{"id":25,"date":"2021-02-17T13:19:36","date_gmt":"2021-02-17T12:19:36","guid":{"rendered":"9d1d0891-f6e4-4684-b8b8-32046b913c67"},"modified":"2026-01-15T11:12:47","modified_gmt":"2026-01-15T10:12:47","slug":"fos-05-scientific-impact","status":"publish","type":"podcast","link":"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2021\/02\/17\/fos-05-scientific-impact\/","title":{"rendered":"FOS 05 Scientific Impact"},"content":{"rendered":"\n    <div class=\"pwp4-wrapper intrinsic-ignore\" id=\"podlovewebplayer_74a47ecbf683bd9a215991fbe9f3638f7e24e9fb\" data-episode=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2021\/02\/17\/fos-05-scientific-impact\/?podlove_action=pwp4_config\"><audio controls=\"controls\" preload=\"none\">\n  <source src=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/podlove\/file\/13\/s\/webplayer\/c\/website\/fos_05.mp3\" type=\"audio\/mpeg\"\/>\n<\/audio><\/div>\n  \n  \n\n    \n\n\t<div class=\"podlove-contributors-cards\">\n\t\t\t<\/div>\n\n\t<style>\n\t\t.podlove-contributors-cards {\n\t\t\tmargin-bottom: 1rem;\n\t\t\tbackground: white;\n\t\t\toverflow: hidden;\n\t\t\tborder-radius: 0.375rem;\n\t\t\tbox-shadow: 0 1px 3px 0 rgba(0, 0, 0, 0.1), 0 1px 2px 0 rgba(0, 0, 0, 0.06);\n\t\t}\n\t\t.podlove-contributors-card {\n\t\t\tdisplay: flex;\n\t\t\talign-items: center;\n\t\t\tpadding: 1rem 1.5rem\n\t\t}\n\t\t.podlove-contributors-card-inner {\n\t\t\tdisplay: flex;\n\t\t\talign-items: center;\n\t\t\tflex: 1 1 0;\n\t\t\tmin-width: 0;\n\t\t}\n\t\t.podlove-contributors-card-avatar {\n\t\t\twidth: 50px;\n\t\t\theight: 50px;\n\t\t\tborder-radius: 0.25rem;\n\t\t\toverflow: hidden;\n\t\t\tflex-shrink: 0;\n\t\t}\n\t\t.podlove-contributors-card-person {\n\t\t\tflex: 1 1 0;\n\t\t\tmin-width: 0;\n\t\t\tpadding: 0 1rem;\n\t\t\tdisplay: grid;\n\t\t\tgrid-template-columns: repeat(2, minmax(0, 1fr));\n\t\t\tgap: 1rem;\n\t\t}\n\t\t.podlove-contributors-card-person-details {\n\t\t\tcolor: #999\n\t\t}\n\t\t.podlove-contributors-card-services {\n\t\t\tflex-wrap: wrap;\n\t\t\tdisplay: flex;\n\t\t\talign-items: center;\n\t\t\talign-content: center;\n\t\t\tjustify-content: flex-end;\n\t\t}\n\t\t.podlove-contributors-card-services-service {\n\t\t\tdisplay: inline-block;\n\t\t\tflex-shrink: 0;\n\t\t\tpadding-left: 0.5rem;\n\t\t\ttext-decoration: none;\n\t\t\tbox-shadow: none;\n\t\t}\n\t<\/style>\n\n\n\n\n\n\n<div class=\"zbw_shownotes\">\n\n\n\n<p>LINKS UND HINTERGR\u00dcNDE:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.rwi-essen.de\/forschung-und-beratung\/klimawandel-in-entwicklungslaendern\/ueberblick\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FG Klimawandel in Entwicklungsl\u00e4ndern am RWI<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/sdgs.un.org\/goals\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sustainable Development Goals<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosbiology\/article?id=10.1371\/journal.pbio.1002106\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">The Extent and Consequences of P-Hacking in Science<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/www.journalofaltmetrics.org\/articles\/10.29024\/joa.21\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">What Is Societal Impact and Where Do Altmetrics Fit into the Equation?<\/a><\/p>\n\n\n\n<\/div>\n\n\n\n<div data-wp-context=\"{ &quot;autoclose&quot;: false, &quot;accordionItems&quot;: [] }\" data-wp-interactive=\"core\/accordion\" role=\"group\" class=\"wp-block-accordion is-layout-flow wp-block-accordion-is-layout-flow\">\n<div data-wp-class--is-open=\"state.isOpen\" data-wp-context=\"{ &quot;id&quot;: &quot;accordion-item-1&quot;, &quot;openByDefault&quot;: false }\" data-wp-init=\"callbacks.initAccordionItems\" data-wp-on-window--hashchange=\"callbacks.hashChange\" class=\"wp-block-accordion-item is-layout-flow wp-block-accordion-item-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-accordion-heading has-small-font-size\"><button aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"accordion-item-1-panel\" data-wp-bind--aria-expanded=\"state.isOpen\" data-wp-on--click=\"actions.toggle\" data-wp-on--keydown=\"actions.handleKeyDown\" id=\"accordion-item-1\" class=\"wp-block-accordion-heading__toggle\"><span class=\"wp-block-accordion-heading__toggle-title\">Episode 05 als Text<\/span><span class=\"wp-block-accordion-heading__toggle-icon\" aria-hidden=\"true\">+<\/span><\/button><\/h3>\n\n\n\n<div inert aria-labelledby=\"accordion-item-1\" data-wp-bind--inert=\"!state.isOpen\" id=\"accordion-item-1-panel\" role=\"region\" class=\"wp-block-accordion-panel is-layout-flow wp-block-accordion-panel-is-layout-flow\">\n<p>The Future is Open Science \u2013 Folge 5: Scientific Impact<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Doreen Siegfried<br>Leitung Marketing und Public Relations, ZBW \u2013 Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. J\u00f6rg Peters<br>Leitung Forschungsgruppe Klimawandel in Entwicklungsl\u00e4ndern, RWI \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung<\/p>\n\n\n\n<p>[00:00:03-0] Doreen Siegfried: Willkommen bei \u201eThe Future is Open Science\u201c, dem Podcast der ZBW. Hier verraten Ihnen interessante Menschen aus dem Wissenschaftsbetrieb, wie sie in ihrer t\u00e4glichen Arbeit Open Science voranbringen. Wir tauchen ein in die Tiefen der Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter und verraten Ihnen handfeste Tipps und Tricks zu Open Science in der Praxis. Ich bin Doreen Siegfried und freue mich sehr, Host dieses Podcast zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:00:33-0] Doreen Siegfried: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von \u201eThe Future is Open Science\u201c, dem Podcast der ZBW. Ich freue mich, dass Sie wieder eingeschaltet haben. Wir reden heute hier \u00fcber Forschungstransparenz, \u00fcber den Societal Impact und nichts Kleineres, als die gesellschaftliche Verantwortung von \u00d6konominnen und \u00d6konomen. Dazu habe ich mir heute Professor Doktor J\u00f6rg Peters eingeladen. J\u00f6rg Peters ist Volkswirt am RWI, am Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung in Essen. Kurz zu seiner Person: er leitet die Forschungsgruppe Klimawandel in Entwicklungsl\u00e4ndern. Er ist Professor an der Universit\u00e4t Passau und seine Forschungsschwerpunkte sind Umwelt, Energie und Entwicklungs\u00f6konomik. Und neben seiner Forschung ber\u00e4t er auch internationale Organisationen, wie beispielsweise die Weltbank, die Millennium Challenge Corporation oder die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Ich freue mich, dass wir heute hier digital uns gegen\u00fcbersitzen. Herzlich willkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:01:47-6] J\u00f6rg Peters: Guten Morgen. Ich freue mich auch, hallo.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:01:51-3] Doreen Siegfried: Wir wollen heute ganz gro\u00dfe Fragen besprechen und deshalb wollen wir auch nicht klein einsteigen. Meine erste Frage w\u00e4re, warum sind Sie \u00d6konom geworden? Was ist ihre Passion?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:05-6] J\u00f6rg Peters: [lacht] Ja, das ist in der Tat eine gro\u00dfe, gro\u00dfe Einstiegsfrage. Aber auch eine berechtigte. Also, ich glaube, weil ich auch in fr\u00fcheren und j\u00fcngeren Jahren, genau wie heute, ein politischer Mensch war, der ich eben immer noch bin. Und in diesem Sinne war ich immer daran interessiert, die Zusammenh\u00e4nge der Gesellschaft besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:30-0] Doreen Siegfried: Ja, okay. Und spielen f\u00fcr Ihre Arbeit auch oder f\u00fcr Ihre Themenfindung\u2026 Also, wenn Sie sagen, Sie sind in der Forschungsgruppe Klimawandel in Entwicklungsl\u00e4ndern unterwegs, spielen da auch die Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung eine Rolle? Orientieren Sie sich daran so ein bisschen oder ist das weniger der Fall?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:52-4] J\u00f6rg Peters: Die Sustainable Development Goals?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:54-9] Doreen Siegfried: Ja, genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:02:58-3] J\u00f6rg Peters: Ja, nat\u00fcrlich. Also ich, ich denke da jetzt nicht Tag und Nacht dar\u00fcber nach. Aber nat\u00fcrlich tauchen die sehr h\u00e4ufig in unserer Arbeit auf. Das Ziel ist ja, mehr oder weniger, die Politik sehr, sehr generell zu orientieren und das im Prinzip normativ zu verankern. Das ist auch eine Idee, die ich, die ich gut finde. Also wenn man beispielsweise einen Hauptteil meiner Arbeit nimmt, n\u00e4mlich unsere Forschung zum Zugang zu moderner Energie im globalen S\u00fcden und vor allem in Afrika. Das ist ja eines der SDGs. Nummer sieben, wenn ich mich nicht irre. Und das k\u00f6nnen Sie mal als Beispiel nehmen. Da kann man jetzt lange diskutieren, ob es betriebswirtschaftlich oder \u00f6konomisch sinnvoll ist, ein entfernt liegendes Dorf im l\u00e4ndlichen Afrika ans Stromnetz anzuschlie\u00dfen oder mit einer solaren Dorfstromanlage zu versorgen. Man kann aber auch einfach sagen, dass das so sein soll, normativ. Das tun die SDGs oder das tut in dem Fall das SDG Nummer sieben. Und das, das denke ich, ist eine gute Idee, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:08-9] Doreen Siegfried: Okay. Und wenn Sie jetzt forschend unterwegs sind als \u00d6konom, sehen Sie sich so ein bisschen auch als Diener der Gesellschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:22-7] Doreen Siegfried: [lacht] Oder wo sehen Sie Ihre Rolle?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:23-7] J\u00f6rg Peters: Also ich, alleine schon durch meine und unsere Finanzierung, n\u00e4mlich durch die Steuerzahler:innen, bin ich sicherlich im Dienst der Gesellschaft. Aber ich w\u00fcrde wahrscheinlich nicht die Formulierung \u201eDiener der Gesellschaft\u201c nehmen, so von meinem Charakter her. Aber nichtsdestotrotz, die Idee der Aussage w\u00fcrde ich wahrscheinlich unterschreiben. Ja. Nat\u00fcrlich, wir sind dem Steuerzahler und der Steuerzahlerin verantwortlich. Wir m\u00fcssen mit dem, mit der luxuri\u00f6sen Situation, in der wir sind, n\u00e4mlich, unseren Alltag damit verbringen zu d\u00fcrfen, Dinge zu erforschen, m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich sehr verantwortungsbewusst umgehen. In diesem Sinne, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:04:56-7] Doreen Siegfried: Und was hei\u00dft dann f\u00fcr Sie verantwortungsbewusst?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:00-7] J\u00f6rg Peters: Hm. Naja, ganz pathetisch gesagt, der Erkenntnisgewinn sollte \u00fcber dem pers\u00f6nlichen Interesse stehen. Und konkreter w\u00fcrde ich das jetzt so interpretieren, dass ich es f\u00fcr meinen oder unseren Auftrag halte, zu gesellschaftlich relevanten Fragen zu forschen und dann m\u00f6glichst eben, m\u00f6glichst objektiv oder integer, ganz allgemein gesagt. Und dann eben auch die Ergebnisse wiederum m\u00f6glichst objektiv zu interpretieren und an die Gesellschaft zu kommunizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:41-4] Doreen Siegfried: Und welche Rolle spielt jetzt neben dem gesellschaftlich, ah ne, neben dem akademischen Impact, welche Bedeutung spielt f\u00fcr Sie der gesellschaftliche Impact?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:05:53-6] Doreen Siegfried: Also, wie gro\u00df ist da Ihre Antriebsfeder? Mal so gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:06:01-5] J\u00f6rg Peters: Ja, ich denke, darum geht es. Darum geht es mir, darum geht es den allermeisten Wissenschaftler:innen, denke ich, und speziell \u00d6konom:innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alltag ist es nat\u00fcrlich jetzt nicht so, dass ich jeden Morgen aufstehe und mir sage, beim Z\u00e4hneputzen, heute ver\u00e4ndere ich die Gesellschaft. Aber nat\u00fcrlich ist das, ist, das, was uns sicherlich antreibt, ja. Und wenn wir Forschungsprojekte planen und durchf\u00fchren. Ja, und das sind eben im Alltag dann nat\u00fcrlich ganz andere Aufgaben, Schritte und oft m\u00fchsame Arbeit, sagen wir. Und nat\u00fcrlich, das tun wir mit dem Ziel, mit dem Ziel auf eben beschriebene Art der Gesellschaft hoffentlich etwas zur\u00fcckzugeben von dem, was sie uns gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:06:44-2] Doreen Siegfried: Und w\u00fcrden Sie sagen, diesen societal Impact oder gesellschaftlichen Impact kann man messen? Und wenn ja, wie?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:06:55-9] J\u00f6rg Peters: Ja, es ist eine sehr gute Frage. Die stellen wir uns auch immer wieder mal. Jetzt beispielsweise am RWI in Strategieprozessen. Und nat\u00fcrlich wollen wir, wollen wir Einfluss auf die, im positiven Sinne, Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Durch unsere Forschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das versucht man nat\u00fcrlich irgendwie auch zu erfassen. Aber das ist nat\u00fcrlich nicht objektiv oder endg\u00fcltig m\u00f6glich. Was man tun kann, ist oder wahrscheinlich der der einfachste und auch am h\u00e4ufigsten genutzte Indikator in unserer in unserem Berufsfeld, sind wahrscheinlich Publikationen zun\u00e4chst mal. Und dann deren Zitationen, also ob die gelesen werden und schlie\u00dflich auch dann wiederum von anderen Wissenschaftler:innen oder auch anderen Institutionen der Gesellschaft rezipiert werden. Also zitiert werden, rezipiert werden. Das ist wahrscheinlich noch das, ja, wenn man so will, die beste Indikation, ob das, was man tut, irgendwie wahrgenommen wird. Ob es dann Ver\u00e4nderungen nach sich zieht, das, das w\u00fcrde ich jetzt sagen, ist nicht m\u00f6glich zu messen. Muss aber auch nicht unbedingt sein. Also ich denke, wenn wir geh\u00f6rt werden als Wissenschaftler:innen, dann ist bereits viel erreicht. Und nat\u00fcrlich dann kommen ja auch Prozesse, politische Prozesse, die die von vielmehr geleitet sind und auch sein sollen, als vom Input der Wirtschaftswissenschaftler oder auch wirklich generell der Wissenschaftler:innen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:08:26-2] Doreen Siegfried: Das hei\u00dft, wenn Sie so auf Zitationen gucken, jetzt seitens der Gesellschaft, sind das dann Erw\u00e4hnungen in Tagesmedien, Tagespresse, Blogs, Social Media so was in der Art?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:08:41-2] J\u00f6rg Peters: Genau das, das w\u00e4re eine Art, dar\u00fcber nachzudenken. Eine andere, etwas akademischere ist, eben auf die Zitationen zu schauen. Welche anderen wissenschaftlichen Arbeiten zitieren einen. Oder eben auch, welche Ver\u00f6ffentlichungen von politischen Organisationen zitieren unsere Arbeit. So kann man auf unterschiedliche Art draufschauen. Aber sicherlich, wenn man jetzt im engeren Sinne an die Gesellschaft denkt, dann ist wahrscheinlich sogar das, was Sie gerade sagten, das Naheliegendste. N\u00e4mlich, wie, ob und wie wird unsere Arbeit medial rezipiert?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:09:16-9] Doreen Siegfried: Also au\u00dferhalb des Wissenschaftsbetriebes sozusagen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:09:19-9] J\u00f6rg Peters: Genau. Wobei das eben auch kein Selbstzweck sein darf. Also, es wird bisweilen kritisiert, wie wir, und nicht ganz zu unrecht denke ich, wie wir Wissenschaftler unsere Arbeit kommunizieren. Und das wir dabei eben zu sehr darauf, sagen wir, aus sind, dass uns die Medien dann auch zitieren. Was zum Beispiel dazu f\u00fchrt, dass, sagen wir, Probleme von Studien oder Einschr\u00e4nkungen bei Studienergebnissen wom\u00f6glich nicht transparent genug kommuniziert werden. Insofern muss man das auch ein bisschen kritisch wieder hinterfragen. Aber erstmal als Indikator ist das sicherlich legitim, wenn man es dann nicht \u00fcbertreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:10:05-0] Doreen Siegfried: Ja, okay. Ja, das ist klar. Und nochmal zu der Ausgangsfrage. Also mich interessiert ja vor allem, was Sie jetzt in Ihrer Rolle als Volkswirt, als \u00d6konom, der sich mit den gro\u00dfen Themen Umwelt, Energie, Entwicklungs\u00f6konomie besch\u00e4ftigt, was Sie antreibt und wo Sie eventuell vielleicht auch noch M\u00f6glichkeiten sehen oder Verbesserungsideen. Also wenn Sie jetzt gucken, das, was Sie, wenn Sie sagen, Sie stehen zwar nicht jeden Tag auf, wenn beim Z\u00e4hneputzen und denken, heute will ich die Welt verbessern. Aber vielleicht doch ab und zu mal. Funktioniert das Wissenschaftssystem schon in Ihren Augen perfekt, um genau diesen Auftrag zu erf\u00fcllen?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:10:55-7] J\u00f6rg Peters: Nein.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:10:55-9] Doreen Siegfried: [lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[00:10:59-1] J\u00f6rg Peters: Die Formulierung kann ich\u2026Also perfekt funktioniert es mit Sicherheit nicht. Und jetzt Ihre n\u00e4chste Frage ist dann wahrscheinlich: \u201eWie gut funktioniert\u2018s denn?\u201c. Und das ist dann letztlich ja eine empirische Frage. Also dar\u00fcber muss man sich dann Gedanken machen hinsichtlich wie, im Prinzip, wie gut, wie robust, wie belastbar sind die Ergebnisse, die wir produzieren. Ja. Also, oder anders formuliert, liegt, l\u00e4ge die Politik, w\u00fcrde sie sich nach unseren Ergebnissen richten, richtig? Ja und da hab\u2018 ich jetzt habe ich doch erhebliche Zweifel, wenn ich an die Wirtschaftswissenschaften denken. Die Debatte gibt es auch in anderen Disziplinen. Aber wir bleiben jetzt wahrscheinlich hier bei unseren Leisten oder bei meinen Leisten, n\u00e4mlich den Wirtschaftswissenschaften. Und ja und da gibt es erhebliche Zweifel daran, inwiefern das System insgesamt wirklich, ja belastbare Ergebnisse produziert, die wirklich auch quasi in der Realit\u00e4t halten. Sagen wir mal.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:12:12-0] Doreen Siegfried: Und k\u00f6nnen Sie das noch ein bisschen ausf\u00fchren? Also jetzt nicht alle, die das jetzt vielleicht h\u00f6ren, sind jetzt so in den Wissenschaftsbetrieb eingetaucht, dass sie genau wissen, was Sie jetzt andeuten. Eventuell.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:12:24-7] J\u00f6rg Peters: Ja. Absolut, ja. Ich sollte das sogar ausf\u00fchren. Also, es geht da letztlich um die Frage, wie der Wissenschaftsbetrieb funktioniert und was er dann publiziert, also hervorbringt. Und dabei k\u00f6nnen eben verschiedene Dinge falsch laufen, um es mal jetzt ganz vereinfacht zu sagen. Wom\u00f6glich geraten nicht die richtigen Ergebnisse an die \u00d6ffentlichkeit in Publikationsprozessen und wahrscheinlich m\u00fcssen wir da jetzt ein bisschen ausholen. Also der Publikationsprozess ist ja zun\u00e4chst mal extrem wichtig f\u00fcr uns. Daran werden Karrieren entschieden, insbesondere auch in den Wirtschaftswissenschaften. Also wie viel ich publiziere und wie hoch, also in, je reputierter die Zeitschrift ist, in der ich ver\u00f6ffentliche, desto besser, et cetera. So und \u00fcber die Entscheidung, ob etwas publiziert wird oder nicht, trifft letztlich ein:e Herausgeber:in bei einer Fachzeitschrift, unterst\u00fctzt von den sogenannten Peer Reviewern, also Gutachter:innen. Die dann anonymerweise meine Arbeit, aber eben auch die von anderen Leuten nat\u00fcrlich, bewerten. Ja. So, und in diesem Prozess, daf\u00fcr gibt es inzwischen starke Anzeichen, sagen wir, in diesem Prozess setzen sich nicht unbedingt die richtigen Ergebnisse durch.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:14:01-3] Doreen Siegfried: Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:14:02-3] J\u00f6rg Peters: So, das kann unterschiedliche Ursachen haben. Beispielsweise weil die Herausgeber:in oder weil die Peer Reviewer spektakul\u00e4re Ergebnisse interessanter finden, als weniger spektakul\u00e4re f\u00fcr ihre Fachzeitschrift. Aber auch, weil ich als Forschender wom\u00f6glich wei\u00df, was die Gutachter:innen interessant finden. Und entsprechend ja, ich habe auf unterschiedliche Art Einfluss auf die Ergebnisse, sagen wir mal. Und die kann ich so aus\u00fcben, dass es spektakul\u00e4rer wird oder aussieht, spektakul\u00e4rer aussieht, das ist der Punkt. Es ist nicht spektakul\u00e4rer, sondern es sieht so aus. Und nun diese Prozesse nennt man Publication Bias oder P-Hacking, das sind so die Stichw\u00f6rter. Und es mehren sich die Anzeichen daf\u00fcr in unserer Profession, dass das doch sehr systematisch passiert. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:15:05-9] Doreen Siegfried: Ja. Okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:15:10-4] Doreen Siegfried: Und was w\u00e4re Ihr Vorschlag? Wie k\u00f6nnte, was k\u00f6nnte man machen? Ich meine, wenn Sie sagen, dass Politik gegebenenfalls auf nicht ganz so korrekten Ergebnissen basiert, ist es ja ein ziemlicher, wie soll ich sagen, ein ziemlicher Schaden, der da entstehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:15:32-1] J\u00f6rg Peters: Absolut. Der Schaden dessen\u2026 Also, die Frage ist zun\u00e4chst mal, wie gro\u00df ist das Problem, dass ich vorhin beschrieben habe. Da herrscht jetzt keine komplette Einigkeit. Das werden andere Leute anders einsch\u00e4tzen als ich. Und die Empirie dazu wiederum ist auch nicht sonnenklar, dass das klar ist. Aber sofern das in betr\u00e4chtlichem Ausma\u00df stattfindet, ist der Schaden enorm, nat\u00fcrlich. Ja, absolut. So, jetzt muss man vielleicht kurz eine weitere Unterscheidung machen. Das eine, das was ich vorhin beschrieben habe, ist so der Publikationsprozess innerhalb der Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn nun, beispielsweise in Deutschland, \u00d6konomen und \u00d6konominnen ein Gutachten erstellen f\u00fcr ein Ministerium, f\u00fcr die Regierung oder wen auch immer, dann ist das nat\u00fcrlich nicht unbedingt von den gleichen Problemen beeinflusst wie das, was wir gerade eben besprochen haben. Die direkte, sagen wir mal, Arbeit der Politikberatung unterliegt dem jetzt nicht so sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:16:35-2] Doreen Siegfried: Okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:16:35-3] J\u00f6rg Peters: Da kommen wom\u00f6glich andere Probleme ins Spiel, \u00fcber die wir auch gern sprechen k\u00f6nnen, aber erst einmal diese klassischen Probleme innerhalb der Wissenschaft haben nicht direkt Auswirkungen auf die Politikberatung. Aber es ist trotzdem so, dass sich innerhalb, also auch innerhalb der Wirtschaftswissenschaften, sozusagen, die Qualit\u00e4t von Forschung und die Qualit\u00e4t von Forschenden wird sortiert, sagen wir, anhand dieses Publikationsprozesses, das definitiv. Also insofern hat es mindestens indirekten Einfluss darauf. Aber auch f\u00fcr sich genommen. Also, es ist ja auch das Ziel des Publikationsprozesses, dass es irgendwie solide Ergebnisse produziert, auch f\u00fcr die Politik. Es ist ja jetzt auch im Zusammenhang mit der Corona-Krise ist, das Stichwort Peer Review und Qualit\u00e4tssicherung der Wissenschaft immer wieder diskutiert und erw\u00e4hnt worden. Und in diesem Sinne haben Sie v\u00f6llig Recht. Wenn dieses Problem so massiv ist, wie ich selbst denke, und einige andere eben auch, dann ist das definitiv sehr problematisch.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:17:49-9] Doreen Siegfried: Und mit diesem Selektionsprozess meinten Sie, dass die Leute, die erfolgreich P-Hacking betreiben und so weiter, dass die eher eine wissenschaftliche Karriere machen als andere?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:18:05-5] J\u00f6rg Peters: Genau, vereinfacht gesagt w\u00e4re es das. Jetzt muss man nat\u00fcrlich sagen, dass ich niemandem unterstellen werde, dass er oder sie jetzt ganz b\u00f6swillig und gezielt P-Hacking betreibt. Denn das sind implizite Prozesse h\u00e4ufig auch, derer wir uns gar nicht unbedingt bewusst sind. Wenn man nicht extrem sensibilisiert daf\u00fcr ist. Und jetzt fragten Sie vorhin nach m\u00f6glichen, ja wie man das verbessern kann\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:18:33-9] Doreen Siegfried: Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:18:34-3] J\u00f6rg Peters: was es f\u00fcr L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge oder M\u00f6glichkeiten gibt. Und tats\u00e4chlich w\u00e4re das zun\u00e4chst mal der einfachste Verbesserungsvorschlag ist, sich also, dass dieses Problem extrem pr\u00e4sent gemacht wird, salient. Wir m\u00fcssen dar\u00fcber diskutieren. Es muss, es muss Teil des Bewusstseins, es muss Teil der Ausbildung sein. Und dann w\u00fcrde ich auch annehmen, die meisten Leute wollen das ja nicht, also wie ich gerade sagte, P-Hacking ist jetzt nicht in den meisten F\u00e4llen nicht kein b\u00f6swilliger Prozess. Die meisten Leute wollen das nat\u00fcrlich nicht tun und \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[00:19:09-7] Doreen Siegfried: Sind sich aber nicht dar\u00fcber bewusst, dass sie es irgendwie tun. Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:19:13-1] J\u00f6rg Peters: Genau, also das gibt es auch. Sicherlich. Davon h\u00f6rt jeder immer wieder. Aber ich w\u00fcrde eben sagen, dass das nicht den Gro\u00dfteil ausmacht tats\u00e4chlich. Insofern w\u00e4re eine Art Bewusstmachung und ja und dann eine Art kultureller Wandel, um so ein gro\u00dfes Wort mal zu benutzen, sicherlich der nachhaltigste Verbesserungsvorschlag. Die n\u00e4chste spannende Frage ist dann, wie man das erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:19:40-9] Doreen Siegfried: Ja, ja. [lacht] Genau das w\u00e4re jetzt meine n\u00e4chste Frage gewesen. Also woran ich gerade dachte, weil Sie sagten, es machen sich viele vielleicht w\u00e4hrend der Arbeit gar keine Gedanken dar\u00fcber. Mich erinnert das so ein bisschen an Studierende, die gerade so anfangen und gar nicht dar\u00fcber nachdenken, dass beispielsweise Wikipedia jetzt nicht so unbedingt eine total toll zitable Quelle ist. Oder breite Passagen irgendwo abschreiben und nicht dar\u00fcber nachdenken, dass es gegebenenfalls unlauter ist, die Quelle nicht korrekt anzuzeigen. Das muss ja gelernt werden, dass bestimmte Sachen nicht wissenschaftlich sauber sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und w\u00fcrden Sie sagen, dass dieses saubere Arbeiten, oder vielleicht ist es ja auch gar kein sauberes Arbeiten, also, dass dieses Thema Sensibilisierung stattfinden sollte in der Doktorandenausbildung? Oder wann oder wie kann diese Aufkl\u00e4rungsarbeit am besten passieren?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:20:46-9] J\u00f6rg Peters: Ja, ich w\u00fcrde sogar sagen noch fr\u00fcher. Also es sollte tats\u00e4chlich Teil der wissenschaftlichen Grundausbildung sein, dass Wissenschaft kritisch diskutiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:20:56-9] Doreen Siegfried: Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:20:57-9] J\u00f6rg Peters: Und das wird nat\u00fcrlich auch gemacht, aber wieder die Frage: Genug oder nicht genug? Und das Beispiel Wikipedia ist vielleicht ein sch\u00f6nes. Das k\u00f6nnen Sie ein St\u00fcck weit \u00fcbertragen, nicht eins zu eins nat\u00fcrlich, auf wissenschaftliche Fachzeitschriften. Ja. Nat\u00fcrlich unterliegen die einem ganz anderen Prozess als Wikipedia, offensichtlich. Dennoch ist die Idee oder was bisweilen gesagt wird, dass, ja, oder dass Publikationen in sehr guten Fachzeitschriften fast schon als die Wahrheit behandelt werden oder mindestens als paradigmatisch. Das halte ich f\u00fcr nicht richtig. Und da sollte man meines Erachtens bereits sehr fr\u00fch, also Studierenden beibringen oder die da heranf\u00fchren, dass sie auch sehr einschl\u00e4gige, hoch publizierte Arbeiten, kritisch diskutieren. Und alle, also meine Erfahrung, haben alle auch die sehr hoch ver\u00f6ffentlichten Arbeiten, haben Probleme. Das hei\u00dft nicht, dass die, welches Wort haben Sie eben benutzt, dass die unsauber gemacht sind unbedingt. Auch das gibt es. Aber es ist eben sehr multidimensional, also eine Studie kann \u2026 Also, um eine Studie f\u00fcr die Politik oder f\u00fcr die Gesellschaft wirklich korrekt zu interpretieren, muss man ganz, ganz, ganz viele Dimensionen einbeziehen und eine Studie mag in vier Dimensionen sehr sauber gemacht sein, aber in der f\u00fcnften hat sie Probleme. Und diese Sensibilit\u00e4t zu sch\u00e4rfen bei Studierenden, dass man \u00fcber alle f\u00fcnf Dimensionen nachdenkt, sagen wir mal, das halte ich f\u00fcr extrem wichtig. Damit eben auch ja die Menschen mit universit\u00e4ren Abschl\u00fcssen in der Lage sind, beispielsweise in der gegenw\u00e4rtigen Corona-Diskussion, Forschung kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:22:53-3] Doreen Siegfried: Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:22:53-8] J\u00f6rg Peters: Und aber auch die t\u00e4gliche Radiomeldung, dass mehr Treppensteigen gl\u00fccklicher macht. Das verwirrt ja Menschen, denke ich bisweilen.<\/p>\n\n\n\n<p>[23:04-1 [beide lachen]<\/p>\n\n\n\n<p>[23:05-9] J\u00f6rg Peters: Genau. Und, und ich denke, das sollte tats\u00e4chlich Teil der fr\u00fchen akademischen Ausbildung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:15-8] Doreen Siegfried: Ja. Was mich noch interessiert, wenn wir noch mal auf diesen Wissenschaftsbetrieb gucken. Welche Rolle hat dann in Ihren Augen dieser hohe Wettbewerbsdruck auf den Wissenschaftsbetrieb und auch vor allem auf die Rolle von Wissenschaft in der Gesellschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>[23:37-2] J\u00f6rg Peters: Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:38-0] Doreen Siegfried: Also, wir erleben ja, wir erleben ja gerade eine ganz gro\u00dfe Wissenschaftsskepsis. Und da stellt sich mir die Frage: Gibt\u2019s da Verbindungen, die man mal bedenken sollte?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:23:50-4] J\u00f6rg Peters: Hm. Ja, das sind vielleicht zwei, zwei gro\u00dfe, gr\u00f6\u00dfere, jeweils wichtige Fragen. Das eine ist sozusagen die Karriererelevanz des Publikationsprozesses und entsprechend die Anreize, wie Sie eben sagten, sauber zu arbeiten. Ohne jetzt den Begriff so bin\u00e4r zu interpretieren. Und das andere ist, welche Rolle spielen wir in der Gesellschaft und wie nimmt die Gesellschaft uns wahr?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:24:22-5] J\u00f6rg Peters: Ja, was Letzteres betrifft, ich denke schon, dass es da eine Ver\u00e4nderung braucht. Also man sollte Wissenschaft auf keinen Fall gleichsetzen oder synonym benutzen mit Wahrheit. Also es wird ja in manchen Diskussionen in der \u00d6ffentlichkeit wird das Wort \u201ewissenschaftlich\u201c benutzt, wie die Peitsche der Wahrheit, um eine Debatte zu beenden. Und das, es gibt nat\u00fcrlich Diskussionen, die wissenschaftlich konsolidiert und klar sind, also beispielsweise den anthropogenen Klimawandel. Und nat\u00fcrlich auch grunds\u00e4tzliche Dinge, die die Corona-Pandemie betreffen. Das ist jetzt ist jetzt \u00fcberhaupt nicht mein Fachgebiet, nat\u00fcrlich. Nur um eben die Abgrenzung klarzukriegen zu den also, wie soll man sagen, fundamental Skeptiker:innen, die Sie gerade angesprochen haben. Also da gibt es nat\u00fcrlich eine ganz klare Abgrenzung. Und aber eben jenseits dessen muss man differenzieren k\u00f6nnen. Und wissenschaftlich bedeutet nicht gleich Wahrheit. Und man muss, man muss verstehen, und auch die Gesellschaft muss, sollte meines Erachtens verstehen, dass woher die wissenschaftlichen Ergebnisse kommen, n\u00e4mlich aus dem geschilderten wissenschaftlichen Prozess und genau. Und der ist von Menschen gemacht, von Menschen mit menschlichen Eigenschaften. Und entsprechend ist er nat\u00fcrlich auch fehleranf\u00e4llig. Und nichtsdestotrotz brauchen wir nat\u00fcrlich die Wissenschaft, um einen um eine vern\u00fcnftige Debatte zu f\u00fchren. Und das ist sicherlich, wie soll man sagen, kein schmaler Grat, aber eben es erfordert Differenzierung. Aber dazu sind wir auch in der Lage, denke ich, als aufgekl\u00e4rte Gesellschaft. Also wir brauchen keine bin\u00e4ren Kategorien, meines Erachtens.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:26:19-4] Doreen Siegfried: Ja die Frage, die sich mir tats\u00e4chlich stellt, also in diesen Zeiten, wo es tats\u00e4chlich, Sie hatten jetzt gesagt Wissenschaftsfundamentalskepsis oder Wissenschaftsskepsis, wird ja jetzt nicht nur im Kontext von Corona laut, auch in anderen Kontexten wird ja gerne auch mal angezweifelt, was da so in den wissenschaftlichen Institutionen fabriziert wird. Also was mich, was ich mich frage, muss Wissenschaft vielleicht noch viel selbstreflektierter sein? Und wirklich gucken, okay wir m\u00fcssen mal uns, unsere eigene Arbeit, unseren eigenen Forschungsoutput, unsere eigenen Routinen tats\u00e4chlich nochmal ganz kritisch auf den Pr\u00fcfstand stellen, um am Ende des Tages wirklich das, was Sie jetzt gesagt haben, konsolidierte Ergebnisse auch anbieten zu k\u00f6nnen? Und selbst wenn es nicht die Wahrheit ist, dass man sagen kann, okay, es ist aber wirklich nach bestem Wissen und Gewissen ein aktueller Stand der hohen Wahrscheinlichkeit, dass es so sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:27:38-5] J\u00f6rg Peters: Ja, richtig. Also, ich denke, die Wissenschaft, ich muss ein bisschen aufpassen jetzt. Je allgemeiner wir den Begriff benutzen, desto ja, desto weniger ist es nat\u00fcrlich immer eine spezielle Expertise, das muss ich klar dazu sagen. Aber ich denke, man kann dennoch allgemein sagen, dass die Wissenschaft sich dieser Dinge schon bewusst ist und dass sie im Inneren auch so funktioniert. Ja, es gibt diese Debatten und man ist sich dessen bewusst, dass beispielsweise eine Studie, die man erstellt, eben auch nur ein Puzzleteil auf dem Puzzle ist und f\u00fcr sich genommen noch nicht die ganze Welt beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber. Genau, es wird halt medial oft nicht so dargestellt. Und tats\u00e4chlich stellen auch wir Wissenschaftler das medial vielleicht nicht klar genug. Ja, das, worauf wir uns da beziehen und welche Inferenzschritte wir noch, wir machen zwischen Studienergebnis und der politischen Empfehlung. Ja die, das denke ich machen wir, und da w\u00fcrde ich mich auch komplett selbst einbeziehen, vielleicht nicht immer klar genug. Und andererseits, wie gesagt, sollte die Gesellschaft, sollten die Medien und speziell auch Journalist:innen, da eine kritischere Rolle spielen und Wissenschaft eben auch mehr als das repr\u00e4sentieren, das, was Sie gerade beschrieben haben, hier als ein mindestens komplexer, wenn nicht diffuser, Erkenntnisgewinnungsprozess.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:29:13-2] Doreen Siegfried: Ja, ja. Welche Rolle sehen Sie denn in diesem ganzen Kosmos in dem Bereich Forschungstransparenz?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:29:20-5] J\u00f6rg Peters: Ja, das ja, das hat nat\u00fcrlich eine enorme Bedeutung. Also ist letztlich, wir haben ja eben vorhin schon ganz, w\u00fcrde sagen, ganz allgemein \u00fcber L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten gesprochen. Also, kultureller Wandel \u2013 Stichwort. Das Vehikel, das diesen kulturellen Wandel ausl\u00f6sen k\u00f6nnte, ist eben genau die Forschungstransparenz. Also mehr Bewusstsein daf\u00fcr, wie wichtig Transparenz ist. Und dann tats\u00e4chlich auch strengere Regeln f\u00fcr das, was in Sachen Forschungstransparenz gemacht werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">00:29:55-5# SF Okay, dann frage ich noch mal konkret nach: was muss denn in den Wirtschaftswissenschaften Ihrer Meinung nach gemacht werden? Und wer kann das machen, mit wem und wie? Also wie kann das konkret auf die Stra\u00dfe kommen?<\/h1>\n\n\n\n<p>[00:30:11-3] J\u00f6rg Peters: Ja, vielleicht zuerst einmal die etwas einfachere Frage, die ist schon schwierig genug. Aber die etwas einfachere Frage ist, was gemacht werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt da jetzt sicherlich nicht sofort die eine L\u00f6sung. Aber eine wichtige Rolle spielt in der empirischen Forschung, und in spezieller Runde in der empirischen Wirtschaftsforschung, das Instrument der sogenannten Prespezifizierung. Die Probleme, die wir vor einigen Minuten diskutiert haben, also der Publication Bias, dieses P-Hacking, also dass man so ein bisschen bewusst oder unbewusst an den Daten herum massiert, sagen wir mal, das kann man eben in den Griff bekommen. Ein St\u00fcck weit, in dem man sich selbst sozusagen die H\u00e4nde bindet, in dem, was man tun darf. Also man entscheidet nicht, w\u00e4hrend man in einem Datensatz arbeitet, welche Frage man stellt letztlich. Sondern man entscheidet das vorher. Und man entscheidet nicht im Datensatz, wie ich diese Frage konkret statistisch beantworte, sondern man entscheidet das vorher. Und schreibt das auf, dokumentiert das und stellt es quasi \u00f6ffentlich zur Verf\u00fcgung, sodass es eben auch von Dritten nachverfolgt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Also diesem Instrument oder dieses Instrument\u2026 Die Hoffnung ist gro\u00df, sagen wir, in der Forschungstransparenzszene, dass dieses Instrument tats\u00e4chlich zu einer Verbesserung und dann auch einem kulturellen Wandel f\u00fchren kann. Aber es wird halt kaum gemacht. Ja, es wird in bestimmten Bereichen gemacht, also beispielsweise der experimentellen Forschung. Da wo Prim\u00e4rdaten erhoben werden, also wo Leute, also das ist auch ein Gro\u00dfteil meiner eigenen Arbeit, wir erheben die Daten selbst, im globalen S\u00fcden in Afrika, um unsere Fragen zu beantworten. Und da ist es inzwischen Standard geworden, das zu machen. Also sich vorab zu dokumentieren, was man eigentlich und auf welche Art untersucht. Ein Gro\u00dfteil der empirischen Wirtschaftsforschung findet in Sekund\u00e4rdaten statt, also Datens\u00e4tze, die jemand anders erhoben hat und die man dann nutzt, nutzt als Dritter oder Dritte. Und da wird das kaum gemacht. Also da gibt es diesen Standard, diese Norm \u00fcberhaupt nicht, eben vorab zu dokumentieren, was man was man wie erforscht.<\/p>\n\n\n\n<p>[32:49-2] Doreen Siegfried: Ja, okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[32:50-3] J\u00f6rg Peters: Und nat\u00fcrlich ist es auch nicht ganz einfach. Ich habe dar\u00fcber schon h\u00e4ufiger mit Kolleg:innen diskutiert und wir haben gute Argumente nat\u00fcrlich, weswegen es dort schwieriger ist als in den Prim\u00e4rdaten. Aber um\u2018s jetzt mal kurz und pointiert zu sagen, das denke ich, w\u00fcrde viel bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:33:11-3] Doreen Siegfried: Okay. Und welche Rolle\u2026also, wenn Sie sagen, Transparenz und Konsolidierung. Welche Rolle spielen denn Ihrer Meinung nach Replikationsstudien?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:33:25-0] J\u00f6rg Peters: Genau, das ist sicherlich das zweite ganz wichtige Standbein. N\u00e4mlich erstens mehr \u2013 also Replikationen kann zwei Arten, zwei Dinge bedeuten: Das eine ist, man f\u00fchrt eine Studie in einem neuen Kontext, so in einem neuen Land beispielsweise, einer neuen Region durch, um zu schauen, ob die Ergebnisse robust bleiben zwischen den beiden Regionen. Und das andere, der andere Typ von Replikation ist, ist der, dass man sich publizierte, einflussreiche oder generell publizierte Studien nimmt und mit deren Daten, deren Ergebnisse noch einmal versucht, wiederherzustellen. Um dann unter Umst\u00e4nden zus\u00e4tzliche Tests oder Robustheitspr\u00fcfungen zu machen, um zu schauen, ob das Ergebnis h\u00e4lt. Beides ist enorm wichtig. Das erstere ist enorm wichtig, weil ja ein Ergebnis kann eben auch immer einfach speziell f\u00fcr eine Region sein, speziell f\u00fcr einen Typ Mensch, den man in der Studie untersucht hat, sein. Und die Politik sollte sich erst dann daran orientieren, um es mal ganz einfach zu sagen, wenn dieses Ergebnis eben auch in unterschiedlichen Regionen durchgef\u00fchrt wurde und eben zum gleichen Ergebnis wiederkommt. Und der andere Typ Replikation ist, also dieses Reanalysieren von Studien mit denselben Daten. Es ist deshalb wichtig, weil das eben auch Teile des kulturellen Wandels w\u00e4re. Es w\u00fcrde Anreize setzen und erh\u00f6hen, \u00fcberhaupt sich viel mehr Gedanken dar\u00fcber zu machen, was man tut in einem empirischen Forschungsprojekt. Also wenn ich w\u00fcsste, dass die Wahrscheinlichkeit, dass mein Papier sp\u00e4ter repliziert wird, bei, was wei\u00df ich, 30 Prozent liegt oder 70 Prozent. Dann w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich den Teufel tun und hier und da mal f\u00fcnfe gerade sein zu lassen, sondern ich w\u00fcrde mir noch mehr M\u00fche geben, dass das, was ich hier gerade tue eben auch dann dieser Replikation standh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:35:39-4] Doreen Siegfried: Wie machen das denn eigentlich jetzt, wie machen das denn Peer Reviewer? Die m\u00fcssten doch theoretisch alles auch noch einmal nachrechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:35:46-8] J\u00f6rg Peters: Ja, nein. Ja, ja also nee. Auf gar keinen Fall. Das, das passiert \u2026Ich will nicht sagen nie. Aber es ist, es w\u00e4re die absolute Ausnahme. Also selbst bei den Top-Zeitschriften wird das nicht gemacht. Man muss zwar inzwischen bei guten Zeitschriften, die Daten mitschicken. Wenn ich ein Papier einreiche, schicke ich immer auch die Daten mit, sodass das die Peer Reviewer theoretisch k\u00f6nnen. Wom\u00f6glich machen es inzwischen auch manche. Aber es ist definitiv nicht nicht der Standard und auch nicht erwartet. Ja, die Peer Reviewer stellen kritische Fragen, spielen das dann zur\u00fcck an die Autor:innen und sagen hier, wir h\u00e4tten gern diese und jene Analyse noch einmal gemacht, um zu schauen, ob das Ergebnis dann h\u00e4lt, zum Beispiel oder\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[36:32-2] Doreen Siegfried: Ja. Okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[36:33-4] J\u00f6rg Peters: Ja, aber die machen die aber nicht selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:36:36-7] J\u00f6rg Peters: Und das ist auch genau, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Peer Review ist nat\u00fcrlich ein zentrales Element des wissenschaftlichen Qualit\u00e4tssicherungsprozesses. Aber gegeben, dass wir so viel empirische Forschung heute verglichen mit vor, sagen wir, 30 Jahren haben, ist es unm\u00f6glich, dass Peer Review also der Peer Review-Prozess wirklich die Qualit\u00e4t 100-prozentig sichert. Das ist sicherlich eine H\u00fcrde, die man \u00fcberspringen muss und die einen dazu anh\u00e4lt, gute Arbeit zu machen. Aber sie ist nicht in der Lage, zum Beispiel, sagen wir das diffusere P-Hacking zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:37:17-9] Doreen Siegfried: Was w\u00e4ren denn f\u00fcr Sie gute Anreize, f\u00fcr ihre Fachkollegen und -kolleginnen mehr Replikationsstudien zu machen?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:37:28-8] J\u00f6rg Peters: Hm, ja, wenn es nicht intrinsisch ist, dann\u2026 Also intrinsische Motivation, denke ich, ist ein gutes Argument, einfach um der Wissenschaft willen, wenn man so will. Aber es reicht vielleicht nicht. Ja mehr Anerkennung wahrscheinlich. Also Replikationen sind schwierig zu ver\u00f6ffentlichen, oft. Und auch wenn sie ver\u00f6ffentlicht werden, werden sie weniger zitiert, weniger wahrgenommen als die erste Studie, die etwas als allererstes gezeigt hat. Es gibt diese Unart gerade in den Wirtschaftswissenschaften, dass man im ersten Absatz des Papiers oder im zweiten sagt, dass man der Erste oder die Erste ist, die diese Frage hier beantwortet. Das gilt dann eben als Qualit\u00e4tsaussage. Und auch hier, wahrscheinlich habe ich das selbst mal geschrieben, in fr\u00fcheren Papieren. Genau das ist eigentlich die falsche Einstellung. Also man m\u00fcsste eigentlich viel mehr belohnen, wenn Dinge wieder gemacht werden. Wenn einflussreiche, erfolgreiche oder auch unerfolgreiche Studien wiederholt werden, um zu pr\u00fcfen, ob es denn wirklich h\u00e4lt. Also generell gesagt, Anerkennung, mehr Anerkennung f\u00fcr Replikationen. Dass w\u00e4re sicherlich die entscheidende Motivation f\u00fcr die meisten.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:38:49-6] Doreen Siegfried: Ja, okay. Und Anerkennung w\u00e4re dann irgendwie, dass es im Lebenslauf drei Sternchen bekommt oder in der Publikationsliste dann eine eigene \u00dcberschrift bekommt, die dann gef\u00fcllt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:39:01-3] J\u00f6rg Peters: Ja, das genau. Das sind im Prinzip dann schon Implementierungsideen. Aber die sind weit entfernt von der Realit\u00e4t. Der n\u00e4chstgelegene Schritt \u2013 Sie m\u00fcssen wissen, wir denken halt, wenn wir in Karriereaussichten denken, denken wir in Publikationen. Und zwar der Qualit\u00e4t von Publikationen. Wie hoch k\u00f6nnen wir ver\u00f6ffentlichen? Und wenn ich sage hoch, dann ist das eben die Orientierung an bestimmten Journal Rankings. Und je h\u00f6her man ver\u00f6ffentlicht, desto besser die Karriereaussicht. So und mit Replikationen k\u00f6nnen Sie, um es mal einfach zu sagen, nicht hoch ver\u00f6ffentlichen. Das ist zumindest die Sichtweise, ob das so ist oder nicht, ist dann wieder eine empirische Frage. Aber erst einmal, denke ich, haben die meisten Kolleg:innen, vermutlich nicht zu Unrecht, eben die Annahme, dass man es nicht hoch ver\u00f6ffentlicht bekommt. Also ist es f\u00fcr die Karriere unn\u00fctz.<\/p>\n\n\n\n<p>[39:58-2] Doreen Siegfried: Okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[39:59-7] J\u00f6rg Peters: Und es ist nat\u00fcrlich auch nachvollziehbar. Also es geht ja hier um etwas. Also nat\u00fcrlich geht\u2019s um die Gesellschaft, wie wir schon besprochen haben, aber nat\u00fcrlich m\u00f6chte man als junge:r Wissenschaftler:in eben auch einen Fu\u00df in die T\u00fcr bekommen und wom\u00f6glich daf\u00fcr nicht, was wei\u00df ich, 500 Kilometer oder 5000 Kilometer weit wegziehen m\u00fcssen. Es ist nat\u00fcrlich auch Standard, dass das passiert. Aber ich meine nur, ist ein Parameter, die man eben dann bei Lebensentscheidungen einbezieht. Und entsprechend akzeptiert man die Regeln, die es zu spielen gilt, um Karriereschritte zu machen. Und das ist eben erfolgreich publizieren. Und da sind Replikationen vielleicht nicht die beste Idee, leider.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:40:42-0] Doreen Siegfried: Ja, okay. Vielleicht noch eine Frage zu diesem ganzen gro\u00dfen Thema Kulturwandel. Also, wenn Sie sagen, man m\u00fcsste mal \u00fcber einen Kulturwandel reden, das h\u00f6rt sich erst mal noch sehr vage an. Mir ist noch nicht ganz einleuchtend, wie kann das genau funktionieren? Also wer sind da die Treiber? Wer m\u00fcsste das in die Hand nehmen? Wer m\u00fcsste mit gutem Beispiel vorangehen? Wer m\u00fcsste Promotionsordnungen \u00e4ndern oder Drittmittelverfahren oder wie auch immer? Also was konkret w\u00fcrden Sie empfehlen aus ihrer Sicht?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:41:24-8] J\u00f6rg Peters: Ja, das ist eine sehr schwierige Frage. Also der Wandel kommt wahrscheinlich nicht aus dem engeren System heraus, also von uns selbst. Vielleicht schon. Es gibt gerade ein paar Anzeichen, aber ich, also trotzdem bleibe ich da pessimistisch, das kommt nicht von uns Wissenschaftler:innen selbst. Initiativen wie Ihre beispielsweise spielen da vielleicht eine wichtige Katalysatorfunktion. Also in dem Sie eben die, ja die Sichtbarkeit des Themas erh\u00f6hen. Aber dann muss es wahrscheinlich konkreter werden. Also ja, Sie haben ja Beispiele genannt. Also Universit\u00e4ten k\u00f6nnen das in ihren Promotionsordnungen aufnehmen oder auch bei ja, bei wichtigen Karriereentscheidungen, also Berufungen oder eben Entfristungsverfahren k\u00f6nnte man ja Replikationen eben mehr wertsch\u00e4tzen, selbst wenn sie nicht gut ver\u00f6ffentlicht sind, denn das bekommt man so schnell nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>[42:21-3] Doreen Siegfried: Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[42:23-5] J\u00f6rg Peters: Ich wei\u00df nicht, die DFG k\u00f6nnte, tut auch soviel ich wei\u00df, bereits einiges in diese Richtung, aber k\u00f6nnte nat\u00fcrlich sagen \u2026 \u2013 oder sagen wir allgemein, nicht nur die DFG als einzige Organisation, sondern generell derartige Organisationen, die Wissenschaft finanzieren, k\u00f6nnten darauf noch st\u00e4rkeren Wert legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt wie gesagt, einige Initiativen auch von dort. Aber ja, das k\u00f6nnte man nat\u00fcrlich noch viel mehr machen.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:42:53-5] Doreen Siegfried: Okay. Was machen Sie denn konkret, Sie als RWI-\u00d6konom, Sie als J\u00f6rg Peters ganz normal im Alltag, um den ersten oder den zweiten kleinen Schritt in Richtung Kulturwandel, Research Transparency \/ Open Science zu machen?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:43:15-4] J\u00f6rg Peters: Ja, Replikationen. Wir machen einige Replikationen, seit einigen Jahren schon. Oder auch generell, versuchen wir uns auch \u00f6ffentlich in die kritische Rezeption von Forschung in unseren Bereichen einzubringen. Begr\u00fc\u00dfen selbstverst\u00e4ndlich auch kritische Diskussionen unserer eigenen Forschung. Wir haben ja Studien dazu durchgef\u00fchrt, wo wir ja im Prinzip systematisch schauen, ob publizierte Arbeiten, bekannte Probleme diskutieren, anerkennen oder nicht. Dazu machen wir viel, also neben unserer Prim\u00e4rforschung, sagen wir. Und ja, in der Prim\u00e4rforschung versuchen wir nat\u00fcrlich auch dann unseren eigenen Standard, den wir dann auf andere anwenden, auch auf uns selbst anzuwenden. Das ist schon schwierig genug, weil man sich da vielleicht sogar hier und da mit Schwierigkeiten macht. Also seine Publikationsaussichten verschlechtert, sagen zumindest manche, ich teile das nicht unbedingt. Ja. Es ist aber auch schwierig genug, weil man nat\u00fcrlich auch immer dazu lernt und wie ich vorhin schon mal angedeutet habe, nat\u00fcrlich habe ich in alten, \u00e4lteren Papieren wahrscheinlich Dinge gemacht, die, die ich heute kritisieren w\u00fcrde bei anderen oder auch bei mir selbst. Also nicht mehr machen w\u00fcrde heute. Aber, das, denke ich, ist auch total in Ordnung. Also man ist ja im Prozess auch als Wissenschaftler in einem st\u00e4ndigen Lernprozess. Genau, diesen Lernprozess, w\u00fcrde ich sagen, machen wir in unserer Gruppe transparent und tauschen uns dar\u00fcber auch sehr viel aus. Das denke, und ich hoffe, dass das denke, dass das auch in unserem Mikrokosmos schon mal einen Beitrag leistet. Ansonsten versuche ich dr\u00fcber zu sprechen, mit Ihnen und anderen. [lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[45:17-2] Doreen Siegfried: [lacht] Das ist sehr gut.<\/p>\n\n\n\n<p>[45:18-7] J\u00f6rg Peters: Nerve hier und da andere Kolleg:innen mit dem Thema. Ja, das denke ich, kann ein kleiner Schritt zum kulturellen Wandel sein, aber nat\u00fcrlich auch nur ein sehr kleiner.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:45:31-7] Doreen Siegfried: Ja. Und Sie sind ja an der Universit\u00e4t Passau auch Professor. Wird das, thematisieren Sie das auch f\u00fcr ihre Studierenden oder f\u00fcr ihre Doktorandinnen und Doktoranden? Dieses skeptische Denken, kritische Denken, dieses transparent sein und so weiter?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:45:52-1] J\u00f6rg Peters: Ja, ich versuche das schon. Ja, ich, ich bin jetzt nicht massiv in der Lehre vertreten. Ich bin ja hauptberuflich sozusagen am RWI in Essen, mache im Semester ein Seminar Master oder Bachelor. Das hei\u00dft, es ist schon mal per se diskussionsorientierter, wahrscheinlich als Vorlesungen. Ja, und da definitiv. Da versuche ich das gemeinsam mit den Studierenden eben auch dann die, ja, die wissenschaftlichen Arbeiten, die wir da besprechen, sehr kritisch zu reflektieren. Und manchmal sind da auch dann Sachen von mir selbst in der Liste und auch das d\u00fcrfen und sollen die dann kritisch diskutieren. Genau. Und was Doktorand:innen betrifft ja, die sind dann eben Teil, und die sind, also meine Doktorand:innen sind nicht in Passau sondern am RWI in Essen und genau, die sind dann Teil unserer Forschungsgruppe. Und da versuchen wir eben auf die eben beschriebene Art das gemeinsam weiterzuentwickeln. Und insofern denke ich, die sind Teil dessen. Ja, die arbeiten ja daran mit zum Teil. Insofern denke ich, denke und hoffe ich, dass die das nicht nur mitbekommen, sondern auch mitgestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:47:08-8] Doreen Siegfried: Ja, super. Okay. Letzte Frage: was m\u00f6chten Sie, also, wenn jetzt andere \u00d6konominnen, \u00d6konomen das, was wir jetzt hier gerade die letzten Minuten besprochen haben, jetzt bis zum Schluss tats\u00e4chlich sich angeh\u00f6rt haben und sagen, okay, ich sehe es ein, ich m\u00f6chte jetzt mehr machen in diesem Ganzen, ich m\u00f6chte mehr Transparenz haben in meiner Forschung. Was w\u00e4ren so konkrete Tipps von ihrer Seite? Oder was w\u00fcrden Sie gerne anderen Wirtschaftsforschenden mit auf den Weg geben?<\/p>\n\n\n\n<p>[00:47:47-5] J\u00f6rg Peters: Ja, also zun\u00e4chst mal denke ich, dass wahrscheinlich schon viele dar\u00fcber nachdenken. Deswegen m\u00f6chte ich mir das jetzt nicht so anma\u00dfen. Aber ich, wenn Sie mich dazu auffordern, dass ich es mir anma\u00dfe\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[47:58-0] Doreen Siegfried: Ja, bitte [lacht]<\/p>\n\n\n\n<p>[48:00-2] J\u00f6rg Peters: [lacht] Dann w\u00fcrde ich wahrscheinlich die vorhin angesprochenen zwei Dinge nennen. N\u00e4mlich zum einen, lasst uns mehr dar\u00fcber nachdenken, auch wenn es kompliziert ist, wie wir unsere empirischen Forschungsprojekte prespezifizieren. Zum einen. Und zum anderen lasst uns mehr Replikationen machen, lasst uns Replikationen zum Standard machen, sodass es nicht mehr die Ausnahme darstellt. Und ja und je einflussreicher die Zuh\u00f6rer:in ist, auf der Karriereleiter, h\u00f6her angesiedelte Menschen haben ja auch Einfluss darauf, wie Berufungsverfahren stattfinden, wie Promotionsordnungen wom\u00f6glich ausgestaltet sind. Also lasst uns doch versuchen, Replikationen mehr zu w\u00fcrdigen, sodass es auch eine Karriereinvestition werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:48:52-2] Doreen Siegfried: Das ist doch ein super Schlusswort.<\/p>\n\n\n\n<p>[48:54-9] [beide lachen]<\/p>\n\n\n\n<p>[48:55-6] Doreen Siegfried: Vielen herzlichen Dank und vielen Dank auch da drau\u00dfen, allen \u00d6konomen, allen Wissenschaftsinteressierten. Ich hoffe, es hat ihm gefallen. Lassen Sie uns gerne Feedback da. Abonnieren Sie uns flei\u00dfig auf iTunes oder Spotify und ich freue mich aufs n\u00e4chste Mal!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"tags":[58,63,66,64,59,8,54,60,62,56,65,57,61,11,53,55,12],"class_list":["post-25","podcast","type-podcast","status-publish","hentry","tag-empirische-forschung","tag-entwicklungslaender","tag-forschungstransparenz","tag-klimawandel","tag-oekonomie","tag-open-science","tag-p-hacking","tag-peer-review","tag-praespezifizierung","tag-publication-bias","tag-replikationsstudie","tag-societal-impact","tag-wirtschaftsforschung","tag-wirtschaftswissenschaften","tag-wissenschaftsbetrieb","tag-wissenschaftssystem","tag-zbw","post"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.0 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>FOS 05 Scientific Impact - The Future is Open Science<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Prof. Dr. J\u00f6rg Peters, RWI, spricht \u00fcber Forschungstransparenz und Scientific Impact in den Wirtschaftswissenschaften.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2021\/02\/17\/fos-05-scientific-impact\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"FOS 05 Scientific Impact - 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