharing statement<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1371\/journal.pone.0201856\">Populating the Data Ark<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/publikationen.sulb.uni-saarland.de\/handle\/20.500.11880\/36588\">Im Bann der Unt\u00e4tigkeit: Wie Journale auf wissenschaftliches Fehlverhalten (nicht) reagieren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2026\/01\/12\/fos-56-coara-reform-der-forschungsbewertung\/\">FOS 56: CoARA: Reform der Forschungsbewertung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2025\/12\/23\/fos-54-paper-mills-und-fake-journals\/\">FOS 54: Paper Mills und Fake Journals<\/a><\/p>\n\n\n\n<\/div>\n\n\n\n<div data-wp-context=\"{ &quot;autoclose&quot;: false, &quot;accordionItems&quot;: [] }\" data-wp-interactive=\"core\/accordion\" role=\"group\" class=\"wp-block-accordion is-layout-flow wp-block-accordion-is-layout-flow\">\n<div data-wp-class--is-open=\"state.isOpen\" data-wp-context=\"{ &quot;id&quot;: &quot;accordion-item-1&quot;, &quot;openByDefault&quot;: false }\" data-wp-init=\"callbacks.initAccordionItems\" data-wp-on-window--hashchange=\"callbacks.hashChange\" class=\"wp-block-accordion-item is-layout-flow wp-block-accordion-item-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-accordion-heading has-small-font-size\"><button aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"accordion-item-1-panel\" data-wp-bind--aria-expanded=\"state.isOpen\" data-wp-on--click=\"actions.toggle\" data-wp-on--keydown=\"actions.handleKeyDown\" id=\"accordion-item-1\" class=\"wp-block-accordion-heading__toggle\"><span class=\"wp-block-accordion-heading__toggle-title\">Episode 57 als Text<\/span><span class=\"wp-block-accordion-heading__toggle-icon\" aria-hidden=\"true\">+<\/span><\/button><\/h3>\n\n\n\n<div inert aria-labelledby=\"accordion-item-1\" data-wp-bind--inert=\"!state.isOpen\" id=\"accordion-item-1-panel\" role=\"region\" class=\"wp-block-accordion-panel is-layout-flow wp-block-accordion-panel-is-layout-flow\">\n<p>The Future is Open Science \u2013 Folge 57: Open Washing<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Doreen Siegfried<br>Leitung Marketing und Public Relations, ZBW \u2013 Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Ulrich Herb<br>Projektleiter und Open Access Experte, Saarl\u00e4ndische Universit\u00e4ts- und Landesbibliothek&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>[00:00:00] Intro<\/p>\n\n\n\n<p>[00:00:02]<a> <\/a>Ulrich Herb:<br>Die Daten sind nur nach Registrierung oder &#8211; das ist echt, das fand ich echt krass &#8211; nur nach stellen eines Antrags, obwohl es keine sensiblen Daten waren, zug\u00e4nglich. Dann genau das: Schlecht dokumentiert, kaum dokumentiert, gar nicht dokumentiert. Uralte Dateiversionen oder propriet\u00e4re Dateiformate. Also so zum Beispiel, was wei\u00df ich, SPSS-Files oder sowas. Also das sind so, das sind so die Klassiker.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:00:27] Ulrich Herb:<br>Es gibt zum Teil Daten, die sind absichtlich&#8230; Das wird ja keiner zugeben. Aber die sind so schlecht gemacht, das kann schon\u2026 Durch Zufall k\u00f6nnen die nie so schlecht dokumentiert sein oder so schlecht bereitgestellt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:00:40] Ulrich Herb:<br>Also, sagen wir mal, am Ende w\u00e4re es einfach hilfreich, wenn alle sich ein bisschen ehrlich machen und klar definieren, welche Aspekte man von Offenheit umsetzt und welche nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:00:54] Doreen Siegfried:<br>Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von &#8222;The Future is Open Science&#8220;, dem Podcast der ZBW. Mein Name ist Doreen Siegfried und ich treffe mich hier mit ganz unterschiedlichen Leuten aus dem Wissenschaftsbetrieb, die Ihnen verraten, wie sie in ihrer t\u00e4glichen Arbeit Open Science voranbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sprechen wir \u00fcber ein Ph\u00e4nomen, das in vielen Debatten rund um Open Science immer ein bisschen mitschwingt. Das Thema hei\u00dft Open Washing. Was ist das? Woran erkenne ich es? Handelt es sich bei Open Washing um ein Randph\u00e4nomen oder um g\u00e4ngige Praxis? Das sind zentrale Fragen. Und dar\u00fcber spreche ich heute mit dem Informationswissenschaftler, Soziologen und Open-Access-Experten Dr. Ulrich Herb von der Universit\u00e4t des Saarlandes. Ulrich Herb ist nicht nur forschend unterwegs, sondern auch als Consultant t\u00e4tig f\u00fcr Wissenschaftseinrichtungen, Open-Access-Verlage oder Forschungsf\u00f6rderer und Infrastruktureinrichtungen. Kennt sich also seit Jahren mit diesem Thema bestens aus. Und das ist doch das, was wir haben wollen. Und vielleicht als kleiner Disclaimer am Rande: wir beide kennen uns, da wir vor ein paar Jahren zusammen an den Handreichungen f\u00fcr wissenschaftsgeleitetes Publizieren zusammengearbeitet haben. Herzlich willkommen, lieber Uli.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:12] Ulrich Herb:<br>Hallo Doreen. Vielen, vielen Dank f\u00fcr die Einladung. Freut mich sehr, hier zu sein und ich hoffe, ich kann etwas Erleuchtendes beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:20] Doreen Siegfried:<br>Ja, sehr gut. Okay. Ich hatte ja schon angek\u00fcndigt, es geht um Open Washing. Wenn Du jetzt vielleicht kurz in einem Satz erl\u00e4utern k\u00f6nntest: Was ist das? Worum geht es? Und ist es vergleichbar mit \u00e4hnlichen Begriffen, die wir vielleicht kennen, wie Greenwashing oder Diversity Washing? Also, was ist Open Washing?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:40] Ulrich Herb:<br>Gut. Also Open Washing, das bezeichnet einen Etikettenschwindel. Vorgegebene Open-Science-Praxis, die aber nicht wirklich vorliegt. Ein uneingel\u00f6stes Versprechen. Also insofern gibt es da schon eine Analogie zu Green und Diversity Washing, weil beides bezeichnet ebenfalls uneingel\u00f6ste, moralisch ethische Versprechen. Das schwingt ja bei Open auch immer ein bisschen mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem sehe ich einen gro\u00dfen Unterschied. Also die Verbindung ist klar. All die drei Ph\u00e4nomene Green, Diversity, Open Washing sind damit verbunden, dass man kommerziellen Erfolg durch ein vorgegebenes Alignment mit irgendeinem liberalen Zeitgeistideal zu erreichen versucht. Um sich irgendwie als modern und K\u00e4ufergruppenkompatibel zu suggerieren. Also der Etikettenschwindel ist dann Gesch\u00e4ftsmodell. Bei Open Washing kann das der Fall sein. Allerdings ist das Ph\u00e4nomen schon vielseitiger. Es geht nicht nur um Alignment mit Idealen als Marketingslogan, weil in der Regel wissen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass man den Motiven von Open Science besser entsprechen kann als durch eine Publikation bei Wiley, Springer, Elsevier. Sondern es geht eben auch um institutionelle Positionierung von Universit\u00e4ten. Also nicht nur das Gesch\u00e4ftsmodell, sondern es gibt ja auch wahnsinnig viele Unis, die haben gesagt, \u201eOkay, wir unterschreiben CoARA, DORA\u201c und am Schluss passiert intern nichts. Und das ist auch Open Washing. Es geht aber auch um so substanzlose Funder Compliance, in dem man halt wirklich dann irgendwas macht mit Open Access, aber gerade so, dass der Funder zufrieden ist, einfach die Box klickt und sagt so, \u201eOkay, Open Access&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:18] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:19] Ulrich Herb:<br>Und dann gibts jetzt, sagen wir mal, so die ja, vielleicht die honest errors, bei denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unwissentlich Open Washing betreiben. Aber zwei Sachen sind mir wichtig: Also ich bin nicht der Richter, was Open Washing ist. Und Offenheit ist ja oft auch so ein bisschen, was ja scharf Unscharfes, so dass man immer ein bisschen aufpassen muss, wo man vielleicht die Grenzen nicht zu eng zieht, damit es am Schluss nicht zum Kampfbegriff wird,\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:44] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:45] Ulrich Herb:<br>\u2026, um sich in der Community zu diskreditieren. Das sehe ich so ein bisschen als Gefahr daran. Sonst finde ich das Konzept sehr sch\u00f6n. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:52] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Das f\u00fchrt mich gleich zur n\u00e4chsten Frage. Also ist es jetzt\u2026 Ist das so ein analytisches Konzept? Ist das eher so ein Schimpfwort oder Schlagwort?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:01] Ulrich Herb:<br>[lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:02] Doreen Siegfried:<br>Oder ist das ein tats\u00e4chlich etablierter Fachbegriff?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:05] Ulrich Herb:<br>Okay. Also, ich w\u00fcrde sagen, das ist ein Grenzobjekt, so ein boundary object. Das schwingt, oszilliert irgendwo zwischen Aktivismus und Wissenschaft. Und wir kommen ja sp\u00e4ter noch auf das Projekt Open and Responsible Research \u00d7 Research on Research, ROR zwei oder ROR\u00b2 oder hoch zwei zu sprechen. Und darin will man den Begriff zu einem analytischen Konzept entwickeln, damit es begriffsbildend wirken kann. Also, die Absicht ist dabei auch, zu verhindern, dass Open Washing zu so einem Kampfbegriff wird, wie Du es eben auch gesagt hast. Oder dass man am Ende\u2026 so nach dem Motto: \u201eWenn man einen moralischen Hammer hat, dann sieht man nur noch N\u00e4gel&#8220;\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:43] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:44] Ulrich Herb:<br>\u2026 ja \u00fcberall Verst\u00f6\u00dfe gegen Offenheitsprinzipien zu entdecken glaubt und alles und alle irgendwie des Open Washings bezichtigt. Deswegen geht das Projekt da schon sehr wissenschaftlich ran, um diese Sch\u00e4rfe zu schaffen. Da wurde auch eine Taxonomie entwickelt, Taxonomie wissenschaftlicher Kommunikation, wo man sagt, \u201eOkay, das sind die vier Hauptfunktionen von Journalen, Policies, Plattformen. Das ist Registrierung, also Urheberschaft, Ownership auch Verantwortlichkeit, wer ist verantwortlich, Certifikation, Validierung oder Review letztendlich, die Archivierung und Awareness und Access.\u201c Das ist so eins, also Auffindbarkeit und Zugriff. Wobei es da einen Unterschied gibt, weil man kann auch Zugriff haben, aber keiner kriegt es mit. Das ist ja auch nicht echt Open, weil keine Metadaten da sind und, und, und. Und in all diesen Bereichen kann Open Washing passieren. Und letztendlich ist der erste Ansatz, dass man einfach dann sagt, um das Wissen zu sch\u00e4rfen und nicht ins Anekdotische, Aktivistische abzudriften, dass man sagt, \u201eDas sind die Kriterien\u201c. Und dann vergleicht man: Was ist das Label? Sind die Open? Was ist die Praxis? Gibt es CC-Lizenzen? Ist FAIR-Prinzipien verfolgt? Wie ist die Review? Gibt es eine \u00dcbereinstimmung zwischen Realit\u00e4t und Etikett oder gibt es eine Entkopplung?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:06:58] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Du hast jetzt gerade schon von Kriterien gesprochen. Gibt es dann schon irgendwie eine Handvoll Kriterien, anhand derer man irgendwie begr\u00fcndet von Open Washing sprechen kann? Also, wo ist hier die Schwelle zwischen, es ist mir noch unklar, fehlende Kompetenz ist da, vielleicht es kommt auch noch Zeitdruck mit rein. Also diese ganzen fuzzy Themen. Also wo kippt das Ganze von Fahrl\u00e4ssigkeit hin zu tats\u00e4chlich, das ist jetzt bewusstes Open Washing?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:07:30] Ulrich Herb:<br>Also das ist was, was wir in diesem Projekt eigentlich versuchen zu ignorieren. Also es geht nicht darum, eine bewusste oder ausgefeilte T\u00e4uschungsstrategie aus kommerziellen Interessen oder um im Ranking gut dazustehen. Das ist f\u00fcr uns nicht relevant. Ob das der Anlass ist oder \u00dcberlastung oder, oder, oder. Dann w\u00fcrden wir n\u00e4mlich irgendwann auch zu so einem Kriterium kommen, es gibt Schlimmeres Open Washing und weniger schlimmes Open Washing.&nbsp; Bei uns geht es eher um die Folgen, um die Erosion des Vertrauens in Wissenschaft und Transparenz\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:08:02] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:08:03] Ulrich Herb:<br>\u2026 und die Prinzipien f\u00fcr Offenheit. Deswegen ist es so, ist f\u00fcr uns alles Open Washing irgendwie gleichwertig. Ja. Ja schlecht w\u00fcrde ich jetzt auch nicht mal sagen, sondern gleichwertig benennenswert. Sodass man klar ist, dass es das jetzt ist &#8211; Open Washing. Also die Grenzen sind flie\u00dfend. Wenn jemand die Daten zu seiner Publikation teilt, aber aus Zeitgr\u00fcnden bei der Dokumentation schlampt, weil er irgendwas anderes Open-Science-m\u00e4\u00dfiges, Tolles machen muss, OERs erstellen will oder was wei\u00df ich. Ist das dann jetzt,&nbsp; das ist auch Open Washing, aber es ist eher Zeichen eines \u00fcberlasteten und eines \u00fcberlastenden Systems.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:08:44] Doreen Siegfried:<br>Und kann man\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:08:45] Ulrich Herb:<br>Deswegen \u2026 Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:08:46] Doreen Siegfried:<br>Ja. Entschuldigung, wenn ich unterbreche. Also das hei\u00dft, k\u00f6nnte ich da sozusagen so eine kleine Parallele ziehen zum, ich sag mal, Verhalten im Stra\u00dfenverkehr, dass ich sage, es ist mir eigentlich egal, warum jemand mit 100 durch die Stadt f\u00e4hrt und \u00fcber alle roten Ampeln f\u00e4hrt, ob die Person jetzt getr\u00e4umt hat oder was auch immer f\u00fcr Gr\u00fcnde hat. Am Ende ist es eine Gefahr f\u00fcr die Stadtbev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:09:09] Ulrich Herb:<br>Ganz genau. Ganz genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:09:10] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:09:11] Ulrich Herb:<br>Genau. Ganz genau. Also, am Schluss ist es&#8230; Man kann im Detail dann sicher dar\u00fcber diskutieren, dass man sagt, was man gravierender findet. Aber es geht zuerstmal darum, dass das alles, egal was f\u00fcr eine Art von Open Washing man hat, dass man das als gleichwertig wichtig zuerst mal betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:09:28] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Und wie h\u00e4ufig, w\u00fcrdest Du sagen, ist das tats\u00e4chlich aus Deiner Sicht ein Ergebnis bewusster Strategie?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:09:38] Ulrich Herb:<br>Also so ganz kann man das Kontinuum oder so eine bin\u00e4re Einordnung absichtlich\/unabsichtlich, auf die Gefahr hin, verschwommen zu wirken, kann man schlecht ziehen. Das ist eher so ein komplexes Arrangement, in dem sich die unterschiedlichen Akteure unterschiedlich absichtlich oder unabsichtlich verhalten. Nat\u00fcrlich kannst Du sagen, es gibt die bewusste Instrumentalisierung als Marketingstrategie. Also Predatory Publishers, die sagen, &#8222;Ja, okay, wir sind Open Access, Open Science&#8220;, versto\u00dfen aber gegen das Kriterium der Zertifizierung. Es gibt keine Review, damit sie halt Geld reinkriegen. Dann kannst du sagen, die kommerziellen Gro\u00dfverlage, also die machen Mirror Journals, die launchen neue Open Access Titel als Marketinginstrument, damit sie Funder compliant sind, um neue Zeitschriften zu legitimieren, hohe APCs durchzusetzen. Oder die sagen bei DEAL: \u201eJa, hier, das ist Hybrid Open Access&#8220;, aber das ist Gold Open Access, um am Schluss mehr Geld zu machen, weil sie f\u00fcr die APCS nat\u00fcrlich mehr Geld kriegen. Und um das Gesch\u00e4ftsmodell zu f\u00fcttern. Das ist dann schon so was, was Absichtliches. Was anderes Absichtliches, w\u00fcrde ich sagen oder sagen wir in dem Projekt auch: akademische Netzwerke. Also Academia sagt, \u201eWir sind offen, gebt uns Titeldaten\u201c, was wei\u00df ich. Aber in Wirklichkeit ist nat\u00fcrlich versteckt ein starkes Monetarisierungsmoment drin und Du hast da eben nur Access, aber zum Beispiel nicht die Awareness, weil das bleibt, ja in der Kapsel drin.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:11:07] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja. Klar.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:11:07] Ulrich Herb:<br>Du kommst von au\u00dfen nicht dran. Und die lassen die Leute nat\u00fcrlich \u00fcber rechtliche Implikationen v\u00f6llig im Unklaren. Also das ist ganz klar, wo ich sagen w\u00fcrde, da gibt es eine ausgefeilte, absichtliche Strategie. Und dann gibt es eher sowas, so eine systematische Entkopplung. Also eine Organisation sagt, \u201eWir sind Open-Science-Champions, wir machen toll Open Access und Open Science\u201c, aber dann stellen sie die Ressourcen nicht dazu bereit. Dann stehst Du gut da gegen\u00fcber dem Ministerium der DFG, der BMBF. In der Open-Access-Community bist Du der Champ. Aber intern kracht&#8217;s an allen Ecken, wenn sie es praktizieren wollen. Und da ist oft dann so eine Reaktion: \u201eWir wollen F\u00f6rderrichtlinien, Policies gerecht werden\u201c. Aber man stellt die Mittel nicht bereit. &nbsp;Dann gibt es halt noch sowas, was wir in dem Projekt auch so als die Low Key Deviance, die unterschwellige Normverletzung, bezeichnen. Das ist so das, wor\u00fcber wir eben geredet haben. Also das ist eher sowas\u2026 Das ist kein Masterplan, sondern ein Ergebnis von Zeitdruck. Also Du sagst, \u201eOkay, ich mach Pr\u00e4registrierung\u201c oder \u201eIch muss\u2026\u201c oder \u201eDas ist in meiner Community gefordert&#8220;, um den Anschein von Zuverl\u00e4ssigkeit zu erzeugen. Aber Du hast gar nicht die Zeit, um die Qualit\u00e4t in die Pr\u00e4registrierung zu bringen. Und das ist dann sowas, Du willst aber auch dem Anschein gerecht werden, mit einem anderen Motiv als die Verlage oder Deine Uni. Aber es ist alles irgendwie Open Washing. Und da w\u00fcrde ich schon zu sagen: Bei Verlagen Absicht, bei Organisationen so eine Mischung aus Absicht, Sachzwang, nicht wissen, wie man es implementiert und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oft dann so ein bisschen die Leidtragenden, die es dann seltener absichtlich machen. Ganz grob, holzschnitzartig. Aber so.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:12:49] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja. Okay. Denn vielleicht\u2026 Wir sind ja immer noch so ein bisschen beim Definieren dieses Konzeptes, dieses Begriffs. Es gibt ja h\u00e4ufig auch in der Forschung, also auch gerade so in den Wirtschaftswissenschaften, den Fall, dass man irgendwie mit statistischen Daten von den \u00c4mtern arbeitet oder mit Unternehmensdaten, wo dann tats\u00e4chlich Urheberrechte, Datenschutz usw. oder irgendwelche Auflagen eine Rolle spielen. Und die Leute da jetzt nicht alles so frei zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen, wie sie vielleicht wollten. Das w\u00fcrdest du jetzt aber nicht als Open Washing bezeichnen, sondern das ist dann einfach, das sind dann einfach Rahmenbedingungen. Oder wie ist es da?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:13:24] Ulrich Herb:<br>Ganz genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:13:25] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:13:26] Ulrich Herb:<br>Ganz genau. Also das ist\u2026 Ich w\u00fcrde sagen, Open Washing beginnt dort, wo diese Rhetorik von der tats\u00e4chlichen Praxis entkoppelt wird. Und das w\u00fcrde ich damit nicht sehen. Also wenn es eine Absicht gibt, unberechtigt von den Werten, dem Ethos, der Open Science oder auch den Rankings. Es gibt ja Rankings, da wird geguckt, wie viel Open Access, wie viel Open Science macht jemand, davon zu profitieren, ohne wirklich das zu praktizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:13:48] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:13:48] Ulrich Herb:<br>Wenn das eine legitime Einschr\u00e4nkung ist, ist die funktional begr\u00fcndet und dient dann dem Schutz ethischer Standards, rechtlicher Standards, auch des rechtlichen Schutz der Wissenschaftlerin und des Wissenschaftlers. Also da sehe ich jetzt, das w\u00e4re f\u00fcr mich jetzt nicht so. Wenn es nicht als Open gelabelt wird, ohne ein Versprechen einzuhalten, dann w\u00e4re das f\u00fcr mich okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:14:07] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Nun ist ja Open Science ein gro\u00dfer Umbrella Term f\u00fcr alle m\u00f6glichen Praktiken. Wenn du jetzt auf dieses Ph\u00e4nomen schaust, welche typischen Muster erkennst Du denn, wenn tats\u00e4chlich Offenheit, behauptet wird, aber dann nicht eingel\u00f6st wird? Also wo, in welchen Kontexten kommt das am h\u00e4ufigsten vor?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:14:29] Ulrich Herb:<br>Also ein paar Sachen haben wir schon genannt. Das eine ist die strategische Instrumentalisierung sowohl durch Hochschulen oder Wissenschaftseinrichtungen, die sagen, \u201eJa, wir machen Open Science&#8220;, aber stellen die Ressourcen nicht bereit, also implementieren es dann nicht. Dann nat\u00fcrlich die Verlage, die kommerziellen Verlage. Dann diese, diese extraktiveren Plattformlogiken ResearchGate, Academia, edu. Dann das, was Forscher machen, Forscherinnen machen, um einfach Open Science irgendwie zu machen, aber nicht, sagen wir mal, standardgem\u00e4\u00df umzusetzen. Also rein formalistisch, nur einfach so Box Ticking. Zack, zack, zack, zack, abgearbeitet und dann aber mit dem Mindestlevel schlechter Dokumentation, zum Beispiel. Aber auch solche Sachen, wo es zu so einer rhetorischen Umdeutung kommt. Also zum Beispiel SciHub. Das legitimiert ja eine illegale Praxis durch die ja \u00dcbernahme von Kategorien, Narrativen, Slogans aus der Open-Science-Bewegung. Also das w\u00e4re auch noch so was. Aber das sind so die Sachen. Strategische Instrumentalisierung, Plattformlogik. Ja, sagen wir mal, diese Inszenierung von Open Science. Und diese rhetorische Umdeutung f\u00fcr Sachen, die gar nichts mit Open Science zu tun haben, wie Piraterie bei SciHub. Das w\u00e4ren so die Klassiker, w\u00fcrde ich sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:15:55] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Wenn wir jetzt sozusagen mal reingucken, was h\u00e4ufig als Open verstanden wird, dann kommen ja so Begriffe vor wie nat\u00fcrlich \u201eopen\u201c, aber auch irgendwie \u201etransparent, accessible, reusable\u201c. Welche Aspekte werden hier, nach Deinen Beobachtungen, am h\u00e4ufigsten nicht eingehalten?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:16:15] Ulrich Herb:<br>Sehr gut. Das ist super. Also ich finde &#8211; aber das ist jetzt meine Einsch\u00e4tzung und nachdem was man sich so ein bisschen zusammen liest auch &#8211; also das Reusable, also gerade bei Daten. Man hat vor allem bei Daten, man hat Lesegriff, kann aber nicht weiter verwerten. Und dann so Sachen wie Accessible. Also irgendein Item wird als Open Access gelabelt, ist aber nur f\u00fcr begrenzte Zeit offen zug\u00e4nglich oder Massendownloads sind gesperrt. Was, wei\u00df ich, zum Beispiel bei Material, was unter CC-BY steht, zul\u00e4ssig sein m\u00fcsste. Trotzdem kommt es immer noch vor, dass Verlage Massendownloads unterbinden. Oder der Datenzugriff wird im Artikel als Open gekennzeichnet. Sind die irgendwie auch. Der Access ist da, ja, aber die sind dann un- oder unterdokumentiert. Oder man braucht teure Software um die zu lesen. Das sind halt so die Klassiker.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:17:07] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja, okay. Da sind wir schon bei meiner n\u00e4chsten Frage. Beim Thema Data Availability. Also ist das dann tats\u00e4chlich die Form, dass man sagen k\u00f6nnte, okay, da wird irgendwie ein Link gesetzt auf ein Data Repository und dann ist da nichts? Oder ist es h\u00e4ufiger der Fall, was Du gerade schon skizziert hattest, dass man sagt, okay, da liegt irgend so eine CSV-Datei, aber damit kann man nichts machen und der Code ist auch nicht hinterlegt. Und eigentlich ist das dann auch noch eine Version von Excel, keine Ahnung, die schon seit zehn Jahren nicht mehr funktioniert. Also was, wo sind da die die h\u00e4ufigsten Formen erkennbar?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:17:51] Ulrich Herb:<br>Ja, also, das ist genau das. Also die Kappe Daten sehe ich zum Beispiel auch oft. Da hei\u00dft es, es ist Open, aber ich muss mich also registrieren bei der Plattform. Das hatte ich vor Kurzem, da hat tats\u00e4chlich ein anderer Wissenschaftler, der auch sich gut mit Open Science auskennt, der hat zu mir gesagt, \u201eHey, pass auf, ich habe da Daten hochgeladen auf dem Server und ich wei\u00df es nicht. Kannst Du mal versuchen, da dranzukommen? Ich glaube, das ist superschwer, ne?&#8220; Und dann musste ich ein Formular ausf\u00fcllen und rechtfertigen, warum ich das will. Da war nichts mit Datenschutz. Da waren keine pers\u00f6nlichen Daten, personenbezogene Daten drin, nichts. Und ich musste das beantragen und bekomme dann einen Tag sp\u00e4ter eine Mail, dass ich jetzt darf mit einem Code. Der ist aber dann auch irgendwann wieder verfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:18:38] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja. Okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:18:39] Ulrich Herb:<br>Genau. Das wurde aber als Open gelabelt. Also das ist das eine. Die Daten sind nur nach Registrierung oder &#8211; das ist echt, das fand ich echt krass &#8211; nur nach stellen eines Antrags, obwohl es keine sensiblen Daten waren, zug\u00e4nglich. Dann genau das. Schlecht dokumentiert, kaum dokumentiert, gar nicht dokumentiert. Uralte Dateiversionen oder propriet\u00e4re Dateiformate. Also zum Beispiel, was wei\u00df ich, SPSS-Files oder sowas. Also das sind so, das sind so die Klassiker und nat\u00fcrlich auch. Was ich auch immer wieder interessant finde, ist unter Berufung auf nicht vorliegende, real nicht vorliegende Datenschutzgr\u00fcnde den Zugriff zu verweigern. Das ist auch was recht Beliebtes.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:19:22] Doreen Siegfried:<br>Ah ja, okay. Das ist nat\u00fcrlich immer sehr sch\u00f6n einfach, wenn man so ein kleines, glitzerndes Schutzschild davor schieben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:19:31] Ulrich Herb:<br>Genau. Da kannst du sagen, ich w\u00e4re ja gern ethisch, aber ich bin noch ethischer, weil ich den Datenschutz respektiere. Und dabei ist es ein Hoax.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:19:39] Doreen Siegfried:<br>Ja, spannend. Okay. Du hattest ja vorhin schon besprochen, was so typische Szenarien sind. Diese strategische Hochschulpolitik, die Politik der Verlage usw. Aber wenn wir jetzt noch mal so ein bisschen auf die Akteure gucken, in diesem Kontext von Open Science. Ich sag immer Open Science. Open Washing. Ich will immer Open Science Washing sagen, aber Open Washing hei\u00dft es. Also welche Akteure sind denn hier vor allem beteiligt? Also sind das eher die Autor:innen oder die Journals und Verlage, Institutionen, F\u00f6rderer, Infrastrukturanbieter?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:20:12] Ulrich Herb:<br>Also, an sich alle.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:20:15] Doreen Siegfried:<br>Alle.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:20:16] Ulrich Herb:<br>Also an sich alle. Also die Verlage, ja, die Predatory Journals. Das ist klar, ein Versto\u00df gegen alle Kriterien der Zertifizierung. Ja, kommerzielle Verlage, die irre APCs einsetzen, die auch prohibitiv sind, die werden ja die Offenheit auf der Publikationsseite schlie\u00dfen. Die Autor:innen, Forscherinnen und Forscher, die zum Teil aus tats\u00e4chlich auch Geheimhaltungsgr\u00fcnden, weil sie es nicht teilen wollen, oder aus Unwissenheit, Zeitdruck, mangelnden Ressourcen, die von der Organisation bereitgestellt werden, das nicht richtig machen. Oder die auch einfach sich mit dem irren Track of Record von Openness schm\u00fccken wollen. Und in Wirklichkeit ist es alles schlecht dokumentiert oder die meisten Sachen sind gar nicht richtig Open oder, oder, oder. Allerdings auch F\u00f6rderer und Institutionen, die halt ambitionierte politische Ziele setzen und diese aber nicht mit entsprechenden Ressourcen oder Infrastruktur\u00e4nderungen unterlegen. Und nat\u00fcrlich dann diese ganzen Infrastrukturbetreiber, die Plattformbetreiber. Letztendlich ist es so, dass jetzt speziell &#8211; lassen wir mal ResearchGate und Academia weg &#8211; ist so mein Eindruck, dass halt alle irgendwie sich unter diesem Schirm Openness gut versammeln. Aber jeder es f\u00fcr sich optimiert, jeder Akteur. Die Journale optimieren es f\u00fcr sich, die Autorinnen, Autoren optimieren es f\u00fcr sich und die F\u00f6rderer. Und am Schluss kommt ein Bild raus, das \u00fcberhaupt nicht\u2026, das passt alles nicht \u00fcbereinander. Weil jetzt zum Beispiel auch die F\u00f6rderer. Du kannst ja nicht sagen, dass die F\u00f6rderer einheitliche Vorstellungen von Open Science haben. Also manche sagen: \u201eJa, transformativer, hybrider Open Access ist okay.&#8220; Andere sagen dann auch: \u201eHybrider Open Access ist auf keinen Fall irgendwas\u201c, also akzeptabel.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:22:02] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:22:04] Ulrich Herb:<br>Also, sogar die F\u00f6rderer unter sich optimieren Openness, so dass sie am Schluss gut bei rumkommen. Oder sie machen nat\u00fcrlich, damit er\u00f6ffnen die auch\u2026 Das ist keine Schuldzuweisung an die F\u00f6rderer. Aber damit er\u00f6ffnest Du nat\u00fcrlich auch zum Beispiel den Verlagen Korridore, in denen sie dann Gesch\u00e4ftsmodelle, wie hybrid, am Leben halten. Oder dadurch, dass Du sagst, Du bleibst bei den alten Impact-Metriken, was ja implizit eigentlich fast immer noch der Fall ist. Und so lange zwingst Du ja die Leute, bei den traditionellen Journalen zu bleiben. Und dann bietest Du den Journalen ja wieder einen Korridor, um zu sagen, okay, da schr\u00f6pfen wir weiter. Also, das ist, jeder optimiert f\u00fcr sich. Und am Schluss kommt was Suboptimales rum oft. Und das erm\u00f6glicht dann immer diese suboptimalen Nischen. Da kann immer schnell Open Washing passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:22:56] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Wo Du jetzt gerade sagtest, die F\u00f6rderer, die haben alle ein unterschiedliches Verst\u00e4ndnis und f\u00f6rdern auch unterschiedliche Abstufungen von Open Science \/ Open Access. Was w\u00fcrdest Du denn sagen, woran liegt das? Also ist das eine Kommunikationsfrage oder ist das Kalk\u00fcl? Also haben die einfach nur nicht miteinander geredet oder\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:16] Ulrich Herb:<br>[lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:17] Doreen Siegfried:<br>\u2026 hat da jeder so seine kleine heimliche Agenda?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:20] Ulrich Herb:<br>Ja, ich glaube schon, dass die, also, dass die miteinander reden, ja. Letztendlich glaube ich auch, dass\u2026 Also, ich nehme das ja auch immer so wahr, &#8211; jetzt kommen wir vielleicht ein bisschen weg von dem Thema, aber das ist eine interessante Sache &#8211; dass die Forschungsf\u00f6rderer die von ihnen versorgten, betreuten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer so ein bisschen als schwierige Kundschaft ansehen, \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:47]<br>[beide lachen]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:47] Ulrich Herb:<br>\u2026 um die zu Open Access zu bewegen. Ja, und umgekehrt aber die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen immer sagen, \u201eJa, okay, was wollen die jetzt schon wieder von mir?\u201c Also ich glaube, da hapert es einfach und ich glaube, da m\u00fcssten wir es vielleicht\u2026 Ich glaube, das ist eher so das Ding. Das ist jetzt meine Vermutung, mein Eindruck, dass Forschungsf\u00f6rderer und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht so richtig in die Kommunikation dar\u00fcber reden, wie sie das ausgestalten k\u00f6nnten. Weil, das ist ja so was. Die DFG oder andere Forschungsf\u00f6rderungen&#8230; Nichts gegen die DFG, wirklich nicht. Oder gegen andere. Ist egal. Hol, wen Du willst. Die sagen dann zum Beispiel\u2026 Die DFG ist ja noch zahm. Andere sagen: \u201eIhr m\u00fcsst Open Science machen.\u201c Die EU zum Beispiel. Und das f\u00e4llt aber auch in diese selbe Rolle, diese schlechte Passung von Policy und Unterf\u00fctterung durch Mechanismen. Und die m\u00fcssten aber ja dann zum Beispiel auch wieder an den Universit\u00e4ten implementiert werden, diese Unterst\u00fctzungsmechanismen. Und dann kriegst Du da, glaube ich, kommst Du kaum in einen Dialog oder kaum in eine Struktur, die diese Transmission schafft und den Austausch schafft. Das glaube ich. Und ich glaube, dass ist so&#8230; Ich habe auch mal in einem freiberuflichen Projekt mit jemand aus dem Ministerium eines anderen Bundeslandes l\u00e4nger gesprochen. Das ist jetzt nicht ein irregro\u00dfer F\u00f6rderer, aber da geht es auch um F\u00f6rderung, um Finanzierung von der Grundausstattung und Rahmenpl\u00e4nen und Universit\u00e4tsentwicklungspl\u00e4nen. Also, das war nicht bei uns, nicht im Saarland. Und dann hat er gesagt, \u201eEs ist super schwer, rauszufinden, was die Bed\u00fcrfnisse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind\u201c. Und ich glaube, daran hapert es. Die F\u00f6rderer haben da eine grobe Vorstellung. Die haben einen Ethos. Alle wollen Open Science, Open Access. Das wollen wir auch. Okay. Wie kriegen wir es jetzt hin, dass unsere Wissenschaftler und Wissenschaftler diesem Ethos folgen, ohne mit jedem dar\u00fcber zu reden, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesem Ethos folgen wollen? Und dann machen sie so ein Angebot, von dem sie denken, \u201eOkay, damit ist es halbwegs schmackhaft f\u00fcr die\u201c. Aber das ist alles so ein bisschen unabgestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:26:03] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Also, wenn wir hier noch mal bei dieser Stra\u00dfenverkehrsmetapher bleiben. Also, vielleicht ist sie auch \u00fcberstrapaziert. [lacht] Das musst Du gleich mal sagen. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, was die Verkehrsteilnehmer wollen. Die wollen m\u00f6glichst schnell von A nach B. Und dann gibt es nat\u00fcrlich jemand, der sagt, \u201eHier ist aber Tempo 50 innerhalb der Stadt.&#8220; Aber solange das keiner kontrolliert, parken die Leute ihre Autos irgendwo, fahren vielleicht auch mal ein bisschen schneller.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:26:33] Ulrich Herb:<br>Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:26:34] Doreen Siegfried:<br>Aber das ist doch in der Wissenschaft auch so, oder? Also\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:26:36] Ulrich Herb:<br>Ganz, ganz genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:26:37] Doreen Siegfried:<br>Wenn niemand da ist, der tats\u00e4chlich kontrolliert, dann guckt man, dass das so halbwegs ordentlich passt.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:26:44] Ulrich Herb:<br>Ganz, ganz genau. Das ist das, was wir in dem Projekt oder was auch so in der Literatur dann als die unterschwellige Normverletzung ist. Also, \u201eJa, okay, ich mache es so. Aber nur so, dass es mir nicht weh tut, dass ich mein\u2026, dass ich die Policy irgendwie befolge. Aber dass ich mein Hauptziel, High Impact oder was wei\u00df ich was, trotzdem hinkriege.\u201c Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:27:05] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Bevor wir gleich zu dem Projekt kommen. Ich habe jetzt hier noch so ein paar kurze Fragen. Im Prinzip so eine Checkliste, wo Du sagen musst, das ist Open Washing oder das ist kein Open Washing. Also wir nehmen mal den Fall, jemand hat einen Artikel als Open-Access-Artikel deklariert. Dieser ist dann am Ende tats\u00e4chlich aber nur so in Ausschnitten zug\u00e4nglich oder nur zeitlich befristet oder liegt hinter einer Registrierungsh\u00fcrde, wie Du ja auch schon skizziert hattest. Also da w\u00fcrdest Du sagen: \u201eYes, that&#8217;s Open Washing.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>[00:27:43] Ulrich Herb:<br>Ganz klar.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:27:44] Doreen Siegfried:<br>Ganz klarer Fall. Okay, dann haben wir noch die Frage mit den Lizenzen. Wenn jetzt keine offene CC-BY-Lizenz dabei ist\u2026 Wie w\u00fcrdest Du\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:27:55] Ulrich Herb:<br>Ohne CC-BY oder vergleichbare Lizenz gibt es keine Interoperabilit\u00e4t, Nachnutzung, kein Text zu Data Mining. Damit Open Washing. Klar.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:28:04] Doreen Siegfried:<br>Okay, gut. Dann die Frage, wie wichtig ist jetzt so eine stabile Referenz? Also sagen wir mal eine DOI, eine langfristig erreichbare Version: Ist das elementarer Teil. Wenn die nicht da ist, ist das ein handwerklicher Fehler? Oder ist das fahrl\u00e4ssig? Oder wie w\u00fcrdest Du das bezeichnen?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:28:22] Ulrich Herb:<br>Also das Fehlen einer stabilen Referenz w\u00e4re f\u00fcr mich ein\u2026 Und wenn Du dann sagst, \u201eWir machen Open Science\u201c, das ist Open Washing. Das ist f\u00fcr mich, um bei diesen Kriterien zu bleiben, klar Teil der Registrierung.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:28:36] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Dann nehmen wir mal den Fall: Ich habe einen Artikel verfasst und erw\u00e4hne, dass die Daten in einem Repository XYZ liegen. Und wenn dann jemand anderes darauf zugreifen will, liegt da nichts, oder da liegt nur ein Platzhalter oder wie auch immer. Das ist wahrscheinlich ein klarer Fall, drei Sternchen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:28:59] Ulrich Herb:<br>Der klassischste fast, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:29:01] Doreen Siegfried:<br>Das ist der klassischste Fall. Okay. Dann w\u00fcrde mich noch interessieren, welche Barrieren dann tats\u00e4chlich in der Praxis so besonders relevant sind. Also sind das die Vertragsbedingungen? Sei es jetzt mit irgendwelchen Datenlieferanten aus Unternehmen oder \u00c4mtern, wie wir es schon skizziert hatten. Oder sind das eher institutionelle Zugangsbeschr\u00e4nkungen? Oder sind es technische H\u00fcrden? Oder ist es die Spezialsoftware? Oder ist es noch was ganz anderes? Also, wo w\u00fcrdest Du sagen, was sind die gr\u00f6\u00dften drei oder die gr\u00f6\u00dften Barrieren?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:29:37] Ulrich Herb:<br>Also das eine sind die strukturellen Sachen, also \u00f6konomisch vertraglich, finanzielle Barrieren, hohe APCs. Dann so Lizenz-Urheberrecht, gratis lesbar, keine CC-BY-Lizenz. Dann die technischen Barrieren, mangelnde Interoperabilit\u00e4t, w\u00fcrde ich sagen. Also keine Langzeitarchivierung, keine DOIs usw. Dann aber auch das, was wir so Enclosed Discoverability nennen. Also wie bei ResearchGate. Da drinnen ist was Open, aber das ist eingeschlossen. Und dann diese Sache, institutionelle Barrieren. Also es gibt keine Ressourcen, um das wirklich zu machen. Das sind so die wesentlichen Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:30:19] Doreen Siegfried:<br>Okay. Und gibt es auch den Fall\u2026 Also, es geht jetzt schon so ganz bisschen in die Richtung True Crime.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:30:27] Ulrich Herb:<br>[lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:30:27] Doreen Siegfried:<br>Aber gibt es den Fall, dass man sagt, okay, ich habe da jetzt eine Exceltabelle liegen und die habe ich jetzt nicht nur so ein bisschen sloppy da abgelegt, sondern die habe ich bewusst unbrauchbar gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:30:38] Ulrich Herb:<br>Ja. Sicher.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:30:39] Doreen Siegfried:<br>Also das gibts?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:30:40] Ulrich Herb:<br>Ja, sicher. Ja, also ganz sicher. Es gibt zum Teil Daten, die sind absichtlich&#8230; Das wird ja keiner zugeben. Aber die sind so schlecht gemacht, das kann schon\u2026 Durch Zufall k\u00f6nnen die nie so schlecht dokumentiert sein oder so schlecht bereitgestellt sein. Aber das ist halt genau das, ne? Also, ich folge dem Ethos auf dem Papier, aber in echt unterminiere ich es fast.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:01] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja, okay. Dann w\u00fcrde ich, w\u00fcrde ich vielleicht einmal springen und mal so ein bisschen in Dein Projekt reingehen oder in Euer Projekt. Also, du hattest ja vorhin schon angek\u00fcndigt, diese ganz vielen Rs. Also du arbeitest in einem Projekt mit, das hei\u00dft &#8222;Open and Responsible Research \u00d7 Research on Research&#8220;, also ROR\u00b2.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:27] Ulrich Herb:<br>Ich w\u00fcsste auch nicht, wie man es richtig ausspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:30] Doreen Siegfried:<br>Also ziemlich viel Research kommt da drin vor.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:32] Ulrich Herb:<br>[lacht] Total ja. Absolut. Wird auch gemacht. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:36] Doreen Siegfried:<br>Also, wie viel oder welches Problem adressiert Ihr denn da? Und was wollt ihr verstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:43] Ulrich Herb:<br>Ja, ich muss ganz kurz zuerst die Hauptakteure nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:46] Doreen Siegfried:<br>Ja, Ja, bitte.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:31:46] Ulrich Herb:<br>Aus Gr\u00fcnden der Transparenz. Also, das ist ein Projekt aus Frankreich, wird gef\u00f6rdert von der Agence nationale de la recherche. Die Projektleitung liegt bei der Universit\u00e9 Claude Bernard Lyon, durch Ch\u00e9rifa Boukacem-Zeghmouri. Ich nenne nur die wichtigsten Leute. Und dann ist da noch dabei die \u00c9cole nationale des ponts et chauss\u00e9es, das Laboratoire LISIS, Fr\u00e9d\u00e9rique Bordignon. Dann noch dabei Universit\u00e4t Montpellier Paul-Val\u00e9ry, Universit\u00e4t Lille mit meinem Freund Joachim Sch\u00f6pfel, das CNRS, Data Activists, Fachexperten. Und dann gibt es noch Kooperationen mit der Universit\u00e4t Nijmegen in den Niederlanden und der Universit\u00e4t Grenoble. Und ich bin der einzige Deutsche. So. Okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:32:28] Doreen Siegfried:<br>Okay. Also f\u00fcr unsere Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer: Wir packen das alles in die Shownotes, da k\u00f6nnen Sie sich noch mal\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:32:33] Ulrich Herb:<br>Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:32:33] Doreen Siegfried:<br>\u2026 rein vertiefen und das alles irgendwie nacharbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:32:36] Ulrich Herb:<br>Genau. Also das ist ein tolles Projekt. Die Franzosen machen da was ganz Sch\u00f6nes. Also das Projekt adressiert eben genau diese systematische Entkopplung zwischen institutionell politisch ethischer Rhetorik \u00fcber Open Science und der wissenschaftlichen Integrit\u00e4t. Die Hypothese ist Offenheit allein. Offenheit wird ja immer so als Wert, als nutzbringender oder positiv wirkender Wert an sich angesehen. Und das wird da ein bisschen kritisch betrachtet. Also wir sagen, Offenheit ist keine hinreichende Bedingung f\u00fcr integre Forschung, sondern f\u00fchrt ohne eine echte funktionale Verankerung zu Missbrauch, wie Open Washing oder Equity Washing oder der \u00dcbernahme von oberfl\u00e4chlichen Transparenzmarkern. Also nicht mal Praktiken, nur Markierungen. Es ist eben, ohne die ethischen Werte oder so was wirklich zu praktizieren. Und was uns auch gefehlt hat, das ist ein gro\u00dfer Punkt da drin, ist so eine systematische Klassifizierung der sehr fragmentierten und diversen digitalen Plattformen, &nbsp;Plattformlandschaft, die das Kommunikationsverhalten von Forschenden und die Validit\u00e4t von Informationen pr\u00e4gt. Die zwei Hauptdinge, die drin getan werden ist, eine Taxonomie der Publikationsplattform. Da wurden 500 untersucht tats\u00e4chlich und anhand dieser Kriterien Registrierung, Zertifizierung, Archivierung, Awareness und Accessibility untersucht, um zu sehen, inwieweit sie ihre Versprechen halten, die sie machen, indem sie sagen, \u201eWir sind Open.\u201c Und dann wird eine Topografie gemacht. Wie agieren Forscherinnen und Forscher tats\u00e4chlich in diesem Spannungsfeld von Institutionen, Policy, verf\u00fcgbaren Plattformen und individuellen Arbeitsbedingungen und Anreizen. Genau. Und am Schluss wollen wir versuchen, so Prozesse zu identifizieren, die entweder integre Forschung f\u00f6rdern oder so einen Weg in den formalistischen Konformismus, \u201eIch mach Open Science, aber ich mach es doch nicht.\u201c zu f\u00f6rdern. Ja, das ist so der Anspruch, diese Differenzierung zu kriegen, um zur\u00fcckzukommen zum Anfang. Und dann w\u00e4ren wir dort weg vom Anekdotischen, sondern bei der analytischen Sch\u00e4rfe.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:34:55] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Wie lange l\u00e4uft das Projekt schon? Gibt es schon erste Ergebnisse oder sowas?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:35:00] Ulrich Herb:<br>Also, das Projekt l\u00e4uft seit, jetzt lass mich \u00fcberlegen. Das Projekt l\u00e4uft seit letztem Jahr. Genau. Seit letztem Jahr. Genau. Da hat es angefangen. Oder sogar Dezember 2024. Aber sagen wir mal 2025. Genau. Also das erste ist, wir haben so einen konzeptionellen Rahmen gemacht mit Literatureview. Wenn ich wir sage, meine Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, vor allem Ch\u00e9rifa und Fr\u00e9d\u00e9rique. Also so eine Untersuchung \u00fcber Open Washing, wie weit ist das \u00fcberhaupt schon Thema. Und das ist eigentlich kaum ein Thema, im Vergleich zu KI oder so. Das dominiert alles. Open Washing ist kaum ein Thema. Es geht eher auch so um diese, was viel mehr erw\u00e4hnt wird ist, Open Science macht die Welt aus sich heraus besser. Was wir ein bisschen kritisch sehen. Man muss sich nat\u00fcrlich bei dem Open Washing auch ein bisschen selbst infrage stellen. Dann haben wir diese Taxonomie der \u00fcber 500 Plattformen. Wir haben auch eine quantitative Analyse gemacht, mit welchen Begriffen, das geh\u00f6rt auch so ein bisschen zur Taxonomie, Akteure, Plattformen Openness f\u00fcr sich reklamieren. Ganz oben steht Creative Commons. Das hat jeder. Creative Commons machen wir mit ORCID aber irgendwie auch, was ja okay ist. PIDS, Crossref, GitHub, was wei\u00df ich. Also so eine Art Schlagwortliste. Wie versuchen Leute, sich in den Schein der Openness zu stellen?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:36:24] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:36:26] Ulrich Herb:<br>Und dann diese super qualitativen Pilotstudien mit Fokusgruppen, mit franz\u00f6sischen Forscherinnen und Forschern. Wie die halt wirklich in diesem Spannungsfeld agieren, wenn es um APCs geht, um SciHub geht und was wei\u00df ich. Zum Beispiel SciHub. Die sagen, das ist ein Tabu, eigentlich. Aber andererseits kennen sie es besser als die offiziellen Open Access Repositories. Ganz hervorragend. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:36:47] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Aber wenn Du jetzt zum Beispiel sagst, okay, Leute verwenden, ich sag mal so, Clownsschminke\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:36:53] Ulrich Herb:<br>[lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:36:54] Doreen Siegfried:<br>\u2026 bisschen SciHub hier. Oder ne, SciHub nicht, aber was wei\u00df ich. Bisschen Zenodo, bisschen GitHub, hm, hm, hm. Wo w\u00fcrdest Du denn sagen, wenn jemand von au\u00dfen kommt und dann noch nicht so richtig Erfahrung hat, gibt es da sowas wie Red Flags oder deutliche Signale, wo man sagt \u201eNaja, also wenn ich das sehe, dann muss ich gewarnt sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>[00:37:15] Ulrich Herb:<br>An sich ist es so, wenn Du, ja wenn Du jetzt eine absolute Amateurin bist oder absoluter Amateur bist, dann ist das relativ schwer. Also zum Beispiel ich w\u00fcrde sagen, eine vage oder unklare Lizenzangabe. Da musst Du schon mal wissen, was Creative Commons Lizenzen sind. Was ganz Einfaches ist, Du musst dich anmelden. Es ist eine Registrierung. Denn dann m\u00fcssen wir eigentlich schon sagen, naja, okay. Das Fehlen von PIDs, wenn irgendwo die Rede ist, das haben wir tats\u00e4chlich \u00f6fters gefunden, transparente Review. Aber es ist keine Open Review, was ist ja auch schon so ein bisschen hart an der Grenze ist. Man sagt nicht Open, aber transparent. Man bewegt sich so ein bisschen in diesem Schein. Kein TDM, obwohl wir sagen, wir sind offen. Ja, solche Sachen, w\u00fcrde ich sagen. Ja, genau. Alles andere erfordert schon ein bisschen mehr Hintergrundwissen, damit Du sehen kannst, diese Pr\u00e4registrierung ist nur ein Theater. Daf\u00fcr musst du schon ein bisschen wissen, wie Pr\u00e4registrierung in dem Fach aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:38:18] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay. Also es ist eigentlich nichts f\u00fcr Laien. Man muss sich schon\u2026 Man muss schon tats\u00e4chlich tief drinstecken in diesem ganzen Wissenschaftshandwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:38:24] Ulrich Herb:<br>Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:38:26] Doreen Siegfried:<br>Ja, damit man wei\u00df, wie es geht. Okay. Und gibt es da auch schon erste metawissenschaftliche Befunde? Die euch da begleiten oder die Du spannend findest, die man berichten kann?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:38:40] Ulrich Herb:<br>Also es gibt ja so Sachen, jetzt au\u00dferhalb von Projekten, \u00fcber die Verf\u00fcgbarkeit von Forschungsdaten oder die Nutzbarkeit von Forschungsdaten. Und das ist halt tats\u00e4chlich ersch\u00fctternd. Es gab eine Studie, da k\u00f6nnen wir auch verlinken in den Shownotes. Das waren, wenn ich mich richtig erinnere, waren das Psychologen. Die ist noch nicht so alt. Ist sogar noch recht aktuell, naja 2018. Und da waren von 111 Datens\u00e4tzen im Sample waren 68 gar nicht verf\u00fcgbar und nur 14 wirklich so mit Lizenzbedingungen und Dokumentation ausgestattet, dass Du die wirklich nachnutzen konntest. Das ist schon ziemlich mies. Und das ist eine Wissenschaft, die ja Open Science sehr, sehr wichtig nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:39:33] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja, das ist schon\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:39:34] Ulrich Herb:<br>Respekt vor den 14%, die es gemacht haben. Aber die anderen. Das ist nat\u00fcrlich so was&#8230; Naja, dann gab es noch eine Untersuchung, Medizin, 2022. Und da war es so, dass, ich wei\u00df nicht, wie gro\u00df das Sample war, war eine gr\u00f6\u00dfere Studie. Und da ging es um Studien, Publikationen mit Data Availability Statements. Und da gab es nur zu 7%, weniger als 7, ich glaube 6,5 wirklich nutzbare Daten. Das ist schon krass.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:40:07] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:40:08] Ulrich Herb:<br>Das ist, das ist Open Washing. Das ist jetzt tats\u00e4chlich im gravierenden Ausma\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:40:13] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja, ja, das stimmt. Aber noch mal zu Eurem ROR, also ROR\u00b2-Projekt. Open and Responsible Research \u00d7 Research on Research. Wie operationalisiert Ihr denn diesen Begriff Offenheit eigentlich, sodass man das irgendwie auch empirisch untersuchen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:40:31] Ulrich Herb:<br>Genau. Also auch das ist jetzt nichts, wo wir sagen w\u00fcrden, das ist so bin\u00e4r. Sondern wir orientieren uns erstmal an diesen vier Kriterien. Werden die eingehalten? Gibt es eine ordentliche Registrierung, Zuweisung von Urheberschaft usw.? Gibt es eine Validierung, also gibt es eine Peer Review? Wenn man sagt, das ist eine offene Peer Review: Ja, ist die auch offen? Gibt es Langzeitarchivierung? Ist Zugang gew\u00e4hrt und Auffindbarkeit? Und hat das Metadaten, hat das eine DOI, hat das eine CC-Lizenz? Und, also, wie gesagt, der Access ist nicht alles. Der muss auch wirklich direkt sein zum Beispiel. Das ist die Operationalisierung von Open Science. Und bei verantwortlicher Forschung, da bewegen wir uns halt, orientieren wir uns an der Existenz und der Aussage von Werten, Prinzipien, Kodizes oder Chartas, wie zum Beispiel gute wissenschaftliche Praxis. Also das schieben wir dann ab, quasi. Und dann gucken wir einfach, wie gut wird das eingehalten. Da machen wir uns einen schlanken Fu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:41:33] Doreen Siegfried:<br>Ja [lacht].<\/p>\n\n\n\n<p>[00:41:35] Doreen Siegfried:<br>Wenn wir jetzt sozusagen auf alles gucken, was Du jetzt \u00fcber die Jahre beobachtet hast, was Ihr jetzt in diesem Projekt gerade untersucht usw. usw. Was sagen denn diese L\u00fccken aus, die sozusagen zwischen einem gew\u00fcnschten Sollzustand sind und einem Istzustand \u00fcber den Zustand des Wissenschaftssystems?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:41:53] Ulrich Herb:<br>Je zuerstmal, dass das alles irgendwie nicht so recht zusammenpasst. Also dass irgendwas gefordert wird nat\u00fcrlich, was am Schluss nicht eingehalten werden kann. Dann sagt es nat\u00fcrlich auch was dar\u00fcber aus, dass es sehr, ja, Performanz-getrieben immer noch ist. Also zum einen ist das, wie gesagt, Du musst das machen, Du hast aber nicht die Ressourcen. Und das andere ist, es ist Performanz-getrieben. Also diese Evaluationslogik, die hast Du hier ja auch, ne? Also es gibt ja tats\u00e4chlich auch Metriken, gibt es ja ganze Projekte zum Beispiel PathOS oder so weiter. Da wird gerankt, wie viel Open Access machst du eigentlich? Und es ist in manchen Communities ist das nat\u00fcrlich ein Prestigeflug. Und das f\u00fchrt nat\u00fcrlich beides dazu, dass es so einen Konformit\u00e4tsdruck gibt, ohne es dann wirklich, ohne es dann wirklich zu machen. Und das ist halt dann aber nat\u00fcrlich die Frage: Wie bringst Du die Leute dazu, dass es nicht nur einen Evaluierungsmoment hat, in dem Du gut aussehen willst oder Du halt dem nachkommen musst, diesen Legitimationszwang hast, \u201eIch mache Open Access&#8220; und ohne Ressourcenwandel, -mangel. Das ist halt dann die Herausforderung. Also wie das zu l\u00f6sen, das ist das n\u00e4chste Ding. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:15] Doreen Siegfried:<br>Ja. Okay. Ja, Da sind wir wieder bei den Anreizen, ne?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:19] Ulrich Herb:<br>Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:19] Doreen Siegfried:<br>Okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:21] Ulrich Herb:<br>Genau. Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:22] Doreen Siegfried:<br>Hast du da ein Rezept? [lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:23] Ulrich Herb:<br>Ja, es ist\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:30] Doreen Siegfried:<br>Ich meine, es ist ein komplexes Thema. Ich hatte da vor einiger Zeit mit Mathijs Vleugel dr\u00fcber gesprochen \u00fcber CoARA.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:35] Ulrich Herb:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:36] Doreen Siegfried:<br>\u00dcber diese Diversifizierung der Anreize. Es ist ein ziemlich dickes Brett.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:43] Ulrich Herb:<br>Absolut. Also, weil das Ding ist, da zeigen die APOs nat\u00fcrlich auch so ein bisschen, ja, schon ein bisschen Heuchelei. Also zum einen zeigt es nat\u00fcrlich, \u201eWir wollen High Impact, auf der anderen Seite, \u201eWir wollen weg von Impact. Wir wollen alternative Metriken\u201c usw. Und dann machst du ja den Weg auf f\u00fcr hybriden Open Access, wo du irgendwie Open Access machst und trotzdem High Impact haben kannst. Aber an sich ist das schon so eine Sache, die man in Erw\u00e4gung ziehen sollte. Also andere Metriken oder vielf\u00e4ltigere Metrik. Und das, was aber fast wichtiger ist, ist, glaube ich, dass man so eine Koh\u00e4renz von Vorgaben, Richtlinien, Ethos und auch Ressourcen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:44:25] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:44:26] Ulrich Herb:<br>Also, das glaube ich auch. Also wenn Du das willst, dann musst Du das nicht nur auf dem Flyer drucken, sondern den Leuten auch die Zeit und die Infrastruktur geben, das zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:44:35] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:44:36] Ulrich Herb:<br>Also das auch beides, beides. Aber ich finde das zweite fast wichtiger.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:44:39] Doreen Siegfried:<br>Naja, okay. Wenn wir bei Anreizen sind und Belohnungen, kommt mir noch ein Gedanke zum Thema Belohnungsaufschub. Also, wir kennen ja vielleicht alle so ein bisschen dieses Stanford Marshmallows Experiment. Also, da gab es auch mal eine Werbung, glaube ich, mit einem \u00dcberraschungsei dazu, die darauf Bezug genommen haben. Also in diesem Experiment, da wurde Kindern eine S\u00fc\u00dfigkeit angeboten, wenn sie auf eine Belohnung warten. Und wenn sie nicht warten, k\u00f6nnen sie es gleich nehmen. So. Dann gab es unterschiedliche Kinder. Die einen haben kurz gewartet und durften dann zwei Marshmallows nehmen usw. Die Frage, die sich mir stellt, das Timing von Belohnung in der Wissenschaft spielt das eine Rolle? Also wenn die eigentliche, ich sag mal, die gr\u00f6\u00dfere Belohnung, so was wie die Nachnutzung oder eine Zitation oder vielleicht eine gute Replikation, wenn das sozusagen erst nach Jahren kommt und der Hinweis auf Offenheit, den kann ich aber gleich setzen. Also diese kleine Clownsschminke, wie ich es mal nennen m\u00f6chte. Also ist Timing da relevant? Oder kann man jetzt Wissenschaftler nun wahrlich nicht mit Kindern vergleichen?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:45:54] Ulrich Herb:<br>Oh doch. Auf jeden Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:45:56]<br>[beide lachen]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:45:58] Ulrich Herb:<br>Also ja, ich finde, das trifft schon zu. Aber auch ganz losgel\u00f6st von diesem Beispiel Openness. Es ist ja so, also ich publiziere im High-Impact-Journal. Dann habe ich sofort den ersten Push: \u201ePubliziert im AAA-Journal\u201c. Und die Zinsen, die Zitationen, die kommen von selbst, weil ich bin im AAA-Journal. Sie werden auch sicher und ohne weiteren Aufwand werden die mir gutgeschrieben. Die kommen automatisch, ich muss nichts mehr machen. So. Open Access. Okay, gibt es auch die Verbindung, aber, ich finde, die ist loser. Also ich publiziere Open Access, weil meine Community das will, mein Funder will. Gut. Okay. Compliance. Haken dran, wie gesagt. Aber die Zinsen, kommen die wirklich? Also im High-Impact-Journal kriege ich auf jeden Fall die Zinsen, in Zitationen. Aber hier? Kriege ich die wirklich? Und wenn ich sie kriege durch Nachnutzung, Replikation, Zitationen, Datenzitationen, dann muss ich daf\u00fcr noch was machen. Die anderen Zinsen kommen einfach so. Also bei der Publikation bei High-Impact-Journals muss ich nichts mehr machen. Aber jetzt muss ich noch dokumentieren und muss ich dies und das. Und vorher muss ich pr\u00e4registrieren und, und, und, und, und. Also die Zinsen kommen mit gr\u00f6\u00dferem Zeitverzug und du kannst nicht sicher sein, dass sie kommen. Aber deswegen bin ich auch so mit Belohnungen&#8230; Ich bin auch was diese Metriken rund um Open-Science-Output, wie viel Open Science auch belohnt wird, da bin ich echt skeptisch, ne? Also zum einen ist Offenheit, das ist ja auch was, was wir in ROR 2, ROR\u00b2 so ein bisschen herausarbeiten, ist Offenheit nicht Qualit\u00e4t. Also das ist einfach so. Genauso wenig wie der Journal Impact Factor Qualit\u00e4t ist. Zum anderen, wenn wir sagen, wer viel Open Science macht, wird belohnt, dann haben wir das gleiche Problem dieser Performance betriebenen Tonnenideologie, wie wir es schon immer hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:47:40] Doreen Siegfried:<br>Ja, ja, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:47:41] Ulrich Herb:<br>Und deswegen bin ich da auch ein bisschen skeptisch, ne. Also. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:47:44] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay, Wir kommen mal so langsam zum Ende. Also, jetzt habe ich noch eine ganz gro\u00dfe Frage. N\u00e4mlich: Welche Rolle k\u00f6nnen denn Bibliotheken und Infrastruktureinrichtungen in diesem Kontext spielen? K\u00f6nnen die da irgendwas regulieren? K\u00f6nnen die irgendwie supporten? K\u00f6nnen die aufkl\u00e4ren? Oder wo w\u00fcrdest Du sagen, wo ist da tats\u00e4chlich deren Rolle?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:48:08] Ulrich Herb:<br>Ja, also ich schick die in relativ viele Rollen, ne? Also das erste ist, ich bin auch&#8230; Ich hatte mal in einem Forschungsprojekt mit Retractions zu tun und kam zu ersch\u00fctternden Ergebnissen. Zum Beispiel werden Retractions auch ganz schlecht in Repositories nachnutzbar, weil die Sachen sind retracted und in Repositories liegen die Sachen immer noch und werden als valide Forschung dort verkauft. Das ist ganz schlecht. Das ist etwas sehr Kleinteiliges, aber ich finde, damit kann man sagen, \u201eWir nehmen das ernst&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:48:38] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:48:39] Ulrich Herb:<br>So. Das andere ist nat\u00fcrlich, wenn man selbst einen Publikationsservice anbietet, dann muss man alles raushauen. Also PIDs, DOIs, ORCID, ROR. Alles. Alles M\u00f6gliche. Und dann\u2026 Wir haben uns in dem Projekt auch dar\u00fcber unterhalten, diese Taxonomie, die super interessant ist, ob die au\u00dfer zu einem akademischen Zweck zu noch was n\u00fctzlich ist. Und ich finde, das ist sowas, was Bibliotheken auch nutzen k\u00f6nnen, um Plattformen zu bewerten, Plattformen zu empfehlen ihren Leuten und zu sagen: \u201eOkay, hier steht nicht nur Open Science drin, da kriegt Ihr Open Science\u201c oder \u201ehier ist es eher so Imitation\u201c. Und nat\u00fcrlich auch am Ende, wenn Du als Bibliothek sagst, wir unterst\u00fctzen irgendwie konsortiale Open-Access-Angebote, dass Du sagen kannst: \u201eOkay, hier die, laut dieser Taxonomie &#8211; wir haben, was wei\u00df ich, 2.000 \u20ac, die wollen wir ausgeben. Jetzt gucken wir einfach in der Taxonomie, wer ist echt ein Open-Science-Champion bei den Plattformen und wer ist vielleicht eher so Euroleague und dann&#8230; Die kriegen das Geld. Das w\u00e4ren solchen Sachen und nat\u00fcrlich Schulung, Schulung, Schulung, das ist klar. Ja, genau. Also vor allem, da sehe ich die Sachen. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:49:48] Doreen Siegfried:<br>Ja, Okay. Ja, das mit den Retractions, das war auch ein Thema in dem Podcast mit Jasmin Schmitz zu Paper Mills.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:49:56] Ulrich Herb:<br>Ah, okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:49:57] Doreen Siegfried:<br>Also, liebe Zuh\u00f6rer:innen, h\u00f6ren Sie da noch mal rein. Auch ganz interessant. Wenn Du Dir jetzt zum Ende konkrete Ver\u00e4nderungen w\u00fcnschen k\u00f6nntest in diesem Kontext, welche w\u00e4ren das?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:50:08] Ulrich Herb:<br>Ja. Sehr, sehr guter Punkt. Also das Problem ist ja, es ist dass die Anforderungen und die Praktiken und Mechanismen nicht drauf passen. Aber die erste \u00c4nderung, das w\u00e4re f\u00fcr mich wichtig, dass man nicht automatisch sagt \u201eJa, Open Washing, das machen die Verlage.\u201c Also wir m\u00fcssen am Schluss alle gucken, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Verlage, wenn sie wollen. Die haben das strategischste Interesse. Die m\u00fcssen die Strategie neu ausrichten. Aber auch Bibliotheken, Infrastruktureinrichtungen. Alle m\u00fcssen sehen, wie gut halten sie ihre Versprechen echt ein. Also auch Bibliotheken claimen Openness ja zum Teil wesentlich mehr, als dass sie das real machen. Auch das muss keine b\u00f6se Absicht sein, sondern kann auch aus dieser Mischung aus Zwang, Compliance, Wunsch, Ethos, Mangel an Ressourcen passieren. Was ich ganz schlimm finde, man propagiert als Hochschule Open Science, aber Promovierten &#8211; also man hat gerade seine Promotion hinter sich &#8211; ist der Einblick in die Gutachten an wahnsinnig vielen Unis nur unter strengen Auflagen m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:51:17] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:51:18] Ulrich Herb:<br>Innerhalb von ein paar Monaten nach Erhalt des Doktortitels. Ohne die M\u00f6glichkeit Stift, Kamera, Smartphone, Block mitzunehmen, damit Du blo\u00df nichts\u2026 Das ist so krass Anti-Open-Science, das gibt es gar nicht. Also, sagen wir mal, am Ende w\u00e4re es einfach hilfreich, wenn alle sich ein bisschen ehrlich machen. Und klar definieren, welche Aspekte man von Offenheit umsetzt und welche nicht. Das w\u00fcrde viel Konfusion, Diffusion vermeiden, Transparenz schaffen. Ohne dass man gleich in so ein \u00dcberbietungswettbewerb reingeht: \u201eWir sind mehr Open als Du.&#8220; Davon muss man auch wegkommen. Jetzt nur zum Beispiel: Infrastruktureinrichtungen sagen ja auch immer: \u201eWir sind die Guten in Sachen Open Science\u201c. Aber wenn ich jetzt gucke, viele nichtkommerzielle Diamond Open Access Journals vergeben keine PIDs, sie bieten keine maschinenlesbaren Lizenzinformationen, sagen aber \u201eEy, wir machen den guten Open Access.&#8220; An ihre Ehrlichkeit glaube ich, okay. Wenn Du sagst, \u201eWir sind an den Punkten echt gut, compliant. Aber hier nicht\u201c. Jetzt \u00fcberlegt Wissenschaftlerin und Wissenschaftler, ob Ihr bei uns echt publizieren wollt. Wo man das nicht tut und sagt: \u201eWir sind voll Open Access. Wir sind voll Open Science.\u201c und dann h\u00e4lt man mit Frontiers und MDPI auf dem Level schon nicht mit, dann schadet man sich am Ende selbst. Und deswegen finde ich das alles ein bisschen schwierig und ich glaube, man sollte sich einfach ehrlich machen. Was macht man? Was sagt man, was man macht? Und was macht man echt? Und dann entweder die Aussagen an die Realit\u00e4t anpassen oder die Realit\u00e4t an die Aussagen anpassen. Also sich ehrlich machen, nicht nur Versprechen halten. Druck ist cheap. Openness ist meistens nicht cheap.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:53:01] Doreen Siegfried:<br>Ja. Okay. Wunderbar. Okay. Also, dann w\u00fcrde ich sagen. Vielen Dank, lieber Uli. Vielen Dank auch an Sie an den Kopfh\u00f6rern. Ich hoffe, Sie hatten hilfreiche Erkenntnisse. Und ein neues Feld hat sich Ihnen er\u00f6ffnet. Ich hoffe nat\u00fcrlich auch, es hat Ihnen gefallen. Lassen Sie uns gerne Lob oder Kritik da, sei es per E-Mail, Mastodon, YouTube oder LinkedIn. Und wir freuen uns nat\u00fcrlich auch, wenn Sie uns abonnieren. Und hier noch mal der Hinweis auf zwei Folgen, die ich erw\u00e4hnt hatte: Mathijs Vleugel zu CoARA und Dr. Jasmin Schmitz zu Paper Mills. Und ich freue mich aufs n\u00e4chste Mal.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"tags":[4,150,5,8,87,238,148,241,240,242,239,11,33,55,12],"class_list":["post-691","podcast","type-podcast","status-publish","hentry","tag-leibniz","tag-offenheit","tag-open-access","tag-open-science","tag-open-source","tag-open-washing","tag-openness","tag-praeregistrierung","tag-publishing","tag-retractions","tag-ulrich-herb","tag-wirtschaftswissenschaften","tag-wissenschaft","tag-wissenschaftssystem","tag-zbw","post"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.0 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Open Washing: Randph\u00e4nomen oder g\u00e4ngige Praxis?<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Open Washing: Was ist das eigentlich und woran erkenne ich es? 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