{"id":19,"date":"2020-11-02T10:58:16","date_gmt":"2020-11-02T09:58:16","guid":{"rendered":"2439bdb3-f223-49f1-9ad0-d46574fbc1b2"},"modified":"2026-01-15T11:07:35","modified_gmt":"2026-01-15T10:07:35","slug":"fos-02-vernetzte-forschungsdateninfrastrukturen","status":"publish","type":"podcast","link":"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2020\/11\/02\/fos-02-vernetzte-forschungsdateninfrastrukturen\/","title":{"rendered":"FOS 02 Vernetzte Forschungsdateninfrastrukturen"},"content":{"rendered":"\n    <div class=\"pwp4-wrapper intrinsic-ignore\" id=\"podlovewebplayer_9edebc6a5f55131b005064e7bd90c28d3decb4d8\" data-episode=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/2020\/11\/02\/fos-02-vernetzte-forschungsdateninfrastrukturen\/?podlove_action=pwp4_config\"><audio controls=\"controls\" preload=\"none\">\n  <source src=\"https:\/\/podcast.zbw.eu\/fos\/podlove\/file\/4\/s\/webplayer\/c\/website\/fos_02.mp3\" type=\"audio\/mpeg\"\/>\n<\/audio><\/div>\n  \n  \n\n    \n\n\t<div 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ZBW<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/de\/nationale-forschungsdateninfrastruktur-8299.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nationale Forschungsdateninfrastruktur<\/a><br><br><a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Dossier\/gaia-x.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">GAIA-X<\/a><\/p>\n\n\n\n<\/div>\n\n\n\n<div data-wp-context=\"{ &quot;autoclose&quot;: false, &quot;accordionItems&quot;: [] }\" data-wp-interactive=\"core\/accordion\" role=\"group\" class=\"wp-block-accordion is-layout-flow wp-block-accordion-is-layout-flow\">\n<div data-wp-class--is-open=\"state.isOpen\" data-wp-context=\"{ &quot;id&quot;: &quot;accordion-item-1&quot;, &quot;openByDefault&quot;: false }\" data-wp-init=\"callbacks.initAccordionItems\" data-wp-on-window--hashchange=\"callbacks.hashChange\" class=\"wp-block-accordion-item is-layout-flow wp-block-accordion-item-is-layout-flow\">\n<h3 class=\"wp-block-accordion-heading has-small-font-size\"><button aria-expanded=\"false\" aria-controls=\"accordion-item-1-panel\" data-wp-bind--aria-expanded=\"state.isOpen\" data-wp-on--click=\"actions.toggle\" data-wp-on--keydown=\"actions.handleKeyDown\" id=\"accordion-item-1\" class=\"wp-block-accordion-heading__toggle\"><span class=\"wp-block-accordion-heading__toggle-title\">Episode 02 als Text<\/span><span class=\"wp-block-accordion-heading__toggle-icon\" aria-hidden=\"true\">+<\/span><\/button><\/h3>\n\n\n\n<div inert aria-labelledby=\"accordion-item-1\" data-wp-bind--inert=\"!state.isOpen\" id=\"accordion-item-1-panel\" role=\"region\" class=\"wp-block-accordion-panel is-layout-flow wp-block-accordion-panel-is-layout-flow\">\n<p>The Future is Open Science \u2013 Folge 2: Vernetzte Forschungsdateninfrastrukturen<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Doreen Siegfried<br>Leitung Marketing und Public Relations, ZBW \u2013 Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Willi Scholz<br>Referent f\u00fcr wissenschaftspolitische Beratung an der ZBW \u2013 Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft<\/p>\n\n\n\n<p>[00:03] Doreen Siegfried:<br>Willkommen bei \u201eThe Future is Open Science\u201c, dem Podcast der ZBW. Hier verraten Ihnen interessante Menschen aus dem Wissenschaftsbetrieb, wie sie in ihrer t\u00e4glichen Arbeit Open Science voranbringen. Wir tauchen ein in die Tiefen der Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter und verraten Ihnen handfeste Tipps und Tricks zu Open Science in der Praxis. Ich bin Doreen Siegfried und freue mich sehr, Host dieses Podcasts zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>[00:33] Doreen Siegfried:<br>Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von \u201eThe Future is Open Science\u201c, dem Podcast der ZBW. Ich freue mich sehr, dass Sie eingeschaltet haben und wir reden heute \u00fcber vernetzte Forschungsdateninfrastrukturen, \u00fcber die European Open Science Cloud, \u00fcber GAIA-X, \u00fcber die NFDI, also \u00fcber die nationale Forschungsdateninfrastruktur und \u00fcber Wissenschaftspolitik. Und dazu habe ich mir Dr. Willi Scholz eingeladen. Ich stelle einmal unseren Gast kurz vor: Willi Scholz ist promoviert in Politikwissenschaften, er ist Referent in der ZBW f\u00fcr wissenschaftspolitische Beratung. Nat\u00fcrlich neben seiner Projektleitung des Young Economic Summit, aber das ist ein ganz anderes Thema. Willi Scholz ist Mitglied in der Allianz-Initiative \u201eDigitale Information\u201c und dort hat er auch den Vorsitz der Arbeitsgruppe \u201eF\u00f6derieren von IT-Infrastrukturen\u201c inne. Und er ist Mitglied des Kompetenznetzwerks f\u00fcr Forschungsdaten in der Leibniz-Gemeinschaft, namens \u201eLeibniz-Data\u201c. Also ziemlich viel Infrastruktur, aber das ist heute auch unser Thema. Und ich freue mich, dass wir hier zusammensitzen, Willi.<\/p>\n\n\n\n<p>[01:52] Willi Scholz:<br>Hallo.<\/p>\n\n\n\n<p>[01:52] Doreen Siegfried:<br>Herzlich willkommen!<\/p>\n\n\n\n<p>[01:55] Doreen Siegfried:<br>Wir unterhalten uns vielleicht erstmal \u00fcber generell das Thema Digitale Infrastrukturen. Also, die European Open Science Cloud soll ja eine zentrale Infrastruktur f\u00fcr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden, um Daten zu suchen, aber auch um Daten auszuwerten, zu speichern oder runterzuladen. Also letztlich eine Institution, die es einfacher macht, Open Science zu betreiben. 2015 wurde die Idee von der Europ\u00e4ischen Kommission aus der Taufe gehoben. Dann im November 2018 wurde die European Open Science Cloud offiziell gestartet und seitdem wird entwickelt. Wir sind jetzt hier im Oktober, heute ist der 19. Oktober des Jahres 2020: wie ist denn hier der Stand im Jahre 2020?<\/p>\n\n\n\n<p>[02:45] Willi Scholz:<br>Ja, da ist einiges passiert. Wir haben vor allem dieses Jahr einen wichtigen Meilenstein genommen, im Sommer 2020, das ist n\u00e4mlich die Gr\u00fcndung der EOSC-Association. Da geht es darum, dass die EOSC eben eine eigenst\u00e4ndige Organisationsform bekommen und damit eben auch unabh\u00e4ngig von der Europ\u00e4ischen Kommission agieren kann, aber nat\u00fcrlich im engen Austausch mit dieser. Und dar\u00fcber hinaus gibt es eine Vielzahl an hochrangigen Arbeitsgruppen, etwa zur Architektur der EOSC oder auch zum Stand der jeweiligen Mitgliedsstaaten sowas wie EOSC-ready kann man das bezeichnen und eben auch zur Nachhaltigkeit zuk\u00fcnftiges Gesch\u00e4ftsmodell, zuk\u00fcnftiges Betriebsmodell, wie kann das aussehen. Da werden gerade viele wichtige Dokumente erstellt und gerade diese Dokumente werden dann zentrale Grundlage sein und wichtige Eckpunkte f\u00fcr die kommenden Jahre in der Ausgestaltung der EOSC.<\/p>\n\n\n\n<p>[03:39] Doreen Siegfried:<br>Also da ist richtig viel los gerade?<\/p>\n\n\n\n<p>[03:42] Willi Scholz:<br>Genau. Es sind ganz wichtige, ganz wichtiger Moment gerade. Und auch wichtige Eckpunkte, die da entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>[03:49] Doreen Siegfried:<br>Ja, danke. Dann haben wir ja seit 2020, also seit Anfang des Jahres 2020, ja auch noch die NFDI-Initiative. Also die Nationale Forschungsdateninfrastruktur, die gef\u00f6rdert ist vom BMBF. Und dann haben wir ganz neu auch noch GAIA-X, was vom Bundeswirtschaftsministerium gef\u00f6rdert wird. Wie schmelzen die jetzt alle zusammen bzw. wie passen die zusammen? Was will beispielsweise GAIA-X, was die NFDI-Initiative nicht will und andersrum? Also wie sind die miteinander vernetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>[04:25] Willi Scholz:<br>Genau. Also eine wichtige Unterscheidung ist, dass die NDFI, die Nationale Forschungsdateninfrastruktur sich ganz klar an die Wissenschaft richtet und eben auch Forschende adressiert. Hier speziell ist das Vorgehen so, dass eben verschiedene Fachdisziplinen \u00fcber gro\u00dfe Konsortien angesprochen werden, indem sie eben F\u00f6rderung erhalten und die Idee ist eben, gr\u00f6\u00dfere Fachkonsortien im Bereich der Forschungsdaten eng zu verzahnen. Man hat dann sozusagen viele gro\u00dfe Inseln\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>[04:53] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[04:53] Willi Scholz:<br>\u2026der verschiedenen Fachdisziplinen, die dann wiederum gut verkn\u00fcpft werden sollen zu einer Gesamtforschungsdateninfrastruktur eben auf nationaler Ebene. Und da eben auch wichtig, das gro\u00dfe Ziel der NFDI ist eben die disziplin\u00fcbergreifende Datennutzung. GAIA-X hingegen richtet sich an die Wirtschaft und m\u00f6chte f\u00fcr die Wirtschaft eine f\u00f6derierte Infrastruktur schaffen. Hier steht im Zentrum das Stichwort Datensouver\u00e4nit\u00e4t. Au\u00dferdem sollte man GAIA-X auch weniger konkret parallel zur NFDI sehen, sondern eher zur EOSC, denn GAIA-X zielt ganz klar auf die europ\u00e4ische Ebene. Frankreich ist fr\u00fchzeitig eingebunden worden, durchaus in Deutschland initiiert, aber fr\u00fchzeitig im Austausch mit Frankreich weiterentwickelt und mittlerweile sollen auch weitere sechs L\u00e4nder dabei sein. Sodass man eher GAIA-X und EOSC zueinander abstimmen sollte und auch parallel sehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>[05:47] Doreen Siegfried:<br>Okay, da muss ich aber nochmal anders fragen. Also wir haben die European Open Science Cloud, die hat sozusagen rein zeitlich gesehen ja den meisten Vorlauf und so wie ich jetzt die European Open Science Cloud, also EOSC abgek\u00fcrzt, verstehe, denkt die eigentlich nicht so fachspezifisch wie jetzt beispielsweise die NFDI-Initiative oder ist das dort \u00e4hnlich?<\/p>\n\n\n\n<p>[06:14] Willi Scholz:<br>\u00c4hm. Das ist noch offen.<\/p>\n\n\n\n<p>[06:17] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[06:18] Willi Scholz:<br>Wie sich die EOSC dort orientieren wird. In Deutschland hat sich dieses, sozusagen, Konzept anhand der Fachdisziplinen entwickelt, was halt sehr wissenschaftsnah ist. Also das steht ganz klar, ja, da stehen die Forschenden im Zentrum und es ist halt ein gewisser bottom-up-Prozess, der dort speziell auch in der F\u00f6rderausschreibung so gewollt war. Wie das f\u00fcr die EOSC sich entwickelt, ob es tats\u00e4chlich auch so ein starker bottom-up-Prozess wird oder doch noch mehr top-down-Vorgaben entstehen, das ist aus meiner Sicht noch ein bisschen fr\u00fch zu sagen. Ich glaube, das Vorgehen innerhalb der NFDI ist durchaus auch interessant auf europ\u00e4ischer Ebene. Ist halt die Frage, ob das so gut \u00fcber Mitgliedsstaaten hinweg funktioniert, das wird man dann in den Ausschreibungen sehen. Auf jeden Fall wird das bestimmt auch angestrebt.<\/p>\n\n\n\n<p>[07:04] Doreen Siegfried:<br>Hm. Ja okay. Und wie l\u00e4uft das denn eigentlich, es gibt ja relativ viel auch interdisziplin\u00e4re Forschung oder Forschung in Projekten, wo beispielsweise Wirtschaftswissenschaftler*innen mit Soziologen zusammenarbeiten oder mit Anthropologen. Welches, in welches Konsortium sollen denn die Leute ihre Sachen packen oder w\u00fcrden dann die Forschungsdaten \u2013 jetzt mal so mit NFDI-Sicht \u2013 in mehrere, in mehreren Konsortien auftauchen?<\/p>\n\n\n\n<p>[07:39] Willi Scholz:<br>\u00c4hm. Also idealerweise, wenn die NFDI oder auch EOSC weit fortgeschritten hat ist das fast egal.<\/p>\n\n\n\n<p>[07:46] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[07:46] Willi Scholz:<br>Weil sie ja dann eben fachdisziplin\u00fcbergreifend sehr gut zu nutzen sein sollen, es sehr gute Metadatenstandards geben wird, die das halt fast \u00fcberfl\u00fcssig machen zu wissen, wo genau, in welchem Repositorium sozusagen die Daten liegen. Sondern die so gut aufgearbeitet sind, dass man sie europaweit jederzeit abrufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>[08:05] Doreen Siegfried:<br>Ja, okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[08:06] Willi Scholz:<br>Also das ist so die Vision.<\/p>\n\n\n\n<p>[08:07] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[08:07] Willi Scholz:<br>Wie die einzelnen Schritte dahin sind, da wird es mit Sicherheit so sein, dass die einzelnen Fachdisziplinen sich erstmal klare, und einige haben ja diese klaren Strukturen auch schon, dass sie eben diese Strukturen weiterentwickeln. F\u00fcr andere m\u00fcssen die erst noch entwickelt werden und die dann wiederum \u00fcber die Disziplinen hinweg, Schritt f\u00fcr Schritt, verkn\u00fcpft werden und da wird man mit Sicherheit entlang interdisziplin\u00e4rer Pfade sich bewegen. Das hei\u00dft die Fachdisziplinen, die eh schon viel miteinander zusammenarbeiten haben da schon etablierte Muster.<\/p>\n\n\n\n<p>[08:39] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[08:39] Willi Scholz:<br>Mit denen wird man wahrscheinlich eine Art Vorreiterrolle einnehmen k\u00f6nnen und so wird es Schritt f\u00fcr Schritt sich weiterentwickeln. Aber Ziel ist es eben, dass das fast egal ist, wo es wie abgelegt ist, sondern dass es eben nahezu f\u00fcr jeden Forscher und jede Forscherin nutzbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>[08:53] Doreen Siegfried:<br>Hm. Okay. Also das hei\u00dft, wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, haben wir auf der einen Seite die wissenschaftlichen Forschungsdaten EOSC, NFDI und auf der anderen Seite so die Unternehmensdaten gesammelt in GAIA-X. Wobei, ich sag mal so, vom Papier her, von der Idee her, sollen ja da auch durchaus auch Forschungsdaten mitunter auch bei GAIA-X ihren Platz finden. Oder?<\/p>\n\n\n\n<p>[09:25] Willi Scholz:<br>Ja, die Trennlinie ist noch nicht so klar.<\/p>\n\n\n\n<p>[09:26] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[09:27] Willi Scholz:<br>Das ist eins der gro\u00dfen Probleme, das entstehen k\u00f6nnte. Also ich sehe gro\u00dfes Potenzial in der Synergie zwischen GAIA-X und auch NFDI und EOSC, aber zurzeit ist die Trennsch\u00e4rfe nicht ausreichend und genau da entwickeln sich solche Herausforderungen. Also ein Beispiel, wenn wir auf die Wirtschaftswissenschaften eingehen: in gewisser Weise haben sie gerade einen Schwerpunkt gesetzt, indem es halt mit KonsortSWD schon ein erstes Konsortium aus den Wirtschaftswissenschaften ganz klar innerhalb der NFDI gibt. Das hei\u00dft, die Wirtschaftswissenschaften f\u00fcr sich haben hier schon klar sich positioniert, ihre Daten innerhalb der NFDI anzulegen. Das liegt aber auch unter anderem daran, dass nat\u00fcrlich die NFDI schon konkret F\u00f6rdermittel zur Verf\u00fcgung stellt, das ist bei GAIA-X noch nicht der Fall. Es steht also aus, wie sich in Zukunft die Wirtschaftswissenschaften hier positionieren werden, wenn GAIA-X noch konkreter wird.<\/p>\n\n\n\n<p>[10:22] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[10:23] Willi Scholz:<br>Und gerad, wenn ich an die Betriebswirtschaftslehre denke, die nat\u00fcrlich oft auf Unternehmensdaten aufbaut, k\u00f6nnte die Unterscheidung zwischen EOSC, GAIA-X dann auf der europ\u00e4ischen Ebene wirklich schwerfallen. Deswegen ist es von Anfang an wichtig, die drei, GAIA-X, NFDI und EOSC, gut aufeinander abzustimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>[10:38] Doreen Siegfried:<br>Ja. Das glaube ich auch. Ja, wenn man sich vor allem auch die Gr\u00fcndungsmitglieder von GAIA-X anguckt, das sind ja gro\u00dfe Unternehmen wie BMW, Bosch, Deutsche Telekom, SAP, Siemens und so weiter. Da k\u00f6nnte ich mir durchaus vorstellen, dass es f\u00fcr Wirtschaftsforschende potenziell von Interesse ist, da mitzuspielen. Boris Otto vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Software- und Systemtechnik sagte, dass mit GAIA-X letztlich die Voraussetzung geschaffen wird f\u00fcr einen sicheren Austausch von Daten. Und da hab\u2018 ich mich gefragt, als ich das gelesen habe, ist das nicht auch schon m\u00f6glich durch die European Open Science Cloud?<\/p>\n\n\n\n<p>[11:26] Willi Scholz:<br>Genau, also auf jeden Fall auch m\u00f6glich durch die European Open Science Cloud. Allerdings EOSC nat\u00fcrlich bezogen auf Forschungsdaten. GAIA-X wiederum richtet sich ja ganz klar eher an Wirtschaftsdaten.<\/p>\n\n\n\n<p>[11:38] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[11:38] Willi Scholz:<br>Aber kompliziert wird es, wenn wir am Beispiel der Wirtschaftsforschenden bleiben und auch vielleicht das Beispiel Betriebswirtschaftslehre, dann haben wir nat\u00fcrlich dort schnell den Punkt erreicht, dass die Wirtschaftsdaten als Prim\u00e4rdaten f\u00fcr die Forschenden von Relevanz sind. Und wenn dann wiederum die Arbeiten der Forschenden selbst f\u00fchren ja letztlich zu Sekund\u00e4rdaten.<\/p>\n\n\n\n<p>[12:01] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[12:01] Willi Scholz:<br>Und da kann es sehr schnell die Frage geben f\u00fcr die Forscherinnen und Forscher: lege ich jetzt meine Sekund\u00e4rdaten in GAIA-X ab oder lege ich sie in der EOSC ab? Und hier brauchen wir auf jeden Fall eine klare Unterscheidung, damit es eben nicht sp\u00e4ter wieder zu neuen Silos, n\u00e4mlich zwischen GAIA-X und der EOSC kommt, die man eigentlich ja durch die EOSC und auch GAIA-X \u00fcberwinden will.<\/p>\n\n\n\n<p>[12:23] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[12:23] Willi Scholz:<br>Also hier m\u00fcssen wir uns gut fragen in Zukunft, wie bauen die aufeinander auf? Wo unterscheiden sie sich und wie sollten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler orientieren?<\/p>\n\n\n\n<p>[12:33] Doreen Siegfried:<br>Hm. Und du hattest ja vorhin gesagt, also ich frage das auch damit ich es auch noch ein bisschen besser verstehe. Also GAIA-X ist ja gestartet letztlich vom Bundeswirtschaftsministerium, also Peter Altmaier ist da gro\u00df mit rausgegangen, dass es letztlich ein digitales \u00d6kosystem f\u00fcr Innovationen werden soll und du hattest ja gesagt, da hat Frankreich auch mit zu tun und weitere europ\u00e4ische L\u00e4nder. Das hei\u00dft, alle Mitgliedsl\u00e4nder oder alle Partner in der European Open Science Cloud wissen auch von solchen parallel existierenden Initiativen oder wie ist da letztlich die Vernetzung organisiert, dass man voneinander wei\u00df und sich auch abstimmt? Sind das die gleichen Player, die dann da in diesen Gremien sitzen und sich um diese Infrastrukturen k\u00fcmmern? Oder wie funktioniert da genau die, der Informationsaustausch? Also wenn\u2018s Entwicklungen gibt in der European Open Science Cloud, wie erfahren beispielsweise die Leute von GAIA-X davon und andersherum?<\/p>\n\n\n\n<p>[13:47] Willi Scholz:<br>Ja das ist eben genau die Herausforderung, die noch aussteht.<\/p>\n\n\n\n<p>[13:51] Doreen Siegfried:<br>Ah okay.<\/p>\n\n\n\n<p>[13:52] Willi Scholz:<br>Wenn man es sich auf europ\u00e4ischer Ebene anguckt, dann laufen die Projekte schon in der gleichen Generaldirektion zusammen, Es scheint aber noch nicht wirklich stark abgestimmt zu sein. Das hat nat\u00fcrlich den Hintergrund, dass die EOSC auch aus der Kommission heraus entstanden ist. GAIA-X ja eher aus den Mitgliedsstaaten, hier speziell Deutschland und Frankreich. Und wir sind jetzt gerade in der Phase, wo sich diese beiden Prozesse ann\u00e4hern, das hei\u00dft, es wird auf beiden Seiten schon gesehen, dass es sehr sinnvoll ist, sie aufeinander abzustimmen, weil der Bedarf daf\u00fcr auch da ist. Es ist aber noch nicht so konkret, dass man wirklich sich entspannt zur\u00fccklehnen kann und sozusagen die \u00dcberzeugung da ist, dass die gut aufeinander abgestimmt werden. Deswegen sind wir auch in der Allianzinitiative \u201eDigitale Information\u201c gerade da dran, uns das genauer anzuschauen. Auch Empfehlungen auszusprechen, dass es eben wichtig ist, dass es auf europ\u00e4ischer Ebene gut abgestimmt wird. Auf nationaler Ebene haben die Gespr\u00e4che begonnen. So gibt es zum Beispiel auch im BMBF, also im Bundesbildungs- und Forschungsministerium, gibt es auch ein Referat, das zu GAIA-X arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>[14:59] Doreen Siegfried:<br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p>[14:59] Willi Scholz:<br>Es gibt wiederum aber auch das NFDI-Direktorat, das schon im Austausch steht auch mit dem BMWi und den GAIA-X-Initiatoren, das hei\u00dft, die Gespr\u00e4che beginnen, die Abstimmungen finden statt. Es ist nur die Frage, ob das rechtzeitig ist und ob das in ausreichender Intensit\u00e4t getan wird, um eben zu vermeiden, dass sp\u00e4ter dann Schwierigkeiten zwischen den beiden entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>[15:25] Doreen Siegfried:<br>Ja. Okay. Also wir sind noch mittendrin? Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[15:29] Willi Scholz:<br>Genau. Und was halt auch ganz interessant ist, f\u00fcrs Verst\u00e4ndnis im Hintergrund ist, dass das schon unterschiedliche Paradigmen sind, denen die beiden folgen. Also GAIA-X ganz klar, das Thema Datensouver\u00e4nit\u00e4t, was f\u00fcr Unternehmen nat\u00fcrlich ein riesiges Thema ist. Die EOSC folgt ja aber eher dem Paradigma von offenen Wissenschaften, also Open Science.<\/p>\n\n\n\n<p>[15:49] Doreen Siegfried:<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[15:49] Willi Scholz:<br>Und dort geht es vielmehr darum, so offen wie m\u00f6glich zu sein und nur, wo es n\u00f6tig ist, die Forschungsdaten zu sch\u00fctzen. Da haben sich ja die FAIR-Prinzipien durchgesetzt und genau da muss man halt schauen, dass das nat\u00fcrlich schnell missverstanden wird von Unternehmen, es soll f\u00fcr jeden frei zur Verf\u00fcgung stehen, das gilt nat\u00fcrlich auch nicht bei Forschungsdaten. Also medizinische Daten, personenbezogene Daten sind nat\u00fcrlich auch unter den FAIR-Prinzipien gesch\u00fctzt. Aber ist wichtig zu wissen im Hintergrund, das sind zwei gro\u00dfe Paradigmen, Datensouver\u00e4nit\u00e4t, offene Forschungsdaten oder faire Forschungsdaten und da gibt es durchaus Widerspr\u00fcche die gel\u00f6st werden m\u00fcssen, die aber auch gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>[16:26] Doreen Siegfried:<br>Hm. Ja. Versteh ich. Ja, ich mein, das Wissenschaftler Vetorechte einlegen wollen, wissen wir ja auch durch verschiedene Studien auch aus dem Leibniz-Forschungsverbund Open Science, dass das auch durchaus ein Bedarf ist, so mit zu entscheiden, wer ist Sekund\u00e4rnutzerin oder nicht. Vielleicht noch eine Frage: f\u00fchren die Archivierung und die Bereitstellung von Forschungsdaten, darum geht\u2019s ja letztlich, w\u00fcrdest du sagen, f\u00fcr die ist tats\u00e4chlich zu einer kooperativeren Wissenschaft und einer Steigerung des Wissens? Wo gibt\u2019s da vielleicht noch so Leerstellen?<\/p>\n\n\n\n<p>[17:04] Willi Scholz:<br>Ja also Leerstellen auf jeden Fall. Die Ver\u00f6ffentlichung von Forschungsdaten spielt einfach noch keine wirklich relevante Rolle f\u00fcr die Reputation von Forschenden. Das stellt nat\u00fcrlich ein Problem dar, weil dann eben die Anreizstruktur fehlt, genau das zu machen. Man kann da nat\u00fcrlich sehr auf intrinsische Motive setzen, und das geschieht auch und es wird auch geteilt und es wird mehr. Aber noch besser ist es nat\u00fcrlich, wenn das unterf\u00fcttert ist durch klare Anreizstrukturen. Das muss also parallel zu den f\u00f6derierten Infrastrukturen entwickelt werden. Also eine Anreizstruktur zum Teilen von Forschungsdaten. Dass eben zum Beispiel Zitationen von Forschungsdatens\u00e4tzen eben auch zu Reputation beitr\u00e4gt. Und ich glaube, es wird in Zukunft auch wichtig sein, Forschende auch im gesamtem Datenzyklus zu unterst\u00fctzen. Also von der Erhebung \u00fcber das Auswerten bis hin zur Archivierung von Forschungsdaten zu unterst\u00fctzen. Hier k\u00f6nnten sich eben auch genauso neue Berufsgruppen entwickeln. Wir kennen das unter den Stichw\u00f6rtern Data-Scientist oder Data-Librarian. Und auch da wird es aber wichtig sein, klare Karrierepfade f\u00fcr diese neuen Strukturen zu entwickeln und eben auch Anreize zu schaffen, so dass auch Reputation erworben werden kann. Weil das halt ganz neue Karrierepfade sein werden, die aber, glaube ich, sehr dazu beitragen k\u00f6nnen, eben diese, den Datenzyklus, deutlich zu verbessern und es auch den Forschenden damit zu erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<p>[18:26] Doreen Siegfried:<br>Hm. Ja, ich mein, solche Datenarchive nehmen ja letztlich auch den Leuten die Arbeit ab, wenn\u2019s darum geht, sich zu legitimieren, die Forschungsdaten nachzunutzen, ne? Also, ich muss jetzt nicht bei jeder Anfrage, mir irgendwie das Forschungsvorhaben vorlegen lassen und selbst entscheiden, kann ich jetzt die Forschungsdaten der Person geben oder lieber nicht. Spart ja am Ende denn auch durchaus Zeit, die man am Anfang investiert hat, um die ganzen Metadaten zu erstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>[18:59] Willi Scholz:<br>Ganz genau.<\/p>\n\n\n\n<p>[19:00] Doreen Siegfried:<br>Ja. Okay. Ja, spannendes Thema. Es ist also viel los in der Welt der Forschungsdateninfrastrukturen. Letzte Frage Willi: wenn jetzt unsere H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer sich f\u00fcr dieses ganze Thema Open Science interessieren, \u00fcber Forschungsdateninfrastrukturen. Die ganzen Initiativen jetzt total spannend finden, was w\u00e4ren jetzt deine konkreten Tipps und Tricks f\u00fcr die t\u00e4gliche Praxis?<\/p>\n\n\n\n<p>[19:28] Willi Scholz:<br>Ja, schwierige Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>[19:29] Doreen Siegfried:<br>[lacht] Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>[19:30] Willi Scholz:<br>Also wenn man jetzt an Forschende denkt, die sich vielleicht begeistern k\u00f6nnen f\u00fcr Open Science, dann w\u00fcrde ich sagen: ein wichtiger Aspekt ist halt einfach sozusagen umzudenken. Das hei\u00dft, sich nicht mehr die Frage zu stellen: warum sollte ich das ver\u00f6ffentlichen? Was bringt das mir? Wie kann ich das \u00fcberhaupt? Sondern, dass man erst einmal grundlegend den Antrieb hat. Man m\u00f6chte es, auch die Forschungsdaten ver\u00f6ffentlichen und sich dann eher fragt, wie genau kann ich\u2018s und gibt es \u00fcberhaupt Einschr\u00e4nkungen? Also eher dieses \u201eas open as possible\u201c wirklich auch im Kopf zu verankern. Das w\u00e4re, glaube ich, schon sehr hilfreich, weil dann das vieles danach leichter erscheinen l\u00e4sst. Das zweite ist, wenn man an die Publikationen von Artikeln denkt, dass eben auch da darauf geachtet wird, m\u00f6glichst im Open Access. Es h\u00e4ngt nat\u00fcrlich mit der Reputation zusammen. Bei manchen Disziplinen gibt es noch nicht so viele sehr gute Open Access-Zeitschriften. Zumindest in der Bewertung f\u00fcr die Reputation, da muss man vielleicht noch l\u00e4nger daraufhin arbeiten. Aber in einigen Disziplinen ist das durchaus m\u00f6glich, da auch gezielt in Open Access-Zeitschriften schon zu publizieren, sich dar\u00fcber auch Im Vorfeld der Ver\u00f6ffentlichung schon Gedanken zu machen. Und das dritte w\u00e4re eben auch im Bereich der Gutachten st\u00e4rker darauf zu achten, f\u00fcr wen schreibt man dort eigentlich Gutachten. Und sind das Zeitschriften, die eine m\u00f6glichst breite Nutzung ihrer Artikel zulassen, sind das Open Access-Zeitschriften oder eben nicht. Was kann man selbst aus der Gutachterrolle oder Gutachterinnenrolle heraus tun, damit das eben auch m\u00f6glichst breit zur Verf\u00fcgung gestellt wird? Das w\u00e4ren so drei Aspekte, glaube ich, mit denen man starten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>[21:05] Doreen Siegfried:<br>Ja, super. Vielen Dank! Vielen Dank auch da drau\u00dfen. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen. Lassen Sie uns auch gerne Feedback da. Abonnieren Sie uns flei\u00dfig auf iTunes oder Spotify. Und ich freu mich auf\u2019s n\u00e4chste Mal.<br><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"tags":[50,52,46,51,31,49,48,4,47,5,7,8,12],"class_list":["post-19","podcast","type-podcast","status-publish","hentry","tag-allianz-initiative","tag-daten","tag-eosc","tag-european-open-science-cloud","tag-forschung","tag-forschungsdaten","tag-gaia-x","tag-leibniz","tag-nfdi","tag-open-access","tag-open-data","tag-open-science","tag-zbw","post"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.0 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>FOS 02 Vernetzte Forschungsdateninfrastrukturen<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Vernetzte Forschungsdateninfrastrukturen: EOSC, GAIA-X und die Nationale Forschungsdateninfrastruktur NFDI.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, 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